HOME

Anlageform: Hedgefonds bergen Risiken

Das Angebot klingt verlockend: Mit Hedgefonds lassen sich auch bei fallenden Aktienkursen Gewinne einstreichen. Doch Vorsicht: Dieses Anlage-Instrument ist nur etwas für Börsenprofis.

Das Angebot klingt verlockend: Mit Hedgefonds lassen sich auch bei fallenden Aktienkursen Gewinne einstreichen. Vom 1. Januar 2004 an sollen auch Privatanleger in Deutschland diese Anlageform erwerben können. Für Anbieter von Hedgefonds gelten zwar strenge Auflagen. Dennoch empfehlen Experten diese hochriskanten Papiere nur sehr erfahrenen Anlegern.

Wette auf fallende Kurse

Bei Hedgefonds handelt es sich wie bei einem herkömmlichen Investmentfonds um einen Anlagemix aus verschiedenen Wertpapieren. Der Unterschied besteht darin, dass der Fondsmanager sich die Wertpapiere bei anderen Großaktionären gegen eine Gebühr ausleiht. Anschließend werden die Papiere verkauft. Dadurch entsteht ein Kursdruck: Der Preis der Papiere sinkt. Die Verwalter des Hedgefonds kaufen nun die Aktien zum niedrigeren Preis wieder an und geben sie an den Entleiher zurück. Die Spanne zwischen Verkauf und Kauf streicht der Hedgefonds als Gewinn ein. Im Prinzip handelt es sich also um eine Wette auf fallende Kurse: Steigen die Kurse, macht der Hedgefonds einen Verlust.

Ruf ist schlechter als Realität

"Verlierer bei diesem Spiel sind die Fondsanleger und die Aktionäre des Unternehmens, das ins Visier des Hedgefonds geraten ist", sagt Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf. Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) in München kann diese pauschale Kritik nicht teilen: "Der Ruf des Produktes ist wesentlich schlechter als es tatsächlich ist. Hedgefonds sind eine gute Möglichkeit, das Risiko zu verringern." Dennoch empfiehlt er die Anlage nur für sehr erfahrene Investoren.

Nur etwas für verlustbereite Leute

Auch Dorothea Kleine vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in Berlin empfiehlt Hedgefonds lediglich versierten Anlegern, die auch den Verlust des eingesetzten Kapitals verkraften können. Wegen des hohen Risikos sieht das Investmentmodernisierungsgesetz, das am 1. Januar in Kraft tritt, Schutzmechanismen für Anleger vor: Die Verkaufsprospekte müssen dem Gesetzentwurf zufolge den Hinweis enthalten: "Der Bundesminister der Finanzen warnt: Bei diesem Investmentfonds müssen Anleger bereit und in der Lage sein, Verluste des eingesetzten Kapitals bis hin zum Totalverlust hinzunehmen."

Gebührenmodell überprüfen

Dorothea Kleine empfiehlt Anlegern, die sich für eine Investition in Hedgefonds entscheiden, sich das Produkt genau erläutern zu lassen. Markus Straub rät außerdem, das Gebührenmodell des Produkts in den Blick zu nehmen: "Wann gewinnt der Fondsmanager und wann gewinne ich? Diese Frage ist entscheidend."

BaFin muss erst noch Dachfonds genehmigen

Inzwischen haben bereits einige Fondsgesellschaften angekündigt, Dach-Hedgefonds im kommenden Jahr anzubieten. Dass bereits ab dem 1. Januar diese Fonds für deutsche Privatanleger verfügbar sind, gilt jedoch bei Branchenvertretern am Finanzplatz Frankfurt als ausgeschlossen. Schließlich müssen die Produkte erst von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) genehmigt werden. "Wir rechnen damit, dass wir unseren Dach-Hedgefonds Mitte bis Ende des ersten Quartals anbieten werden", erläutert zum Beispiel Anke Hallmann von Deutsche Bank-Tochter DWS.

Sebastian Knoppik / DPA
Themen in diesem Artikel