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Abgeltungssteuer: Machen Sie den Last-Minute-Check!

Nur noch wenige Tage: Dann kommt die Abgeltungssteuer - und das Finanzamt kassiert 25 Prozent der Erträge von Sparbuch, Aktiendepot oder Tagesgeldkonto. Höchste Zeit zu prüfen, ob Sie in Ihren Depots etwas ändern müssen - oder ob Sie der neuen Steuer entspannt entgegensehen können. Worauf Sie Ihr Depot durchleuchten sollten.

Von Robert Kracht

Nur noch wenige Tage, dann wird die Abgeltungssteuer eingeführt. Der 1. Januar 2009 wird damit zu einem historischen Systemwechsel für alle Privatanleger, denn die neue Steuer hat besonders für langfristige Sparer gravierende Auswirkungen. Ab dann gilt: Ob Sparbuch, Tagesgeldkonto oder Aktiendepot, von Januar ab schneidet das Finanzamt pauschal einen Anteil von 25 Prozent ab - nicht vom Guthaben, aber von den Erträgen. Dabei gibt es künftig Investments, mit denen Anleger besser fahren als bisher - und natürlich umgekehrt.

Wer sich bisher nicht um die Auswirkungen der kommenden Abgeltungssteuer auf seine Geldanlagen gekümmert hat, dem bleibt nun nicht mehr viel Zeit: Denn spätestens bis zu den Weihnachtsfeiertagen müssen die Weichen für die künftige Vermögensstrategie gelegt sein.

Wir sagen, wie Sie nun noch die gesetzlichen Übergangsregeln ausnutzen, letzte Neujustierungen am Depot vornehmen und was Sie über Krichensteuer und Freistellungsaufträge wissen müssen. Wer dies verinnerlicht, kann anschließend besinnlich Weihnachten feiern und ausgelassen die Silvesterraketen steigen lassen. Einen Tag später kassiert dann die Bank schon ein Viertel Abgeltungsteuer auf fast alle Kapitalerträge - was nicht allen Sparern den Neujahrssekt schmecken lassen wird.

Was muss ich bei meinem Freistellungsauftrag beachten?

Grundsätzlich erst einmal gar nichts. Der Bank bereits eingereichte Formulare gelten nämlich auch 2009 weiter. Dies kommt daher, dass der bisherige Sparerfrei- und Werbungskosten-Pauschbetrag zum neuen Sparer-Pauschbetrag in gleicher Höhe von 801 € zusammengefasst werden. Bis zu diesem Betrag fällt dann keine Abgeltungsteuer an und die Bank zahlt Kapitalerträge brutto aus.

Grenze wird schneller erreicht

Allerdings wird der Freistellungsbetrag künftig deutlich schneller überschritten, und dies aus zwei Gründen: Ab 2009 gehören nun auch Kursgewinne mit zu den Kapitaleinnahmen und beanspruchen daher einen Teil vom Freistellungsbetrag. Bis einschließlich 2008 unterlagen Gewinne mit Wertpapieren oder an der Terminbörse hingegen noch nicht dem Zinsabschlag.

Zudem zählen Dividenden in zweifacher Höhe und nicht wie derzeit noch zur Hälfte. Insoweit sollte eine Neuverteilung des Freistellungsbetrags überdacht werden: Etwa wenn bei einer Bank derzeit vorwiegend steuerfreie Börsengeschäfte getätigt werden und bei einem anderen Institut überwiegend Zinsen fließen.

Gewinne noch in 2008 vorziehen

Sofern der Sparerfreibetrag im laufenden Jahr noch nicht voll ausgeschöpft ist, sollten Anleihen und Rentenfonds noch bis Ende 2008 verkauft werden. Dann gibt es die bis zum Kauftermin aufgelaufenen Zinsen über Stückzinsen bei Anleihen und Zwischengewinne bei Fonds, die dann als Einnahmen im laufenden Jahr noch steuerfrei fließen können. Solche vorzeitige Einnahmen gelingen auch mit der vorzeitigen Kündigung von Festgeld.

Soll ich Wertpapiere auf mehrere Banken streuen oder bündeln?

