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Abgeltungssteuer: Rosige Zeiten für Zinssparer

Millionen von Kleinsparern können der Abgeltungssteuer gelassen entgegensehen. Kein Zinssparer muss mehr bezahlen als bislang - und Gut- und Besserverdienende werden sogar entlastet. Lesen Sie hier, was auf Sie zukommt, wenn Ihr Geld auf einem Tagesgeldkonto liegt oder in Geldmarkt- und Rentenfonds investiert ist.

Von Frank Donovitz und Joachim Reuter

Endlich mal eine frohe Botschaft aus Berlin: Wer sein Erspartes mit stinknormalen Zinsanlagen vermehrt, zahlt ab dem kommenden Jahr weniger an den Finanzminister. Ab dem 1. Januar 2009 zieht der Fiskus von Zinsgutschriften nur noch 25 statt bisher 30 Prozent Kapitalertragsteuer ab. Damit sind dann alle Ansprüche des Staates erledigt.

Bisherige ungünstigere Regel

Noch gilt eine andere Regel: Ist der persönliche Einkommensteuersatz eines Sparers höher als 30 Prozent, muss er die Einnahmen nachversteuern - insgesamt mit bis zu 45 Prozent. Liegt seine Steuerbelastung unter 30 Prozent, kann er zu viel abgezogene Abgaben über die Einkommensteuererklärung vom Finanzamt zurückholen. Dieser Weg bleibt auch künftig möglich, wenn der persönliche Steuersatz weniger als 25 Prozent beträgt.

Unterm Strich gilt also: Kein Zinssparer muss mehr zahlen als bisher - und Gut- und Besserverdienende werden sogar entlastet. Auch der bisherige Sparerfreibetrag bleibt erhalten: Für Singles sind 801 Euro Kapitalerträge pro Jahr steuerfrei, für Verheiratete 1602 Euro. Millionen von Kleinsparern können der Abgeltungssteuer also ganz gelassen entgegensehen.

Aus für trickreiche Konstruktionen

Für alle, die ihre Freibeträge ausgeschöpft haben, wird das Leben sogar einfacher. Denn die neue Steuer macht Geldanlagen attraktiver, bei denen Zinsen direkt ausgezahlt oder angesammelt werden. Trickreiche Konstruktionen, um statt Zinsausschüttungen Kursgewinne zu erzielen, lohnen weniger. Mit geschickter Spekulation hatten bisher vor allem Rentenfonds ihre Rendite aufgebessert. Künftig schlägt aber auch bei Kursgewinnen von Anleihen die Abgeltungssteuer mit 25 Prozent zu.

Lesen Sie die jeweiligen Tipps dazu in unserer FAQ-Liste.

Sparbücher und Sparbriefe

Sie gehören zu den beliebtesten Geldanlagen der Deutschen - obwohl die Zinsen vergleichsweise mager sind. Althergebrachte Sparbücher, im Fachjargon "Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist", bringen bestenfalls um die zwei Prozent Jahreszins. Etwas mehr als das Doppelte bieten Sparbriefe - sofern das Geld ein bis zehn Jahre festgelegt wird. Immerhin: Von Jahreszinsen, die über dem Steuerfreibetrag liegen, werden ab Januar nur noch 25 statt bisher 30 Prozent abgezogen, die Nachversteuerung entfällt.

Tages- und Festgeldkonten

Diese Zinskonten sind gegenüber klassischen Sparbüchern schon seit einigen Jahren die deutlich bessere Wahl (siehe Tabelle). Auch hier gilt: Für Gutbetuchte wird es günstiger. Im Wettlauf um kurzfristige Spargelder dürften die Topangebote dann vielen Rentenfonds und vor allem aber Geldmarktfonds den Rang ablaufen.

Renten- und Geldmarktfonds

Sie sind bisher die Favoriten der Fondssparer. Mehr als 270 Milliarden Euro haben die Deutschen in Renten- und Geldmarktfonds investiert. Das sind fast 40 Prozent des gesamten Vermögens, das die Investmentgesellschaften verwalten. Das wird wohl nicht so bleiben. Zwar werden die jährlichen Zinsausschüttungen dieser Fonds durch die Abgeltungssteuer besser gestellt. Aber: Der Fiskus wird zusätzlich auch 25 Prozent von der Wertsteigerung eines Fondsanteils, der nach dem Jahreswechsel gekauft wird, abzwacken. Bislang waren Kursgewinne sämtlicher Wertpapiere, so auch die von Investmentfonds, nach einem Jahr steuerfrei.

Auch Wertsteigerung wird besteuert

Künftig läuft es so: Die Depotbanken ermitteln ab Januar für alle Wertpapiere automatisch den Wertunterschied zwischen An- und Verkaufstag. Ergibt die Rechnung ein Plus, zieht die Bank sogleich ein Viertel davon ab - für Steinbrücks Staatskasse. Kommt ein Minus heraus, lässt sich der Verlust mit Gewinnen aus anderen Wertpapierverkäufen - außer Aktien - verrechnen.

