Gary Hart "Unser System ist unmoralisch und korrupt"


Gary Hart: "Unser System ist unmoralisch und korrupt"

Hamburg - Scharfe Kritik am politischen System der USA und an Präsident George W. Bush hat Gary Hart, der einflussreiche Politiker der demokratischen Partei, geübt. In einem Interview mit dem stern sagte der 67 Jahre alte Hart, der sich in den 80er Jahren um das Präsidentenamt bewarb und wegen einer Liebesaffäre diese Ambitionen aufgeben musste: "Ich halte das System für unmoralisch und korrupt."

Hart begründete den Vorwurf damit, dass das meiste Geld für den Wahlkampf von Interessengruppen und der Industrie komme, "auch von den Enrons in diesem Land. Also von korrupten Unternehmen." Das sei "eine Form von legalisierter Korruption".

Harts Favorit als demokratischer Präsidentschaftskandidat ist Senator John Kerry aus Massachusetts, der gerade die Vorwahlen der US-Demokraten in Iowa gewann. Kerry stehe für "eine neue Außenpolitik - als Gegenentwurf zur Aggressivität der Bush-Regierung". Für das Präsidentenamt weniger geeignet hält Hart den vorab als aussichtsreichen Bewerber angesehenen Demokraten Howard Dean. Dessen Rezept sei die Wut auf Bush, und das sei "auf Dauer zu wenig". "Wenn 60 Prozent der Amerikaner wütend auf Bush wären, würde Dean einen Erdrutschsieg landen. Aber es sind eben nur 40 Prozent."

Der Regierungsarbeit Bushs stellt Hart im stern ein vernichtendes Zeugnis aus. Er sei "auf den Job des Präsidenten überhaupt nicht vorbereitet" gewesen und zeige "nicht den Hauch von Interesse am Rest der Welt". Hart: "Mir ist es ein komplettes Rätsel, wie ein Präsident in dieser Zeit sich nicht darum bemüht, die Welt zu verstehen."

Bei seinen Entscheidungen verlasse sich Bush überwiegend auf seine Berater. "Irgendeiner dieser Berater sagt: ‚Wir müssen Saddam loswerden.‘ Und der Präsident antwortet: ‚Okay.‘ Das macht einen doch fassungslos." Seine Berater bauten das Image eines Präsidenten auf, der alles unter Kontrolle habe. "Aber Bush weiß überhaupt nicht, was los ist."


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