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Hedgefonds-Manager Schröder: "Transaktionssteuer ist gefährlich"

Hedgefonds gelten als Finsterlinge der Finanzbranche. Karsten Schröder, Chef von "Amplitude Capital", wehrt sich - und attackiert Banken und Politik. Ein stern.de-Interview.

Herr Schröder, Sie sind Hedgefonds-Manager. Sie gelten als Teil des Problems, nicht als Lösung - ein böser Bube des Finanzmarkts. Erklären Sie uns in vier Sätzen, warum Sie es nicht sind.
Man muss zwischen Banken und Hedgefonds unterscheiden. Und meiner Ansicht nach beschreibt der zitierte Satz "Privatisierung der Gewinne und Sozialisierung der Verluste" das Problem. Für die Hedgefonds kann ich sagen: Wir, beziehungsweise unsere Kunden, haften für Verluste selbst. Das ist bei den Banken nicht der Fall.

Pointiert gesagt: Josef Ackermann verschaukelt die Steuerzahler und Sie tun das nicht?
Tatsache ist: Wir Hedgefonds-Manager wehren uns zu wenig gegen die Anschuldigungen, die auf uns einprasseln. Sie sind nicht gerechtfertigt.

Sie halten eine Finanzmarktransaktionssteuer, die inzwischen alle Parteien fordern, für kompletten Unsinn. Warum?
Natürlich bringt jede Steuer Einnahmen. Aber diese Steuer würde die Finanzmärkte unsicherer machen, sie wären anfälliger für einen Crash. Denn was würde passieren? Das Umsatzvolumen würde drastisch sinken, zumindest in Deutschland, weil die Händler und Investoren auf einen anderen Standort ausweichen würden. Wenn aber nur noch wenig Geld bewegt wird, reagiert der Markt mit umso größeren Preissprüngen auf politische Nachrichten oder auf Großinvestoren. Deswegen wäre eine Finanzmarkttransaktionssteuer sogar gefährlich.

Moment mal: Hat die Gesellschaft nicht einen Anspruch darauf, dass die Finanzindustrie den Schaden zurückzahlt, den sie seit 2008 angerichtet hat?
Ich finde, dass der Finanzmarkt für die Verluste haften sollte, die ihm zuzuschreiben sind. Dazu zählt eine Beteiligung in der aktuellen Schuldenkrise. Sprich: Ist ein Schuldenschnitt wie in Griechenland notwendig, sind natürlich auch die Gläubiger dran. Was die Lage im Jahr 2008 betrifft, so hat es die deutsche Politik versäumt, sich die Bankenrettung mit Besitzanteilen an den betroffenen Banken bezahlen zu lassen. In verschiedenen anderen Ländern wurde es so gemacht - und das kann für den Steuerzahler sogar profitabel sein.

Hat die Bankenlobby die deutsche Politik im Griff?
Ja, bisher war es so. Wenn ich die schlingernde Diskussion über den Schuldenschnitt für Griechenland und andere Staaten sehe, kann ich nur sagen: Es geht um Bankenrettung, nicht um die Rettung von Staaten. Da hat die Bankenlobby aus ihrer Sicht einen guten Job gemacht.

Die Finanzmärkte gelten spätestens seit Horst Köhler als "Monster" - und das Monster muss gezähmt werden. Welche Vorschläge haben Sie?
Das größte Problem sind die finanztechnischen Hebel, also der Einsatz von geliehenem Geld, das nicht durch Eigenkapital gedeckt ist. Diese Hebel, der "leverage", muss begrenzt und kontrolliert werden, und zwar für alle Akteure auf dem Finanzmarkt. Zweitens sollten die Derivate, also die Papiere, die Kreditrisiken absichern, nur noch über die Börse gehandelt werden dürfen. Das schafft Transparenz. Und drittens müssten die Banken von ihren Investmentabteilungen getrennt werden, um das systemische Risiko zu vermindern. Ich glaube, allein mit diesen drei Maßnahmen bekämen wir viel mehr Ruhe in die Märkte.

Sprechen Sie darüber mit der Politik?
Es gibt eine Kommunikation zwischen den Banken und der deutschen Politik, aber keine verlässliche Kommunikation zwischen allen anderen Finanzmarktakteuren und der deutschen Politik.

Sie haben sich mit Unionsfraktionschef Volker Kauder, der Sie kürzlich bei "Maybrit Illner" hart anging, noch nicht befreundet?
Nein. Das wird auch sehr schwierig. Für beide Seiten.

Die Fragen stellte Lutz Kinkel