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Aggressive Werbung: Autohändler leiden unter Rabattschlacht

"Peugeot schenkt Ihnen die Mehrwertsteuer", Fiat verspricht "6000 steuerfreie Euro für Ihren Gebrauchten". Zwei Beispiele von vielen, und die Rabattspirale auf dem deutschen Automarkt dreht sich immer schneller.

Anders als in früheren Jahren wurden diesmal auch in den Sommermonaten bei Herstellern und Händlern kostspielige Verkaufsaktionen durchgeführt. Weiter geht es im Herbst mit aufwändigen Angeboten, bei denen bis an die 20-Prozent-Marke gepokert wird. Weil die Hersteller ihre Überkapazitäten abbauen müssen, werden sich nach Einschätzung vieler Experten die Rabattschlachten auch im laufenden Jahr fortsetzen.

Rabattschlacht noch nicht zu Ende

Davon ist auch Ferdinand Dudenhöffer, Inhaber des Lehrstuhls für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Gelsenkirchen, überzeugt: "Wir gehen davon aus, dass die Spitzenwerte bei Rabatten noch nicht erreicht sind. Das wird in den ersten drei Monaten des nächsten Jahres kommen." Doch so schön purzelnde Preise für die Konsumenten sind, so gefährlich, zumindest jedoch teuer, wird es für Industrie und Handel.

"Man kann heute schon sagen, dass dies einige Händler nicht überleben werden", warnte Dudenhöffer. Die Kosten der jeweiligen Kampagnen sind beachtlich. Opels neue Aktion ("Mehrwertsteuer-Erstattung") wird die General-Motors-Tochter nach Ansicht von Branchenbeobachtern mit mehr als 70 Millionen Euro belasten. Die Volkswagen-Aktion "Sorglos Paket", einer Zusammenstellung aus Finanzierung, Wartung und Versicherung für bestimmte Modelle, schlage beim Wolfsburger Autohersteller mit über 140 Millionen Euro zu Buche, rechnen die Fachleute von Dudenhöffers Beratungsfirma B&D Forecast vor.

Schneller wachsen als der Markt

Der Hintergrund der Rabattgefechte, die inzwischen einem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb ähneln, sind bei allen Anbietern gleich: "Jeder Hersteller will auf Teufel komm raus schneller wachsen als der Markt", sagte Willi Diez, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Nürtingen.

Ein Großteil der Fantasie-Aktionen und Namen lassen sich auf wenige Kernideen herunterbrechen, die nur unter anderem Namen verkauft werden. "Alter Wein in neuen Schläuchen" ist also sehr oft das Motto. Es gibt wohl inzwischen so gut wie kein Thema, das nicht noch in eine Rabattaktion umgemünzt wird. Der echte Preisvorteil ist allerdings oft nicht so leicht abschätzbar. Natürlich kann man versuchen, die verschenkten Optionen nach ihren Listenpreisen zu addieren. Aber dies ist nicht immer möglich, da Zubehörteile oft "nur für dieses Sondermodell angeboten" werden.

Angebote genau prüfen

"Hier sollte der Käufer durchaus sehr kritisch sein und nicht jede angegebene Zahl glauben", rät Dudenhöffer. Ulrich Winzen, Chefanalyst des Branchendienstes Polk-Systems, stellt fest, auch wenn derzeit mehr als je zuvor mit Preisen geworben werde, "verschenkt die Branche ihre Autos noch lange nicht".

Norbert Michulsky/DDP / DDP