Generell sollte die Vermögensstrategie auf wenig Bankverbindungen ausgelegt werden, das erspart ab 2009 eine Menge Arbeit. Denn Gewinne und Verluste lassen sich künftig nur innerhalb einer Bank sofort verrechnen. Die Steuer wird dann nur auf die positive Differenz aus Gewinn und Verlust einbehalten. Wird dieses Ein-Bank-Prinzip nicht eingehalten, kann es durchaus geschehen, dass beispielsweise auf Zinsen beim Institut A Abgeltungsteuer anfallen, obwohl bei Institut B in gleicher Höhe realisierte Kursverluste vorliegen. Das lässt sich ab 2009 nur über das Finanzamt als Vermittler verrechnen und bringt neben Zusatzarbeit auch einen geringeren Zinseszinseffekt.

Ausweg Zweitdepot

In diesem Zusammenhang ist aber noch ein Sonderaspekt zu beachten, der wiederum eine zweite Kontoverbindung oder ein Unterdepot ratsam machen: Denn Kursgewinne ohne Abgeltungsteuer lassen sich nur über eine Trennung des alten und neuen Wertpapierbestands zum Stichtag 1.1.2009 optimieren. Werden Aktien, Fonds oder Optionsscheine noch vor 2009 angeschafft, fällt auf anschließend realisierte Kursgewinne keine Abgeltungsteuer an. Sofern die einjährige Spekulationsfrist ausgesessen wird, gelingt der Verkauf ohne Beteiligung des Fiskus. Wandern die Wertpapiere aber erst nach Silvester ins Depot, fließen 25 Prozent vom Kursplus über die neue Abgeltungsteuer ans Finanzamt.

Um diesen Bestandsschutz auf Kursgewinne bestmöglich auszunutzen, lohnt sich die Einrichtung einer zweiten Kontenverbindung. Alternativ kommt auch ein Unterdepot bei der Hausbank in Betracht, das meist weniger Gebühren kostet und jetzt von vielen Instituten ohne Zusatzkosten angeboten wird. Auf dem einen Depot wird dann der Wertpapierbestand Ende 2008 gelagert, alle anschließend erworbenen Titel wandern in das andere Depot. Über diese Zweiteilung kann der Anleger dann selbst entscheiden, ob er nach dem Jahreswechsel zuerst die Wertpapiere mit oder ohne Bestandsschutz abstößt.

Bestandsschutz ausnutzen

Hintergrund für diese gezielte Trennung ist ein gesetzlich vorgegebenes Verfahren, wonach Wertpapiere steuerlich als zuerst verkauft gelten, welche die längste Haltedauer ausweisen. Noch dem Motto "First-in-First-out" (FiFo) fallen also ohne Gegenmaßnahme stets die vor 2009 erworbenen Wertpapiere mit Bestandsschutz zuerst aus dem Depot. Werden nach dem Jahreswechsel die gleichen Titel nachgekauft und anschließend ein Teil des Bestands verkauft, kann es je nach Börsenverlauf aber besser sein, zuerst die alten oder die neuen Werte abzustoßen.

Was muss ich bei der Kirchensteuer beachten?

Hier müssen Anleger selbst aktiv werden. Denn die Kirchensteuer halten die Banken nur dann ein, wenn ihnen der Kunde sein Konfession freiwillig mitteilt. Ansonsten müssen Sparer die bereits mit Abgeltungsteuer belegten Kapitaleinnahmen extra in der Steuererklärung melden, nur damit das Finanzamt anschließend die Kirchensteuer nachfordert. Diese lästige Mehrarbeit kann vermieden werden, wenn die Bank die Religionszugehörigkeit kennt.

Auch Kirchenaustritte bekanntgeben

Das gelingt auch Ehegatten mit Gemeinschaftskonten, wenn einer katholisch und der andere evangelisch ist oder ein Gatte aus der Kirche ausgetreten ist. Das Paar kann der Bank angeben, in welchem Verhältnis die Erträge auf beide entfallen. Ansonsten verteilt das Institut die anfallenden Kapitaleinnahmen nach Köpfen, also je zur Hälfte.

