AUSSTIEG Mobilcom-Chef Gerhard Schmid räumt sein Büro


Firmengründer Schmid wappnet sich offenbar für den Rauswurf. Mit seiner Abberufung als Vorstandschef ginge eine der schillerndsten Karrieren am Neuen Markt zu Ende.

MobilCom-Gründer Gerhard Schmid rechnet kurz vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung offensichtlich selbst mit seiner Abberufung als Vorstandschef. Ein MobilCom-Sprecher bestätigte am Freitag, dass Schmid bereits persönliche Dinge geordnet und sein Büro in der Konzernzentrale in Büdelsdorf aufgeräumt habe, um es zu verlassen. Der Aufsichtsrat sollte am gleichen Tag erneut über einen Antrag der France Telecom zur Absetzung Schmids als Vorstandschef beraten. Seine Abberufung gilt als so gut wie sicher, womit eine der schillerndsten Karrieren am Neuen Markt zu Ende ginge.

Schmids Rückzug als Bedingung für die Umschuldung

France Telecom macht die mit den Banken vereinbarte Umschuldung eines Darlehens über 4,7 Milliarden Euro bei MobilCom davon abhängig, dass sich Schmid aus dem Unternehmen zurückzieht. Verhandelt werden dürfte noch über den Preis, zu dem France Telecom Schmids Anteile an MobilCom übernimmt. Angaben aus Finanzkreisen vom Donnerstag zufolge will der mit 28,5 Prozent an MobilCom beteiligte französische Staatskonzern Schmid zehn Euro je Aktie bieten. Dies wäre deutlich weniger als die 22 Euro, die Schmid ursprünglich für sich und die freien Aktionäre gefordert hat, und würde nach Einschätzung von Analysten zudem nicht dem Übernahmegesetz entsprechen. Demnach muss ein Mindestangebot mindestens dem gewichteten Durchschnittskurs der zurückliegenden drei Monate entsprechen. Zeitungsberichten zufolge dürfte dieser Wert in der Gegend von 15 bis 16 Euro liegen. Schmid soll dazu bereit sein, zwischen 16 und 18 Euro zu akzeptieren, die France Telecom aber offenbar nicht willig, dies zu bezahlen. Schmid hält zusammen mit seiner Frau fast die Hälfte der MobilCom-Anteile.

Ein erster Antrag von France Telecom zur Abberufung Schmids im Aufsichtsrat war am 7. Juni gescheitert, weil die dafür nötige Zwei-Drittel-Mehrheit nicht zu Stande gekommen war. Von damals elf anwesenden Mitgliedern des Kontrollgremiums hatten sieben für und vier gegen Schmids Abberufung gestimmt. Unter den Stimmen gegen Schmid waren Angaben des Betriebsrats zufolge vier der insgesamt sechs Arbeitnehmervertreter in dem zwölfköpfigen Gremium.

Platz 65 unter den 100 reichsten Deutschen

Schmid brachte MobilCom im März 1997 als erstes Unternehmen an den damals gegründeten Neuen Markt und wurde dadurch überaus wohlhabend. Das »manager magazin« wies ihn kürzlich in der Liste der 100 reichsten Deutschen auf Platz 65 aus. Der Kurssturz der MobilCom-Aktie in Folge des Streits mit der France Telecom über den Kurs beim kostspieligen UMTS-Mobilfunk dürfte seine Vermögensverhältnisse allerdings verändert haben. Als die Franzosen das Kooperationsabkommen kündigten, fiel die Aktie am 12. Juni auf 5,35 Euro. Im März 2000 hatte die MobilCom-Aktie mit 210 Euro ihr Allzeithoch erreicht. Damals war MobilCom an der Börse 8,7 Milliarden Euro wert.


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