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Mobilcom-Prozess: Kein Geld für Schmid

Hoch gepokert, nichts gewonnen: Das Frankfurter Landgericht weist die milliardenschwere Schadenersatzklage des Mobilcom-Gründers Gerhard Schmid gegen France Telecom zurück. Der Tausendsassa der New Economy steht noch in einem weiteren Prozess vor Gericht - als Angeklagter.

Das Landgericht Frankfurt hat die Schadenersatzklage von Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid, 55, gegen France Telecom abgewiesen. Schmid strebte in dem Verfahren Schadensersatz in Höhe von sieben Milliarden Euro von dem französischen Konzern an.

Die Klage sei unbegründet, verkündete der zuständige Richter der 4. Zivilkammer, Christoph Hefter, am Landgericht am Mittwoch. Es seien "wirksame wechselseitige Verzichtserklärungen" über Ausgleichszahlungen im Fall möglicher Verluste zwischen Mobilcom und France Télécom abgegeben worden. Diese seien auch nicht wirksam angefochten worden. Eine Berufung zum Oberlandesgericht wurde unter Einhaltung der Fristen zugelassen.

Schmid und die France Telecom

Hintergrund ist die Beinahe-Pleite von Mobilcom nach dem Versuch, ein teures UMTS-Mobilfunknetz aufzubauen. Großaktionär France Telecom hatte seine anfängliche Zusage, sich an der Finanzierung des Netzes zu beteiligen, zurückgenommen, was zu einem heftigen Streit mit Schmid und zu einer Firmenkrise führte. Im Zuge der von France Telecom betriebenen Rettung von Mobilcom musste Schmid seinen Posten 2002 als Vorstandschef räumen und alle Mobilcom-Anteile verkaufen, während die Franzosen 7,1 Milliarden Euro Schulden des Unternehmens übernahmen.

Schmid Angeklagter in einem Strafprozess

Die 1991 gegründete Mobilcom ist mittlerweile mit der früheren Tochter Freenet zur Freenet AG verschmolzen. Schmid selbst meldete 2003 Privatinsolvenz an. In Kiel steht der Mobilcom-Gründer in einem seit Juli 2007 laufenden Strafprozess wegen des Vorwurfs sogenannter Bankrotthandlungen vor Gericht. Er soll unter anderem Geld an die Seite geschafft haben, als er offiziell schon als zahlungsunfähig galt. Schmid ist heute Geschäftsführer von Bonus Strom GmbH, einem Elektrizitäts-Provider, der seiner Frau gehört

ThoG/Reuters/DPA / DPA / Reuters