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Einkommen: Nettolöhne auf Stand von 1986

Deutsche Nettolöhne sind auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Von einem jährlichen Durchschnittsgehalt bleiben 15.845 Euro übrig - wie 1986. Wie deutlich ist Ihnen aufgefallen, dass sich in den vergangen Jahrzehnten nichts geändert hat? Schreiben Sie uns.

Die Nettoverdienste der Arbeitnehmer sind nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gesunken. Wie das Blatt unter Berufung auf eine neue Statistik des Bundesarbeitsministeriums berichtet, lag der so genannte Nettorealverdienst nach Abzug von Steuern, Sozialbeiträgen und bei Berücksichtigung der Preisentwicklung im vergangenen Jahr bei 15.845 Euro im Jahr. Das sei etwa so viel wie 1986 mit damals 15.785 Euro.

Nach der Statistik des Arbeitsministeriums lagen laut "Bild" die Gesamtabzüge vom Bruttolohn im vergangenen Jahr auf Rekordniveau. Im Schnitt habe ein Arbeitnehmer 9291 Euro an Lohnsteuer und Sozialbeiträgen gezahlt. Das ist nach Angaben der Zeitung so viel wie noch nie zuvor. 1986 hätten die Abzüge noch bei 5607 Euro gelegen. Sie seien also um fast 66 Prozent gestiegen.

Inflation knabbert am Einkommen

Die Bruttolöhne seien im gleichen Zeitraum dagegen nur um 48 Prozent von 22.333 Euro auf 33.105 Euro im Jahr gestiegen, schreibt das Blatt. Wegen der Inflation bleibe den Arbeitnehmern trotz steigender Bruttolöhne weniger übrig. So hätten die Löhne in den vergangenen fünf Jahren um 4,1 Prozent zugelegt, die Preise seien dagegen um 7,1 Prozent gestiegen.

"Die Nettorealeinkommen sinken, weil sie von vielen Seiten unter Druck geraten", erklärte der Direktor des Instituts für Arbeit und Wirtschaft (IAW) der Universität Bremen, Professor Rudolf Hickel, die Entwicklung. "Die Bruttolöhne sind vergleichsweise gering gestiegen, weil die Unternehmen Zusatzleistungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld abgebaut haben. Dazu kommen steigende Preise, höhere Sozialabgaben und Steuern."

DGB fordert erneut Mindestlohn

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, kritisierte die Entwicklung. Sommer sagte der "Bild"-Zeitung: "Es gibt dringenden Nachholbedarf für den "kleinen Mann": Die Geldbeutel der Menschen wurden in den vergangenen Jahren geschröpft, und die Lohnsteigerungen fielen mager aus. Hauptsache billig - das scheint das Credo vieler Unternehmer zu sein. Für den Niedriglohnbereich brauchen wir eine untere Haltelinie als Schutz vor Armutslöhnen: den gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 7,50 Euro pro Stunde. Denn wir sagen: Von der Arbeit muss man leben können!"

DPA / DPA
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