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Vorsicht Falle: Gier und Angst werden bestraft

Im Vorfeld der Einführung der neuen Abgeltungssteuer schüren viele Banken bei den Anlegern Panik: Dank ihrer Werbeversprechen soll die drohende Steuer umgangen werden. Doch nicht alle Botschaften stimmen. Wir sagen, auf welche Tricks Sie nicht hereinfallen sollten.

Von Robert Kracht

Sie springt einem aus dem Schaufenster fast jeder Bank entegegen: Die Zahl 25 verheißt Böses. "Retten Sie sich schnell vor der Abgeltungssteuer, wir haben die passenden Lösungen". So - oder so ähnlich - lautet die Botschaft auf Plakaten, in den Medien und persönlichen Schreiben an die Kunden. Die Finanzbranche macht aktiv, um möglichst viel vom steuerlichen Schlussverkaufsgeschäft 2008 mitnehmen zu können.

Teure Umschichtungen

Doch bevor sich Sparer auf ein Beratungsgespräch einlassen, sollten sie zwei wichtige Punkte beachten. Die Steuer ist nur selten ein Argument, um bewährte Anlageentscheidungen einfach umzuschmeißen und die Pferde zu wechseln. Denn was nützt das beste Steuersparmodell, wenn es anschließend an der Rendite hapert? Die Banken klären ihre Kundschaft zwar über die anstehenden Neuregelungen auf, haben aber eigene Interessen im Hinterkopf. Sie wollen etwas verdienen und das klappt vor allem, wenn der Sparer auf teurere Produkte umsteigt und möglichst viele Umschichtungen vornimmt. Verkauf des Altbestandes und Order steuerlich besserer Produkte bringt nämlich zweimal Transaktionsgebühren. Und die kostenintensive Anlage sichert auf Dauer Bestandsprovisionen.

Einige Berater aus der Finanzbranche animieren jetzt bis zur Einführung der Abgeltungssteuer sogar massiv zum Produktwechsel. Dabei wird Sparern oft schlicht Angst gemacht und unterschwellig suggeriert, nur mit anderen Anlageformen könnten sie 2009 erfolgreich überleben. Was also bisher jahrzehntelang gut funktioniert hat, soll nun wegen der neuen Steuergesetze plötzlich ins Abseits führen.

Großteil nicht betroffen

Dabei muss ein Großteil der Anleger überhaupt nicht reagieren und kann sich sogar aufs neue Jahr freuen. Wer überwiegend auf Festgeld, Sparbriefe und -bücher oder Anleihen setzt, erhält von jeder Auszahlung ab 2009 netto mehr aufs Konto, ohne jegliche Mühe. Hier bringt ein Umstieg außer Spesen kaum etwas. Daher sollte für konservative Sparer eher das Motto lauten, sich in Ruhe zu informieren und besonnen über kleinere Depotanpassungen nachzudenken.

Nur weil der Finanzminister den Anlegern neue Spielregeln vorschreibt, sollten sie nicht gleich in Torschusspanik verfallen: Denn wer vorwiegend mit Steuervorteilen wirbt, wird anschließend vom Fiskus bestraft. So wurde beispielsweise vor Jahren massiv für Investitionen in Ostimmobilien oder Medienfonds geworben. Die sollten hohe Verlustzuweisungen bringen und damit sofort Steuern in großem Umfang sparen. Das gelang aber fast immer nur zum Teil. Zwar wurde das Finanzamt anschließend tatsächlich knapp gehalten, dafür führte die Investition aber zum wirtschaftlichen Flop bis hin zum Totalverlust. So brachte das den Anlegern zwar eine Steuerersparnis von rund 50 Prozent der Einlage, das verlorene Anlagegeld tendierte aber eher gegen 100 Prozent.

Unnötige Gebühren

Solche massiven Vermögensverluste drohen zwar nicht, wenn jetzt etwa Sparguthaben in Fonds getauscht werden. Hier kostet der Umstieg höchstens unnötige Gebühren. Aber die müssen nicht sein, nur um vor der Abgeltungssteuer zu fliehen. Als Ideallösung kommen tatsächlich Investmentfonds in Betracht, um Kursgewinne auf Dauer vor der Steuerlast zu retten. Daher ist es durchaus sinnvoll, wenn der Bankberater jetzt verstärkt Dach- und Aktienfonds als Alternative zur Direktanlage empfiehlt.

Damit die Strategie aufgeht, müssen jedoch mehrere Stellschrauben passen. Erst einmal wird ein Ausgabeaufschlag von bis zu fünf Prozent auf den Kaufpreis fällig, das Geld ist schon mal verloren. Anschließend können jährlich zweifache Gebühren anfallen, denn die Manager von Dach- und Unterfonds wollen bezahlt werden. Das alles lohnt sich nur, wenn das Produkt anschließend zumindest so erfolgreich ist wie der Anleger selbst. Dann macht sich die Steuerersparnis über den konservierten Bestandsschutz für Kursgewinne bezahlt und gleicht die Zusatzgebühren aus.

