BILANZFÄLSCHUNG Experte: »Standort D« in Gefahr


Nachdem Bilanzfälschungen einstiger Börsenstars Enron, WorldCom und Xerox die Märkte erzittern ließen, kommt die nächste schlechte Nachricht: Sowas ist auch bei uns möglich.

Da hatten wackere Aktien-Kleinanleger trotz Crash gerade begonnen, sich mit dem Zahlenwerk »ihrer« Firmen zu beschäftigen – und dann das: Bilanz-Tricksereien zerbröselten die Kurse an den Weltbörsen. Der übliche Kontrollvermerk der Wirtschaftsprüfer unter jeden Jahresabschluss scheint nichts mehr wert. Bisher traf es ausländische Firmen (Enron, Worldcom, Xerox) und Neuer-Markt-Klitschen (CE Consumer).

Auch bei uns möglich

Doch Karlheinz Küting, renommierter Bilanz-Experte und Wirtschaftsprofessor an der Uni Saarbrücken, warnt: »Bilanzfehler wie zuletzt in den USA sind auch bei uns möglich – theoretisch auch bei den ganz Großen.« Denn: Nicht laxe Vorschriften der Jahresabrechnung seien der Grund für die Mogelei, sondern der extreme »Super-Zahlen«-Druck, der auf allen Managern laste. Küting fordert deshalb schärfere Regeln für die Zahlenkontrolleure:

1. Schluss mit Pauschalhonoraren für Wirtschaftsprüfer, die zu einem qualitätssenkenden Preis-Dumping geführt haben.

2. Keine Berufsanfänger oder Berufsfremde an die Bücher lassen;

3. Scharfe Sanktionen bei Prüffehlern - bis hin zu Haft und Berufsverbot.

4. Strikte Trennung von Prüfung und Beratungsgeschäft, ohne die es keine Unabhängigkeit gibt.

»Die Kursverluste nach Bilanzfehlern treffen nicht nur Aktionäre, sondern auch Fondssparer und Versicherungskunden. Die Politik ist gefordert, denn der Standort Deutschland gerät in Gefahr,« so Küting zu stern.de.

Joachim Reuter


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker