Bilanz Flaute lässt Siemens-Umsatz einbrechen


Trotz konjunktureller Belastungen in seinen größten Geschäftsbereichen hat der Siemens-Konzern im abgelaufenen Quartal die Gewinnerwartungen der Analysten übertroffen.

Trotz einer stabilen Ertragskraft gab sich Konzernchef Heinrich von Pierer besorgt über die anhaltende Investitionszurückhaltung der Siemens-Kunden und schloss weitere Anpassungsmaßnahmen nicht aus.

"Unser konjunkturelles Umfeld ist insgesamt schwierig und wird sich auch im laufenden Jahr nicht wesentlich aufhellen", sagte er am Donnerstag bei der Halbjahres-Pressekonferenz im britischen Bournemouth. "Wir werden die bereits eingeleiteten Maßnahmen und Programme entsprechend anpassen, sofern dies notwendig werden sollte", fügte er hinzu. Eine konkrete Prognose gab Pierer erneut nicht. Er bekräftigte, im laufenden Jahr werde das Geschäftsvolumen sinken. Die Folgen des Irak-Krieges seien für Siemens nicht abzuschätzen. In Asien hätten sich durch die Lungenkrankheit SARS neue Unsicherheiten ergeben.

Rückgang im zweiten Quartal

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2002/03 verbuchte Siemens einen Rückgang beim Gewinn nach Steuern auf 568 Millionen Euro von 1,281 Milliarden Euro ein Jahr zuvor - damals hatte Siemens allerdings 604 Millionen Euro mit dem Verkauf von Infineon-Aktien eingenommen. Der operative Gewinn fiel leicht auf 1,073 (1,086) Milliarden Euro. Beide Gewinngrößen lagen über den Analystenschätzungen. Der Umsatz ging mit einem Minus von 14 Prozent auf 18,23 Milliarden Euro aber etwas stärker zurück als von den meisten Experten erwartet.

Trotzdem Erwartungen übertroffen

Jörg Natrop, Analyst bei der WGZ-Bank, zeigte sich positiv überrascht: "Auf den ersten Blick sehen das operative Ergebnis der Bereiche und auch das Nettoergebnis sehr gut aus und liegen deutlich über meinen Erwartungen." "Man sieht schon leichte Fortschritte", sagte auch Analyst Oliver Wojahn von der Berenberg Bank. Die Erholung gehe aber nicht schnell genug, um die Rückgänge in der Sparte Energieerzeugung und die gesamtwirtschaftlichen Belastungen auszugleichen. "Das zeigt sich auch im verhaltenen Ausblick."

Ergebnis der Energieerzeugung brach ein

In vier der 13 Geschäftsbereiche, die von Telekommunikations- und Medizintechnik bis zu der Herstellung von Industrieanlagen und Zügen reichen, verbuchte Siemens einen Gewinnrückgang. In der bisherigen Vorzeigesparte Energieerzeugung (PG), die zuletzt den größten Teil zum Konzerngewinn beigesteuert und damit die Schwäche der Telekommunikationssparten etwas ausgeglichen hatte, brach das operative Ergebnis auf 262 (Vorjahr: 450) Millionen Euro ein. Siemens will den Bereich aber mit dem Kauf der Industrieturbinen-Sparte des Alstom-Konzerns stärken. Pierer bestätigte erstmals Verhandlungen darüber. Die Gespräche seien in einem fortgeschrittenen Stadium, sagte er.

ICN verringert Verluste

Die Sorgensparte ICN (Festnetze) verringerte ihren Verlust leicht auf 147 (158) Millionen Euro. "Ich gehe wie bislang davon aus, das ICN den Turn-around mit den eingeleiteten Maßnahmen schaffen wird", sagte Pierer. Im Mobilfunkbereich ICM stieg der Gewinn auf 55 (44) Millionen Euro. Dabei sank der Handy-Absatz auf 8,0 (8,3) Millionen Stück. Bei mobilen Netzwerken sei das Umfeld weiter schwierig, hier müsste noch mehr gespart werden.

Margenziele für alle Bereiche

Der Konzern hat allen seinen Geschäftsbereichen Margenziele vorgegeben, die die meisten von ihnen in diesem Jahr erreichen müssen. Einer davon, die in der Schweiz angesiedelte Gebäudetechnik (SBT), werde das aber nicht schaffen, sagte Pierer nun. "Aber wir werden auch diesen Bereich auf den Erfolgsweg zurückbringen", sagte er. Fünf Bereiche, darunter ICN und ICM, haben ein Jahr länger Zeit, um die Ziele zu erfüllen.

Nichts neues zur Pierer-Nachfolge

Wie Siemens weiter mitteilte, wurde Johannes Feldmayer zum Vorstand berufen. Seine bisherige Aufgabe als Leiter der Konzernstrategie soll er beibehalten. Zur Frage seiner Nachfolge gab sich von Pierer bedeckt. Angaben dazu, ob er seinen im kommenden Jahr auslaufenden Vertrag als Vorstandschef verlängern wird und wer sein Nachfolger werden könnte, lehnte er ab.


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