Beispiel: Ein katholischer Anleger aus Köln lässt die Kirchensteuer nicht von der Bank einbehalten. 2009 fallen 10.000 Euro Zinsen an.

Die Bank rechnet 2009Euro
10.000 € Zinsen x 25 % Abgeltungsteuer2.500,00
x 5,5 % Solidaritätszuschlag137,50
Einbehaltene Steuer2.637,50
Das Finanzamt rechnet anschließend10.000 € Zinsen x 24,45 % Abgeltungsteuer2.445,00
x 5,5 % Solidaritätszuschlag134,48
x 9 % Kirchensteuer220,02
Steuersumme2.799,50
schon einbehalten– 2.637,50
noch zu zahlen162,00

Diese Mühe lässt sich ersparen, wenn die Bank sofort die 162 Euro kassiert.

Gibt es besondere Tricks für bestimmte Produkte?

Ja, die gibt es. Bei Garantiezertifikaten, strukturierten Anleihen oder abgezinsten Papieren sind bereits heute Gewinne - unabhängig von der tatsächlichen Haltefrist - mit der individuellen Progression steuerpflichtig. Bei einem Verkauf in 2009 greift hingegen die meist moderatere Abgeltungsteuer von 25 Prozent, sodass ein zeitliches Hinausschieben fast immer einen niedrigeren Tarif bringt. Zudem werden An- und Verkaufsspesen ab Neujahr 2009 erstmals steuermindernd berücksichtigt. Liegt hingegen ein Verlustgeschäft vor, wirkt sich dieses Minus beim Verkauf in 2008 wegen der höhreren individuellen Progression steuerlich besser aus. Zudem darf der Verlust in diesem Jahr noch mit anderen Einkünften wie Lohn oder Miete verrechnet werden, ab 2009 nicht mehr.

Übergangsregel für Zeritifikate

Ab 2009 wird der Verkauf einer

gebrauchten Lebensversicherung

erstmals steuerpflichtig. Hier ist zeitliches Taktieren angesagt: Bringt das Geschäft voraussichtlich einen Verlust, sollte Neujahr abgewartet werden. Dann lässt sich das Minus mit anderen Kapitaleinnahmen verrechnen. Im Gewinnfall ist hingegen der steuerfreie Verkauf bis Silvester ratsam. Allerdings lassen sich aufgrund der Finanzkrise derzeit keine attraktiven Priese erzielen. Ein schneller Verkauf nur zum Steuersparen ist daher wenig ratsam.

Zertifikate

unterliegen bei der Direktanlage einer gesonderten Übergangsregelung. Hier bietet sich nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist im Gewinnfall ein Verkauf bis zum 30. Juni 2009 an. Bei Verlusten hingegen bringt der Verkauf einen Tag später negative Kapitaleinnahmen, selbst wenn die alte Spekulationsfrist abgelaufen ist. Zertifikate können auch indirekt konserviert werden, wenn sie in Fonds lagern, dort wirkt auch nach Silvester 2008 die Übergangsregelung nicht. Der Manager kann den Fondsbestandanschließend ohne Abgeltungsteuer verkaufen und die Gewinne brutto reinvestieren.

Was wird aus dem Aufwand für die Geldanlage?

Der wird vom Fiskus gestrichen. Offene Rechnungen für die Geldanlage sollten noch 2008 bezahlt werden, ab 2009 zählen sie nicht mehr. Da Werbungskosten nach dem Abflussprinzip zugeordnet werden, lässt sich das jetzt bezahlte Anlegerseminar im Frühjahr 2009 noch von der Steuer absetzen. Da der Werbungskosten-Pauschbetrag mit 51 Euro gering ist, wirkt sich der Aufwand schnell bei der Steuer für 2008 aus. Allerdings darf es sich nicht um gezielte Vorauszahlungen wie etwa die Depotgebühr für die nächsten 20 Jahre handeln, das wird vom Fiskus als "schädliches Steuerstundungsmodell" nicht anerkannt.

Kredite tilgen

Generell sollten für Wertpapierkäufe aufgenommene Kredite zügig getilgt oder anderen Einkünften wie dem Mietshaus oder der Firma zugeordnet werden. Sonst wirken sich die Schuldzinsen ab 2009 nicht mehr als Werbungskosten aus, während die Kapitaleinnahmen voll besteuert werden. Dieses wirtschaftliche Fiasko sollte noch schnellstens vermieden werden.

Allerdings wird der Werbungskostenabzug bei der Geldanlage im Rahmen der Abgeltungsteuer nicht komplett gestrichen. Laut Gesetz dürfen Bankspesen und Maklercourtage beim An- und Verkauf von Wertpapieren auch 2009 weiter abgezogen werden.

Bankspesen weiterhin abzugsfähig

Das gilt auch für die im Rahmen von Terminmarktgeschäften angefallenen Gebühren. Selbst der Ausgabeaufschlag beim Kauf von Investmentfonds oder das Telefonat für den Börsenauftrag ist künftig weiterhin absetzbar. Damit mindern diese Kosten die steuerlich maßgebenden Gewinne und erhöhen angefallene Verluste. Das kann die der neuen Pauschalabgabe unterliegenden Kurserträge um bis zu zwei Prozent je Order senken, wenn die Bank für den Kauf und Verkauf je ein Prozent Gebühr in Rechnung stellt. Sofern sich die roten Zahlen dadurch erhöhen, kann das komplette Minus mit Zinsen und Dividenden verrechnet werden und senkt somit insgesamt die Abgeltungsteuer auf die übrigen Kapitalerträge.

Was soll für 2009 noch vorrangig ins Depot?

Ja, und zwar Zinsanlagen. Deren derzeitige Benachteiligung durch den Fiskus entfällt nämlich mit Einführung der Abgeltungsteuer. Aufgrund der Unsicherheiten durch die Finanzkrise ist es sicherlich keine schlechte Entscheidung, jetzt konservative Staatsanleihen oder Bonds von soliden anderen Schuldnern ins Depot zu legen. Bei Zinszahlung ab Neujahr 2009 sinken die Abgaben auf 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und führen bei fast allen Sparern zu besseren Nachsteuerrenditen im Rentendepot. Liegt der Anleger mit seiner Progression unter dem Abgeltungstarif, zahlt er nur den geringeren Satz, für ihn gibt es zumindest keine Nachteile. Zudem belasten die Zinsen nicht mehr das übrige Einkommen, für Mieten oder Lohn, hier ist ebenfalls eine Steuerentlastung drin.

Steuerlast wird verschoben

Bei Bundesschatzbriefen und Zerobonds greift der Fiskus auf die über Jahre aufgelaufenen Zinseszinsen geballt erst bei Verkauf oder Fälligkeit zu. Das verschiebt die gesamte Steuerlast, was den Sparerpauschbetrag für andere Erträge schont. Zudem gibt es ohne Beteiligung des Fiskus erst einmal einen steuerfreien Zinseszinseffekt.

Gering verzinste Papiere mit Kursen unter 100 Prozent bauen Gewinne bis zum Nennwert bei Fälligkeit auf. Dieses Plus bleibt nach Ablauf der Jahresfrist dauerhaft steuerfrei, wenn die Anleihen in der Silvesternacht 2008 bereits im Depot liegen. Besonders geeignet sind Hypothekenanleihen oder Pfandbriefe. Bei spekulativer Ausrichtung lohnen nachrangige Unternehmensanleihen, die aufgrund der Hypothekenkrise derzeit stark im Kurs gefallen sind.

Was macht im Depot wenig Sinn?

Aktionären beschert das Finanzamt nur schlechte Botschaften. Das führt im Endeffekt zu dem Ergebnis, dass die Investition in Unternehmensbeteiligungen unter der neuen Abgeltungsteuer völlig unattraktiv wird, da das eingegangene Risiko vom Fiskus steuerlich nicht mehr belohnt wird. Da kann es sogar ratsam sein, sich jetzt schon nach anderen Anlageformen umzusehen.

