HOME

Ethisch-ökologische Fonds: Die gute Seite des Kapitalismus

Viele Sparer wollen beides: hohe Renditen erzielen, aber auch ethisch korrekt investieren. Der stern zeigt eine Auswahl.

Vom Kapitalismus profitieren und trotzdem ein gutes Gewissen haben - geht das? Erstaunlicherweise ziemlich gut. Zum Beispiel mit dem Ökovision. Wer Anfang 2003 in diesen Aktienfonds 10.000 Euro einzahlte, verfügt heute über 12.823 Euro. Zum Vergleich: Beim Vermögensbildungsfonds I, dem Flaggschiff der DWS, wurden aus 10.000 Euro nur 12.054 Euro. Dabei darf DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen weltweit jede Aktie kaufen - auch die von Waffenherstellern oder Chemieschleudern. Der Ökovision dagegen nur Aktien von Unternehmen, "die ökologisch und ethisch unbedenklich sind", sagt Andreas Knörzer von der Schweizer Bank Sarasin, der den Fonds managt. "Rüstung, Atomenergie und Agrar-Gentechnik sind tabu."

Den Erfolg des Ökovision erklärt Knörzer mit dem Investment in viele kleine Firmen aus dem Bereich alternative Energien, die seit Jahren an der Börse gefragt sind. Aber auch die Deutsche Telekom findet Platz im Portfolio. Ob die gute Wertentwicklung des Fonds anhält, ist offen. Der Ökovision wurde an die belgische Bank Fortis verkauft, Knörzer gibt im Juli das Management ab.

In Deutschland können die Anleger unter 112 "grünen" Fonds wählen. Sie wirtschaften wie die Ameisen: ökologisch, nachhaltig, sozial. Ende 2004 verwalteten die Ökofonds 4,6 Milliarden Euro - nicht viel angesichts der 142,2 Milliarden Euro, die in sämtlichen Aktienfonds Deutschlands angelegt sind. Beim Mellon European Ethical Index Tracker wird das Portfolio sogar von einem Anlageausschuss im Vatikan abgesegnet, in dem Jesuiten sitzen. Die finden nichts dabei, wenn beispielsweise in die Großbank UBS investiert wird (Eigenkapitalrendite 2004: 27,7 Prozent). Größter Einzelwert ist BP. Mellon-Fondsmanager Thomas Durante erklärt das so: "Zwar investieren wir auch in nicht nachhaltige Energiewerte, doch BP ist führend bei der Solarenergie." Ob ein Unternehmen ethisch korrekt arbeitet, ist nicht so einfach zu bestimmen. "Entscheidend sollte sein, dass es Arbeitsplätze schafft", sagt Christoph Butz, Experte für nachhaltige Geldanlagen bei der Schweizer Bank Pictet.

Neben reinen Aktienfonds gibt es auch Ethik-Rentenfonds. Sie investieren in ausgewählte Staatsanleihen. Ausgeschlossen sind Papiere aus Ländern, die Atomwaffen besitzen, die Todesstrafe vollstrecken oder das Umweltabkommen von Kyoto nicht unterzeichnet haben. Damit fallen die USA, Japan, Großbritannien und Frankreich durch. Sogar spezielle Riester-Produkte ermöglichen es dem Anleger, mit gutem Gewissen für das Alter vorzusorgen. Dabei handelt es sich um ein Kombi-Produkt aus Rentenversicherung und Fondspolice. Der Fondsanteil wird nach ethisch-ökologischen Kriterien investiert.

Joachim Reuter / print