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Bilanz: Telekom macht wieder Gewinne

Schneller und deutlicher als erwartet hat sich die Telekom von ihrem Rekordverlust 2002 erholt. Trotzdem wird der deutsche Telekommunikationsriese keine Dividende zahlen.

Schneller und deutlicher als erwartet hat sich die Telekom von ihrem Rekordverlust 2002 erholt. Selbst eine Ergebnisbelastung durch das Toll-Collect-Debakel in Höhe von 442 Millionen Euro kann das positive Ergebnis des Konzerns nicht schmälern. Vorstandschef Kai-Uwe Ricke berichtete am Mittwoch in Bonn: Die Telekom hat im Jahr 2003 einen Konzernüberschuss von 1,25 Milliarden Euro erzielt - nach einem Verlust von 24,6 Milliarden Euro im Jahr zuvor.

Rückkehr zur Profitabilität

Der Konzern habe seine Verschuldung deutlicher als geplant von 61,1 Milliarden Euro Ende 2002 um 23,8 Prozent auf nunmehr 46,6 Milliarden Euro gesenkt, sagte Ricke, der den Posten des Vorstandsvorsitzenden im November 2002 übernommen hatte. Alle Telekom-Divisionen - T-Com, T-Mobile, T-Systems T-Online - hätten ihre Effizienz verbessert. "Wir sind auch unter dem Strich zur Profitabilität zurückgekehrt", sagte Ricke.

Keine Dividende für 2003

Der Umsatz der Telekom stieg im Jahr 2003 um 4,0 Prozent auf 55,8 Milliarden Euro, das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verbesserte sich um 12,1 Prozent auf 18,5 Milliarden Euro. Eine Dividende will die Telekom trotz der deutlichen Verbesserung ihrer Zahlen auch für 2003 nicht zahlen. Das Unternehmen kündigte aber an, im laufenden Jahr wieder eine Ausschüttung an die Aktionäre erwirtschaften zu wollen.

Mobilfunk war Wachstumstreiber

Vor allem der Mobilfunk erwies sich im abgelaufenen Geschäftsjahr der Telekom wieder als Wachstumstreiber. T-Mobile legte beim Umsatz um 15,4 Prozent auf 22,8 Milliarden Euro zu, beim bereinigten EBITDA sogar um 32,4 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro. Dagegen musste die Festnetzsparte T-Com eine Umsatzeinbuße von 4,4 Prozent auf 29,2 Milliarden Euro hinnehmen. Das bereinigte EBITDA stieg allerdings um 0,9 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro.

Weiter Personalabbau

Um im laufenden Geschäftsjahr ein profitables Wachstum für die Telekom zu sichern, kündigte Ricke eine "Agenda 2004" an. Unter anderem soll das Zusammenwirken der vier Konzerndivisionen verbessert werden. Ein Schwerpunkt sei der Ausbau des Breitbandangebots schneller Internetzugänge über T-DSL. Allerdings müsse die Telekom auch ihre Effizienz noch weiter steigern. Dazu gehöre nach wie vor die Senkung der Personalkosten. Der Jahresüberschuss der Telekom sei immer noch relativ niedrig. Ricke will jährlich rund 10.000 Arbeitsplätze abbauen. Ende 2003 hatte die Telekom weltweit rund 251.000 Mitarbeiter, 1,8 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

"Selektive Akquisitionen" möglich

Für 2004 strebt die Telekom ein bereinigtes EBITDA von mindestens 19,2 Milliarden Euro an. Das erwirtschaftete Geld soll zur weiteren Schuldensenkung und auch stärker für Investitionen genutzt werden. Auch "selektive Akquisitionen" seien nicht ausgeschlossen, sofern sich daraus Chancen für die weitere Steigerung des Konzernwertes ergäben, erklärte Ricke. Besorgt äußerte sich der Telekom-Chef über die anstehende Änderung des Telekommunikationsgesetzes. Würde die Telekom wie im ursprünglichen Entwurf vorgesehen gezwungen, ihre Produkte Wettbewerbern unbeschränkt zum Wiederverkauf anzubieten, könnten in der Folge Investitionen ausblieben, sagte Ricke. Die Telekom lehne den Wiederverkauf (resale) nicht ab, wende sich aber gegen Rosinenpickerei durch Wiederverkäufer, die nur minimale Eigenleistungen erbrächten.

DPA