Bonus-Tag Wer wird Millionär?

In den nächsten Wochen ergießt sich ein Millionen-Regen an so genannten Bonus-Zahlungen über die Investmentbanker. Was sich für Normalbürger fast schon obszön anhört, ist in Finanzkreisen normal.

Alle möglichen Klischees machen die Runde, wenn von Investmentbankern die Rede ist: Hosenträger, Manschettenknöpfe und jede Menge Geld in der Brieftasche. Zumindest das letzte dürfte in diesem Jahr den Nagel auf den Kopf treffen. Wenn am 2. Februar die Deutsche Bank ihre Zahlen für 2005 vorstellt, werden die Erträge ihrer Investmentsparte dank eines ausgezeichneten Handelsjahres nur so aus dem Geschäftsbericht sprudeln. Einen Teil davon kassieren die Top-Banker gleich selbst ein. Der Branchenprimus ist keine Ausnahme: In diesen Wochen ergießt sich ein Millionen-Regen an so genannten Bonus-Zahlungen über die Investmentbanker in Frankfurt und anderen Finanzmetropolen.

Mickriges Gehalt, fetter Bonus

Was sich für den Normalbürger mit Tarifgehalt fast schon wie eine Obszönität anhört, ist in Finanzkreisen und erst recht an der legendären Wall Street völlig normal. Das Geschäft von Händlern und anderen Spezialisten dreht sich um Geld, und Geld soll am Ende herausspringen. Während das Grundgehalt eines New Yorker Bankers auf den oberen Stufen der Karriereleiter beispielsweise bei "mageren" 150.000 Dollar liegt, kann der Bonus für ein gutes Jahr ein oder zwei Millionen Dollar oder sogar noch mehr betragen. In Frankfurt mögen die Sonderzahlungen etwas niedriger ausfallen, die Tendenz geht aber in eine ähnliche Richtung. "Es sind Größenordnungen, die den Puls steigen lassen", meint Andreas Halin von der Personalberatung Spencer Stuart. Er sieht in der Mainmetropole in diesen Tagen "sehr glückliche Menschen" aus den Wolkenkratzern treten.

An der Wall Street mit den berühmten Investmentbanken Goldman Sachs, Morgan Stanley oder Lehman Brothers wird die Gesamtsumme der Sonderzahlungen in dieser Saison auf 21,5 Milliarden Dollar (17,5 Milliarden Euro) geschätzt - ein neuer "Weltrekord". Der Durchschnittsbonus liegt bei 125.000 Dollar, Goldman-Sachs-Chef Henry Paulson erhält ein Paket von 38 Millionen Dollar. Für Frankfurt existieren vergleichbare Zahlen nicht. Das Gehalt von Josef Ackermann, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, wird im März veröffentlicht - zuletzt lag es bei 10,1 Millionen Euro. Manche Investmentbanker, die Milliarden-Umsätze heranschaffen, verdienen sogar mehr als ihre Vorstandschefs.

"Es ist viel Angst, Ärger und Neid im Spiel"

Der Tag, an dem der Vorgesetzte die Höhe des Bonus verkündet, ist für die meisten der Höhepunkt des Jahres - und nichts für schwache Nerven. "Es ist viel Angst, Ärger und Neid im Spiel", berichtet ein Banker an der Wall Street. Sofort wird das eigene Abschneiden mit dem von befreundeten Kollegen im eigenen Hause und bei Konkurrenten verglichen. "Die Investmentbanker arbeiten im Wesentlichen für den Bonus", berichtet Jörg Janke von der Personalberatung Egon Zehnder. Ist er auf dem Konto eingegangen, hält die "Söldner des Kapitalismus" häufig nichts mehr bei ihrem alten Arbeitgeber - die Hochsaison für die Personalberater beginnt.

In Frankfurt ist allerdings die Neigung, nach dem Bonus-Tag zu einer anderen Bank zu wechseln, geringer ausgeprägt als in London oder New York. Es gebe einfach zu wenige Alternativen. "Das Karussell ist kleiner und dreht sich langsamer", meint Experte Halin.

"Das Karussel ist kleiner und dreht sich langsamer"

Die Höhe des Bonus' wird von drei Faktoren bestimmt: Der Ertragslage der Bank insgesamt, dem Abschneiden der Abteilung - also zum Beispiel Aktienhandel oder Beratung bei Fusionen - und der individuellen Leistung. Innerhalb des "Bonuspools", der etwa für eine bestimmte Abteilung zur Verfügung steht, gibt es dann jedoch keinen unbegrenzten Verteilungsspielraum mehr. Ackermann scherzte vor wenigen Tagen in London bei der Überreichung einer Spende der Deutschen Bank für einen Kinderhilfsfonds, dass dadurch der Bonuspool "um 20 Prozent gesunken" sei. Den Investmentbankern dürfte im ersten Moment das Blut in den Adern gefroren sein.

Alexander Missal/DPA


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