Bargeld-Vernichtungsgruppe Vom Geld bleibt nur Konfetti


Geld ist der Stoff, aus dem die Träume von Millionen sind. Doch der Schredder kennt kein Pardon. Unerbittlich fressen sich seine Zähne in die Geldscheine. Strenge Sicherheitsvorkehrungen verhindern die "Rettung" in letzter Sekunde.

Die grünen 100-Euro-Scheine fallen vom Fließband zwischen die Messer und kommen unten im Handumdrehen als wertlose Papierschnipsel heraus. Ein feines Mahlwerk lässt nur noch buntes Konfetti übrig. Was jedem Sparer die Tränen in die Augen treibt, ist Alltag in der Deutschen Bundesbank in Frankfurt. Bis zu drei Mal pro Woche werfen sechs Mitarbeiter den zehn Meter langen Schredder an, um alte und unbrauchbar gewordene Geldscheine zu vernichten.

"Man darf keine Gefühle dabei haben", sagt Gruppenleiter Udo Schmidt von der Bargeld-Vernichtungsgruppe. "Man darf einfach nicht darüber nachdenken, dass man da 10 Millionen Euro vor sich liegen hat, die zwei Villen mit Park im Grünen entsprechen." Für die Mitarbeiter seien die Scheine "einfach Papier". Dieses "Papier" wird an seinem Lebensende aus ganz Deutschland in Leinensäcken nach Frankfurt gebracht. Der Groß-Schredder schafft eine Tagesmenge von 1500 Kilogramm Geld oder 1,5 Millionen Scheinen. 2004 wurden bundesweit Banknoten - sowohl D-Mark wie Euro - im Wert von rund 35 Milliarden Euro zerhäckselt. Der größte Teil der ausgesonderten Geldscheine wird jedoch nicht in Frankfurt, sondern direkt in den Filialen der Bundesbank unbrauchbar gemacht.

Strenge Sicherheitsvorkehrungen

Damit auch ja kein einziger Schein verloren geht, gelten bei der Geldvernichtung strenge Sicherheitsvorkehrungen. Der Schredder steht in einem Tresor, verborgen hinter einem Labyrinth von Gängen tief im Keller der Bundesbank. Eine schwere blaue Stahltür sichert den Raum, die nur vier Mitarbeiter mit vier verschiedenen Schlüsseln öffnen können. Mehrere Kameras überwachen die Arbeit, die Leinensäcke voller Scheine werden akribisch kontrolliert, und dauernd stehen Stichproben an. Wenn die Schnipsel nach einigen Minuten aus dem Schredder fallen, kann niemand mehr etwas mit ihnen anfangen.

Ein bis zwei Millimeter breit und fünf Millimeter lang sind die Fetzen. Reste von kleinen und großen Euro-Scheinen liegen wild durcheinander, weil die Maschine sie extra stark mischt. Das Konfetti wird zu Briketts gepresst, fällt in Müllcontainer und wird von der Müllabfuhr entsorgt. Wer als Finder aus den Schnipseln Geld machen will, hat Pech gehabt: "Kein Aktenvernichter auf der Welt schafft so kleine Schnipsel mit so ungleichen Kanten wie unsere Maschine", sagt Geldvernichter Udo Schmidt von der Bundesbank. Dennoch haben einige ganz Unverfrorene schon solche Konfetti-Pakete bei der Bundesbank eingereicht und wollten Ersatz für "ihr" Geld - ohne Erfolg.

Schnippsel-Brikett als Andenken

Die Vernichtung steht am Ende des Lebenszyklus einer Banknote. Wenn die Bürger von ihrer Bank Geld holen und im Laden ausgeben, kommen die Scheine über den Einzelhandel zur Bundesbank zurück. Die Notenbank prüft die Scheine und liefert sie dann wieder an die Banken zurück, die damit ihre Geldautomaten bestücken. Jeder ausgegebene Schein landet auf diese Weise rein statistisch gesehen rund 3,5 Mal im Jahr bei der Notenbank.

Die Mitarbeiter kontrollieren maschinell die Echtheit und die Fitness des Scheins. "Flecken, Löcher, Risse, Eselsohren oder ein Gang in der Waschmaschine machen Scheine untauglich", sagt Ottmar Lind von der Geldbearbeitung. Diese Scheine werden aussortiert. Die kürzeste Lebensdauer haben 5-Euro-Noten, die täglich benutzt werden und schneller verknittern oder verschmutzen. Während die Bundesbank früher nicht mehr umlauffähige Scheine im eigenen Ofen vernichtet hat, werden sie aus Umweltschutzgründen heute zerschreddert und in Müllverbrennungsanlagen zur Energiegewinnung verbrannt. Wer gerne ein paar Schnipsel haben möchte, kann im Museumsshop des Geldmuseums der Bundesbank ein gepresstes Brikett erwerben.

Marion Trimborn/DPA


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