UNTERNEHMEN Ikonen des Wirtschaftsbooms purzeln reihenweise


Sie waren die Stars des US-Wirtschaftswunders, zierten Titelseiten, Präsidentenfotos und Promi-Galas. Doch nun ist die Party für die meisten vorbei.

Die Vorstands- und Finanzchefs der im Technologieboom groß und reich gewordenen US-Konzerne waren der Inbegriff der neuen High Society. Doch die Party ist vorbei: die Anklage gegen Ex-Enron-Finanzchef Andrew Fastow zeigt, dass es den einst gefeierten Wirtschaftslenkern, die Investoren betrogen und die Firmen rücksichtslos ausnahmen, jetzt ernsthaft an den Kragen geht.

Neues Schimpfwort: »CEO«

CEO, die smarte Bezeichnung für den Oberboss, gilt fast als Makel. »Die Dämonisierung wird immer schlimmer, jetzt nennen sie dich schon CEO des Iraks«, sagt ein Mitarbeiter Saddam Husseins seinem Boss mit besorgter Mine in einem Businessweek-Cartoon. Die Zeitschrift sah sich gezwungen, einer Hand voll sauberer Firmenbosse, die lediglich ihre Arbeit machen, die Titelgeschichte zu widmen, als vertrauensbildende Maßnahme sozusagen.

Wahnsinniges Gehaltswachstum

Solange der Boom anhielt und CEOs den Börsenwert ihres Unternehmens in ungeahnte Höhen trieben, war alles in Butter. Angestellte und Anleger strichen die fetten Aktiengewinne ein und hatten gegen die umfangreiche Entlohnung der wundersamen Geldvermehrer nichts einzuwenden. Die Chefgehälter stiegen nach Angaben des Gewerkschaftsbundes AFP-CIO in den vergangenen sechs Jahren auf das Dreifache. Gehälter in mehrstelliger Millionenhöhe galten bis vor nicht allzu langer Zeit als völlig angemessen.

Kleinanleger auf die Barrikaden

Mit dem Platzen der Technologieblase sahen viele Kleinanleger, von der Aktienbegeisterung mitgerissen, zunächst enttäuscht ihre Sparpolster schmelzen. Als sich dann rausstellte, dass mancher Vorstand die Bücher arg frisieren ließ, um die Aktienkurse hoch zu halten, wuchs Unmut. Doch die jüngsten Enthüllungen über die grenzenlosen Exzesse der Bosse brachte viele auf die Barrikaden.

Exzesse der Bosse

Fastow riss sich nach der Anklage durch atemberaubend dreiste Geschäfte mit seinem eigenen Arbeitgeber mal eben mehr als 20 Millionen Dollar unter den Nagel. Der ehemalige WorldCom-Boss Bernard Ebbers »lieh« sich mehr als 400 Millionen Dollar aus der Unternehmenskasse. Sein damaliger Finanzchef Scott Sullivan, nach der Betrugsanklage durch Kaution auf freiem Fuß, überwacht den Ausbau seiner 15-Millionen-Dollar Villa im Nobelort Boca Raton in Florida.

CEOs auf der Anklagebank

Der Gründer von Adelphia Communications, John Rigas, kaufte auf Firmenkosten luxuriöse Villen in Colorado, Mexiko und New York. Ex-Global Crossing-Chef Gary Winnick machte vor dem Aktiensturz und Bankrott noch eben 700 Millionen Dollar durch Aktienverkäufe. Alle sind entweder bereits angeklagt oder stehen unter Betrugsverdacht. Zahlreiche Unternehmen sind inzwischen bankrott.

Geburtstagsparty für zwei Mio Dollar?

Der Ex-Boss des Mischkonzerns Tyco International, Dennis Kozlowski scheffelte Millionen aus der Firmenkasse. Da war die Wohnung an der Park Avenue in New York für 16,8 Millionen Dollar, die Kozlowski sich nach Angaben von Tyco für 14 Millionen Dollar renovieren ließ. Da gab es die Überraschungsparty zum 40. Geburtstag seiner Frau Karen in Italien für zwei Millionen Dollar, einen antiken Schirmständer für 15.000 Dollar und einen mit Blattgold verzierte Duschvorhang für 6.000 Dollar. Auch Kozlowski ist inzwischen wegen Betrugs angeklagt.

Auch 'Oberikone' bekam Kratzer

Selbst die Oberikone des Unternehmertums, der langjährige Chef des Mischkonzerns General Electric, Jack Welch (66), ist unlängst vom Sockel gestürzt. Wie mit den Scheidungspapieren seiner Frau ans Licht kam, ging Welch - geschätztes Vermögen: 900 Millionen Dollar - vor einem Jahr mit üppigen Zuwendungen auf Lebenszeit in den Ruhestand. Neben der Pension von neun Millionen Dollar im Jahr ließ er sich die Nutzung der Firmenjets, eine Wohnung in Manhattan samt Personal, Freikarten für Tennis- und Golfturniere und vieles mehr genehmigen. »Bei GE ist alles fantastisch gelaufen. Ich habe also meinen Job gut gemacht. Und am Ende bekam ich die Belohnung dafür«, meinte er in einem Interview uneinsichtig. Er verzichte in Zukunft aber auf die Zugaben, sie könnten fälschlicherweise als exzessiv dargestellt werden.


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