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Aktienbewertung: Keine Aktienanalyse ohne Adam Riese

Nüchternes Nachrechnen und ein beherzter Tritt auf die Euphoriebremse: Das Deutsche Aktieninstitut warnt Anleger vor Überbewertung der derzeitigen Kursrallye.

Nüchternes Nachrechnen und ein beherzter Tritt auf die Euphoriebremse: Das empfiehlt das Deutsche Aktieninstitut (DAI) allen Anlegern, die angesichts der seit März andauernden Kursrallye auf die Jagd nach zurückgebliebenen Werten gehen wollen. Die Aktienexperten weisen darauf hin, dass viele Privatanleger es bitter bereut hätten, in der Zeit der "ewigen Hausse" bis ins Frühjahr 2000 hinein ihre Aktienkäufe nicht vorher sauber nach finanzanalytischen Grundsätzen durchleuchtet zu haben.

Hirn nicht gleich abschalten

Denn dann hätten sie gesehen, dass in vielen Fällen das Nachrechnen einiger Kennziffern und ihre historische Einordnung ganz deutlich eine hoffnungslose Überbewertung signalisiert hatten. Hinweise in dieser Richtung habe es durchaus gegeben, nur wollte diese in der allgemeinen Euphorie kaum jemand zur Kenntnis nehmen.

Billig heißt nicht immer auch gut

In der aktuellen Situation suchen laut DAI wieder viele Anleger nach Aktien, die den jüngsten Anstieg nicht oder nur unterdurchschnittlich mitgemacht haben. "Leider wird dabei eine vorherige gründliche finanzanalytische Durchleuchtung hier und da bereits wieder vernachlässigt. Und vergessen wird oft auch schon wieder, dass ein Wert, auch wenn ihn der Anleger nun 50 Prozent billiger erwerben kann als zum Beispiel im Vorjahr, immer noch viel zu teuer sein kann", warnt das Institut.

KGV bleibt wichtige Kennziffer

Die Experten empfehlen, vor einem Aktienkauf im Verbund mit Adam Riese einige zentrale finanzanalytische Kennziffern heranzuziehen und zeigt dazu einige Gedankenspiele: "Angenommen, Standardwerte würden mit dem rund 25-fachen ihrer für 2003 erwarteten Gewinne je Aktie bewertet - was nicht der Fall ist -, dann wäre dies im historischen Vergleich eine sicher recht hohe Ziffer. Doch müsste dann sofort berücksichtigt werden, dass auch das Zinsniveau, eine für die generelle Aktienbewertung wichtige Vergleichsmesslatte, sich auf einem historischen Tiefstand befindet." Das relativiere dann auch ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV).

Kapitalmarktzinsen werden oft vernachlässigt

Denn früher, als die Analysten ein KGV bei den Standardwerten von 12 bis 15 für angemessen hielten, lagen laut DAI die Kapitalmarktzinsen auch etwa bei 6 bis 7 Prozent. Darüber hinaus schaue der Finanzanalyst quasi zur Rechtfertigung einer aktuell hoch erscheinenden Bewertung heute stärker als früher auf die Gewinnentwicklung der Unternehmen in den nächsten Jahren.

Ausreichende Diversifikation nicht vergessen

"Ist hier ein durchschnittlich deutlich niedrigeres KGV als jene 25 erkennbar, weist das auf erwartete deutliche Gewinnsteigerungen bei den Unternehmen hin", erläutern die Experten. Das Deutsche Aktieninstitut empfahl daher allen Privatanlegern, ähnliche Bewertungen für jede von ihnen ins Auge gefasste Aktie vorzunehmen. "Dann sollten bei ausreichender Diversifikation im Depot Enttäuschungen weitgehend ausbleiben," betonen die Experten.

DPA