Jeder Kauf ein Treffer

Wer darauf setzt, muss zudem das richtige Produkt finden, denn jeder Kauf muss jetzt ein Treffer sein. Die Pferde lassen sich 2009 nicht mehr steuergünstig wechseln. Bei Neuinvestitionen entfällt nicht nur der Bestandsschutz, sondern es wird erneut ein Ausgabeaufschlag fällig. Anleger hätten sich Ärger und Kosten erspart, wenn sie gleich in Eigenregie aktiv geworden wären.

Ähnliche Überlegungen gilt es anzustellen, wenn eine Lebensversicherung in Betracht kommen soll. Die empfehlen Vermittler besonders gern, steht doch eine hohe Abschlussprovision in Aussicht. Steuerlich kommen die Policen bei dem Systemwechsel tatsächlich ganz gut davon. Aber die Gebühren nagen an der Rendite und einige Sparer benötigen mangels Familie überhaupt keine Absicherung des Todes. Hierfür werden aber Teile der Einzahlungen benötigt, die nicht zum Sparen zur Verfügung stehen.

Hintertür Riester-Sparen?

Eine ganz neue Idee macht derzeit die Runde und klingt auf den ersten Blick tatsächlich interessant. Mit einem Riester-Vertrag lässt sich die Abgeltungssteuer umgehen. Daher lautet die Botschaft, eine Police ohne staatliche Förderung abzuschließen und ohne Beteiligung des Fiskus dauerhaft zu sparen. Das klappt tatsächlich, zahlt sich aber kaum aus. Denn Riestern lohnt insbesondere durch die Zulagen für den Sparer und seine Kinder. Da die Anbieter bei Fälligkeit eine Rückzahlungsgarantie geben müssen, können sie nur konservativ agieren. Das bringt eher maue Renditen und wird erst mit der staatlichen Förderung lukrativ. Zudem muss die Auszahlung im Alter mit der individuellen Progression versteuert werden. Die liegt in der Regel über dem Abgeltungstarif und belastet auch noch den Steuersatz für das übrige Einkommen. Damit ist also wenig gewonnen, auch wenn die Flucht vor der Abgeltungssteuer gelingt.

Da sich im Steuerrecht bekanntlich laufend etwas ändert, können Sparer in den kommenden Monaten nicht sicher sein, ob ihr gewähltes Investment auch unter steuerlichen Aspekten langfristig das Richtige ist. Das gilt jetzt ganz besonders, denn der Gezeitenwechsel 2009 ist auch für den Fiskus etwas ganz Neues. In der Praxis wird sich dann sehr schnell zeigen, wo es noch hapert und was falsch geregelt ist. Bis zur nächsten Gesetzesänderung ist es dann nicht mehr weit. Pech für den, der jetzt sein gesamtes Depot auf Anraten umgestellt und für die Abgeltungssteuer passend gemacht hat. Denn der darf kommendes Jahr möglicherweise noch einmal aktiv werden.

Regierung ist wachsam

Die Bundesregierung hat bereits mit Gegenreaktionen gedroht, sollten jetzt massiv unerwünschte Steuersparmodelle auf den Markt kommen. Daher ist äußerste Vorsicht angebracht. Wer allzu laut mit Schutz vor der Abgeltungssteuer und dem ultimativen Fluchtmodell wirbt, wird kurz vor Toresschluss vielleicht doch noch mit der Pauschalsteuer ab 2009 bestraft.

Einige Beispiele gibt es bereits. Zuerst waren die Zertifikate dran, hiermit sollte der Bestandsschutz optimal und über marktbreite Börsenindizes funktionieren. Das wurde bereits im Frühjahr 2007 gestrichen. Dann erfolgte der Tipp an Vermögende, einen Fonds in Luxemburg zu gründen, um hierdurch ein Leben lang Steuern auf realisierte Kursgewinne vermeiden zu können. Der Ratschlag hatte nur eine kurze Haltbarkeitsdauer, im November 2007 war Schluss damit. Als nächstes trifft es jetzt normale Investmentfonds, die in Zertifikate investieren. Über das Jahressteuergesetz 2009 kippt die Bundesregierung nun den Bestandsschutz.

Gesetze können sich ändern

Anleger können also auch dann nicht mit ruhigem Gewissen investieren, wenn ihnen der Finanzberater die richtigen Tipps an die Hand gibt und sich die Gebühren für empfohlene Umschichtungen im Rahmen halten. Sie wissen nicht, ob der Fonds fürs Leben wirklich kräftig sprudelt oder ob die Gesetze kurzfristig noch neu justiert werden. Da passt der weise Ratschlag, dass Steuerspareffekte nur das Sahnehäubchen auf ein interessantes Investment sein dürfen und nicht allein Ausschlag gebend für die Entscheidung sein sollten.

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