Aktie wird Auslaufmodell

Denn die Liste der Änderungen, die sich für Aktionäre nachteilig auswirken, ist lang: - Dividenden werden bei Zahlung ab Neujahr 2009 nicht mehr halbiert und mit dem individuellen, sondern in voller Höhe unter dem pauschalen Steuersatz erfasst. Selbst Spitzenverdienern bleibt netto weniger. - Bei anderen Wertpapierarten wie Aktienfonds, Zertifikaten oder Optionsscheinen gibt es immerhin noch den Ausgleich, dass sich rote Zahlen im Gegenzug besser verrechnen lassen: Über die bisherige Jahresfrist hinaus und künftig sogar mit Zinsen, Dividenden oder Versicherungserträgen. - Bei Aktien wirkt dieser positive Aspekt in schlechten Börsenzeiten aber leider nicht. Verluste aus ab 2009 georderten Titeln dürfen nur gleichartige Gewinne ausgleichen. Weisen die übrigen Aktien im Depot anschließend keine entsprechend hohen Gewinne auf, wird das Minus auf Jahrzehnte konserviert und vom Finanzamt erst einmal steuerlich wirkungslos für die Zukunft vorgehalten. Gleichzeitig fällt jedoch auf die Gewinne aus Zertifikaten oder Investmentfonds kräftig Abgeltungsteuer an.

Aktien im Privatdepot werden damit zum Auslaufmodell, zumal es Alternativen gibt. Selbstständige legen ihre Titel ins Betriebsvermögen ein. Dann bleiben Gewinne und Dividenden zu 40 Prozent steuerfrei und Kosten zählen mit 60 Prozent als Betriebsausgaben. Wer im Privatbereich bleiben möchte, erzielt mit Aktienfonds zumindest leichte Vorteile. Die Verluste sind besser verrechenbar und die im Fonds entstandenen Kosten mindern den Steuerertrag.

Soll ich Börsenverluste jetzt noch realisieren?

Aus Steuersicht ja, wenn die richtigen Wertpapiere verkauft werden. Angesichts der in den vergangenen Monaten deutlich gefallenen Kurse hat wohl nahezu jeder Anleger Aktien, Zertifikate oder Fonds mit roten Zahlen im Depot. Wer dieses Minus jetzt noch durch einen Verkauf als Steuerverlust rettet, kann gleich mehrere Vorteile auf einmal nutzen. Sofern Wertpapiere noch kein Jahr im Depot liegen, kommt es zu einem Spekulationsverlust. Der ist mit gleichartigen Börsengewinnen 2008 verrechenbar, was wohl eher die Ausnahme sein dürfte. Mangels vorhandenem Kursplus sucht das Finanzamt dann automatisch nach Spekulationsgewinnen in 2007 und verrechnet das aktuelle Börsenminus damit. Dann gibt es eine Erstattung.

Verluste in die Steuererklärung 2008

Sofern dort in 2007 nicht ausreichend schwarze Zahlen vorhanden sind, wird der jetzt realisierte Spekulationsverlust unter der Abgeltungsteuer immerhin bis 2013 verrechnet. Wichtig ist noch, dass Sparer ihre jetzt gemachten Börsenverluste in die Steuererklärung 2008 deklarieren, auch wenn sie sich mangels Kursplus nicht auswirken. Werden die erst in späteren Jahren unter dem System der Abgeltungsteuer nachgemeldet, berücksichtigt der Fiskus das Minus nicht mehr.

Es bleiben also fünf Jahre Zeit, um die roten Zahlen effektiv mit künftig anfallenden Kapitalerträgen zu verrechnen. Das gelingt aber nicht, wenn Anleger nur tatenlos auf die roten Zahlen in ihrem Depot schauen und keine Gegenmaßnahmen mit lukrativem Steuereffekt anstellen.

Lohnt sich der Gang ins Ausland?