Papiere, die ab Januar gekauft und später mit Kursgewinn wieder verkauft werden, lohnen sich also weniger. Das trifft besonders die Euro-Geldmarktfonds, deren jährlicher Wertzuwachs nach Abzug aller Kosten im Durchschnitt nicht einmal drei Prozent beträgt. Zieht man davon noch die Abgeltungssteuer ab, können die Fonds Tagesgeldkonten mit guten Konditionen kaum mehr überbieten. Es sei denn, die Fondsmanager würden dafür höhere Risiken eingehen - was wohl kaum im Sinne der sicherheitsorientierten Anleger wäre.

Jetzt Vorteil für Tagesgeldkonten

Das Gleiche gilt ab Januar für Euro-Rentenfonds, die das Geld in staatlichen Schuldverschreibungen aus dem Euro-Raum anlegen. Die bisherige Werbung, für Anteilseigner neben Zinsen auch Kursgewinne zu erwirtschaften, zieht dann kaum noch. Im Vergleich zu einer direkten Anlage in Bundeswertpapieren bleibt tendenziell zu wenig übrig. Beispiel: Schaffte ein Euro-Rentenfonds in einem Jahr nach Abzug der Kosten ein Plus von vier Prozent, konnte der Anteilsinhaber nach Ablauf des Jahres den Gewinn durch Verkauf steuerfrei kassieren. Für Anteile, die er nach Neujahr 2009 erwirbt, wäre es ein Viertel weniger, also nur noch drei Prozent.

Wer in länger laufende, vergleichsweise sichere Euro-Zinspapiere investieren will, wird künftig also mehr denn je auf die Höhe der Ausschüttung achten - jedoch kaum mehr auf die ohnehin nur moderaten Kursgewinne spekulieren. Infrage steht damit auch die Strategie von Renten- und Geldmarktfonds mit Steuerspareffekt, die nur Mini-Zinsen ausschütten und stattdessen auf bislang steuerfreie Kursgewinne nach einem Jahr setzten. Zu ihnen zählt auch der größte deutsche Fonds UniOpti4 der Volksbanken, der 22 Milliarden Euro von Steuersparanlegern verwaltet.

Bewährte Strategie: Kaufen und halten

Wer allerdings an der globalen Zins- und Währungsspekulation mitverdienen will, sollte sich noch in diesem Jahr internationale Rentenfonds kaufen. Sie legen das Geld in Staatspapieren außerhalb des Euro-Raums an, wo die Zinsen zum Teil deutlich höher sind. Diese Rentenfonds sind allerdings riskanter, weil der Wert der Währungen gegenüber dem Euro schwanken kann. Der Kauf bis Dezember bietet den Vorteil, dass der mögliche Wertzuwachs nach Ablauf eines Jahres steuerfrei bleibt.

Das neue Jahr verhilft denn auch einer simplen Strategie zum Comeback: Zins-Papiere kaufen und bis zum Laufzeitende - wenn das angelegte Geld zurückgezahlt wird - behalten und einfach Zinsen kassieren. "Buy and Hold" nennen Profis dieses Vorgehen. Am sichersten und kostengünstig funktioniert das mit Wertpapieren des Staates.

Bundeswertpapiere

Zur Finanzierung seines Haushalts pumpt sich der Bund gern direkt Geld bei seinen Bürgern. Vier Varianten können private Sparer direkt bei der staatlichen Finanzagentur erwerben - auch per Internet (www.bundeswertpapiere.de).
Sowohl der Ankauf als auch die Verwahrung sind bei der Finanzagentur kostenlos. Die höchsten Zinsen bieten derzeit die Bundesschatzbriefe (siehe Tabelle).

Bei Typ A wird der Zins jedes Jahr ausgezahlt, bei Typ B bis zum Laufzeitende gesammelt und dann ausgezahlt. Der Einstieg - einmalig oder per monatlichem Sparplan - ist schon mit niedrigen Beträgen möglich: Die Schatzbriefe gibt es ab 52 Euro, die Tagesanleihe des Bundes schon ab 50 Euro. Die Anlage in Bundesobligationen ist ab 110 Euro möglich, in Finanzierungsschätze müssen mindestens 500 Euro investiert werden.

Fazit

Besonders für gut verdienende Zinssparer, die ihren Sparerfreibetrag ausgeschöpft haben, bringt die Abgeltungssteuer unterm Strich Vorteile. Nach Silvester wird der Kauf vor allem von Euro-Renten- und Geldmarktfonds-Anteilen unattraktiver. Die Direktanlage etwa in Bundeswertpapiere dürfte dann lohnender sein.

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Joachim Reuter und Frank Donovitz