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Börse: Interesse an Hauptversammlungen dramatisch gesunken

Aktionärsschützer schlagen Alarm: Waren früher noch über 70 Prozent der Aktionäre bei den Hauptversammlungen dabei, fanden 2003 bei den 30 DAX-Unternehmen nicht einmal mehr die Hälfte den Weg - mit gravierenden Folgen.

Aktionärsschützer schlagen Alarm: Immer weniger Privatanleger besuchen die Hauptversammlungen ihrer Unternehmen. Bei großen Gesellschaften war in den 70-er Jahren nach Angaben des Deutschen Aktieninstitutes (DAI) oft noch eine Präsenz von über 70 Prozent die Regel. Dagegen stehen Zahlen aus dem vergangenen Jahr, wonach bei den 30 DAX-Unternehmen nur mehr 49,14 Prozent und damit erstmals weniger als 50 Prozent verzeichnet wurden, wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz berichtet. Für die diesjährige Saison wird mit einem weiteren Rückgang auf 48 Prozent gerechnet.

Wichtiges Forum für Anlegerintresse

Die Folgen für die Kleinaktionäre können gravierend sein. Bei einer Präsenz von nur 30 Prozent auf einer Hauptversammlung einer großen Publikumsgesellschaft könne ein Großanleger mit relativ geringem Stimmenanteil Beschlüsse erzwingen, die keinesfalls im Interesse der Privatanleger lägen, warnt das DAI. Übernahmen könnten so einfacher und billiger werden, klagt denn auch die DSW. Nach deutschem Recht müsse ein Übernehmer erst dann ein Abfindungsangebot an die Aktionäre machen, wenn er mehr als 30 Prozent des Aktienkapitals besitze. Bei vielen Firmen würde aber schon eine sehr viel geringere Beteiligung ausreichen, um die Hauptversammlungsmehrheit zu erlangen und damit die Macht zu übernehmen, so die DSW.

"Insofern ist die Weitergabe von Stimmrechten an einen Dritten, eventuell sogar mit bestimmten Weisungen, ein Selbstschutz für den Privatanleger", meint daher auch das DAI. Ein Grund für die sinkende Präsenz ist nach Angaben der Aktionärsschützer allerdings auch, dass viele Sparkassen und Volksbanken die Stimmrechte ihrer Kunden nicht mehr vertreten.

Vertretung durch Aktionärsvereinigungen

Ihre kostenlosen Dienste bieten die großen Aktionärsvereinigungen DSW und die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) an, die 600 bis 1.000 Hauptversammlungen in der Saison besuchen. Die Handhabung hängt davon ab, ob der Aktionär Inhaber- oder Namensaktien besitzt. Bei Inhaberaktien empfehlen die Aktionärsschützer eine Dauervollmacht, die zeitlich unbeschränkt gültig ist, aber jederzeit widerrufen werden kann.

Für Hauptversammlungen von Unternehmen, die Namensaktien ausgegeben haben, gilt die Dauervollmacht dagegen nicht. Diese Gesellschaften benachrichtigen ihre Aktionäre direkt, die Depotbanken sind nicht eingeschaltet. Die Einladungsunterlagen sehen aber die Möglichkeit einer Stimmrechtsübertragung sowie die Erteilung von Einzelweisungen zum Abstimmungsverhalten vor. Die DSW weist zugleich darauf hin, dass der Anleger trotz der Übertragung der Stimmrechte seine Aktien natürlich verkaufen kann.

Wichtiger Eindruck vom Management der Gesellschaft

"Das Beste bleibt allerdings der eigene Besuch der Hauptversammlung", meint das DAI. Denn: Der Privatanleger erhalte in der Hauptversammlung einen Eindruck vom Management seiner Gesellschaft. Und das sei schließlich ein ausgesprochen wichtiger Entscheidungsfaktor für die Beantwortung der Frage, ob der Anleger an seinem Investment festhalten wolle.

Informationen zu den Terminen und Themen rund um die Hauptversammlung (Tagesordnung, Gegenanträge etc.) gibt es auch im Internet unter www.hv-info.de

Friederike Marx, AP / AP / DPA