Eher nicht, denn jenseits der Grenze wird es künftig deutlich komplizierter. Die dortigen Banken erheben keine Abgeltungsteuer. Während Sparer mit heimischen Konten ab 2009 in der Regel die äußerst unbeliebten Anlagen KAP, SO und AUS zur Steuererklärung nicht mehr ausfüllen müssen, erweitert sich der Umfang für Auslandserträge um die Verkaufsgeschäfte. Eine wesentliche Erleichterung bringt die Abgeltungsteuer nämlich nur bei inländischen Instituten, indem Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften ihren Kunden im Idealfall künftig sämtliche fiskalische Arbeit abnehmen.

Auslandsdepot macht mehr Arbeit

Dieses Privileg gibt es aber nicht für Besitzer von Auslandskonten oder Fonds, die von jenseits der Grenze aus gemanagt werden. Hier potenziert sich die Arbeit für den Anleger ab 2009 sogar: Die Nachversteuerung erfolgt erst über die Veranlagung beim Finanzamt. Das bedeutet Mehrarbeit: Während inländische Kreditinstitute Papiere mit und ohne Bestandsschutz differenzieren, muss dies der Sparer für sein Auslandsdepot für den Fiskus künftig selbst in die Hand nehmen. In der Praxis führt dies zwingend zu einer internen Buchführung, nur fürs Finanzamt.

Steuerehrliche Anleger fahren also besser und weniger arbeitsintensiv, wenn sie ihre Gelder bei der heimischen Bank um die Ecke investieren.

Gibt es einen ganz besonderen Steuertipp?

Ja, und der lohnt sich: Wer 2008 noch Anleihen kauft, nutzt die Tarifunterschiede vor und nach dem Jahreswechsel. Das gelingt mit gezahlten Stückzinsen. Die stellt die Bank beim Kauf von Anleihen neben dem Kurswert noch gesondert in Rechnung. Dabei handelt es sich um die rechnerisch seit der vorherigen Zinsauszahlung aufgelaufenen zeitanteiligen Erträge. Die stehen nämlich noch dem Verkäufer der Titel bis einen Tag vor dem Verkauf zu. Diese allgemeine Börsenregel können Anleger nutzen, denn Stückzinsen dürfen im Jahr des Kaufs als negative Einnahmen mit anderen Kapitalerträgen verrechnet werden. Verbleibt ein negativer Saldo, kann der Betrag sogar von anderen Einkunftsarten wie Miete oder Lohn abgezogen werden. Stückzinsen drücken also die Steuer auf das übrige Einkommen des Sparers.

Legaler Umstellungseffekt

Das gelingt aber nur noch bis Silvester besonders effektiv und kann als einmaliger Umstellungseffekt zu einer legalen Jahresendstrategie genutzt werden. Kapitalanleger können also durch den gezielten Kauf von Wertpapieren bis zum Jahresende noch ihre persönliche Steuerlast senken und Erträge gezielt über Silvester hinaus verschieben. Diese bewährte Regelung bekommt in diesem Jahr einen besonderen Einmaleffekt, da sich die negativen Einnahmen 2008 noch mit der individuellen Progression mindernd auswirken, während die Einnahmen nach dem Jahreswechsel bereits dem moderaten Abgeltungstarif unterliegen. Das kann eine Differenz von bis zu 20 Prozent zu Gunsten des Sparers ausmachen.

Der Spareffekt ist besonders hoch, wenn die jetzt georderten Anleihen im Januar ihren Zinstermin haben. Dann sind in den Stückzinsen schon rund elf Monate negative Kapitaleinnahmen aufgelaufen, die sich 2008 steuermindernd auswirken. Wer sich nun Titel mit hohen Kupons aussucht, kann die Steuerauswirkung noch potenzieren. Obwohl Sparer mit diesem Stückzinsmodell gezielt die Tarifunterschiede 2008/2009 ausnutzen, wird das vom Fiskus als börsenübliches Verfahren akzeptiert. Allerdings prüfen die Finanzbeamten auf Gestaltungsmissbrauch.

Vorsicht vor Gestaltungsmissbrauch

Der liegt vor, wenn es wirtschaftlich nicht zu einem Überschuss kommt, weil die später kassierten Zinsen geringer ausfallen als die jetzt bezahlten Stückzinsen und Bankspesen. Sofern die Anleihen nicht fremdfinanziert sind, besteht aber keine Gefahr.