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Fragen & Antworten: Kann ich meinen Sohn enterben?

Ganz leer geht der Nachwuchs nur bei schweren Vergehen gegen seine Eltern aus. Ansonsten haben Kinder immer Anspruch auf den Pflichtteil.

Ist ein privates Testament gültig, das mit dem Computer verfasst wurde und von Hand unterschrieben ist?

Nein. Ein privates Testament muss mit der Hand geschrieben sein. Also keine Schreibmaschine, keinen Computer benutzen. Und auch kein Tonband, Telegramm oder dergleichen hinterlassen, denn dann ist das Testament null und nichtig.
Und noch ein Tipp: Die Seiten sollten nummeriert sein, damit niemand, dem das Testament in die Hände fällt und dem eine bestimmte Regelung nicht gefällt, das entsprechende Blatt verschwinden lassen kann.

Reicht die Formulierung "meiner Frau vererbe ich ..." ohne nähere Namensangaben?

Wichtig ist, dass die begünstigte Person eindeutig identifizierbar ist. So könnte "meine Frau" bei jemandem, der bereits mehrere Ehen hinter sich hat, Zweifel aufkommen lassen. Auch wer beispielsweise "meinen besten Freund Klaus" als Erben bestimmt, könnte Probleme schaffen: dass nämlich nach seinem Tode diverse Kläuse Ansprüche erheben.

Kann eine Mutter von ihren eigenen Kindern aus dem Haus getrieben werden, wenn der Vater stirbt?

Ja, wenn er kein Testament hinterlassen hat, das der Mutter das Haus oder zumindest das lebenslange Wohnrecht zusichert, können die Kinder auf die Herausgabe des Pflichtteils klagen. Wenn die Mutter nun nicht genügend flüssige Mittel hat, um die Ansprüche zu befriedigen, kann es im schlimmsten Fall zur Zwangsversteigerung kommen.

Was macht ein Mensch, der sich in Lebensgefahr befindet und kein schriftliches Testament mehr verfassen kann?

Wer beispielsweise wegen akuter schwerer Verletzungen nicht mehr schreiben kann, hat die Möglichkeit, vor dem Bürgermeister der Stadt ein so genanntes Nottestament abzugeben. Ist auch das nicht möglich, reicht es, mündlich vor Zeugen seinen letzten Willen zu verkünden. Es müssen drei Personen sein, die selber nicht zu den Begünstigten zählen.

Ich will meinem ältesten Sohn deutlich weniger hinterlassen als meinem jüngsten Sohn. Geht das?

Innerhalb gewisser Grenzen, ja. Abkömmlinge wie Kinder und Enkel, aber auch Ehegatten und Eltern können zwar nicht vollständig leer ausgehen. Sie haben immer Anspruch auf den Pflichtteil. Aber der kann im Ausnahmefall entzogen werden, etwa wenn die Erben ein schweres Vergehen oder Verbrechen gegen den nun Verstorbenen begangen hatten.
Allerdings entspricht die Höhe des Pflichtteils nur der Hälfte des gesetzlichen Erbes - und ist ein reiner Geldanspruch. Beispiel: Ein Witwer mit zwei Söhnen setzt den jüngeren als Alleinerben ein. Dann bekommt dieser drei Viertel des Gesamterbes und der ältere ein Viertel, allerdings nur Geld. Der ältere kann nicht etwa vom jüngeren die Herausgabe des Klaviers verlangen, auf dem er schon als Kind so gern gespielt hat.

Was mache ich, wenn das Vermächtnis auch Schwarzgeldkonten enthält?

Wer dieses Geld weiterhin dem Fiskus verschweigt, kann selbst wegen Steuerhinterziehung angeklagt werden. Grundsätzlich hat jeder drei Monate Zeit, nachdem er von der Erbschaft erfahren hat, bei seinem Finanzamt den Wert des Erbes anzugeben. In die Auflistung gehören neben Immobilien und Aktien auch Auslandskonten. Weiß der Erbe von solchen Konten und erwähnt sie nicht, macht er sich strafbar.

Hat ein Ehevertrag auch Auswirkungen auf den gesetzlichen Erbanspruch?

Ja, die Ansprüche können sich deutlich reduzieren. Deswegen sollten sich Paare in jedem Fall von einem Experten beraten lassen. Wer beispielsweise Gütertrennung vereinbart, verliert die Hälfte seines gesetzlichen Erbrechts nach dem Tode des Ehepartners.

Kann ich Erbschaftssteuern sparen, wenn ich kurz vor meinem Tod meinen Kindern bereits einen Teil meines Geldes schenke?

Nein, die Schenkung muss mindestens zehn Jahre her sein, sonst wird sie zum Erbe hinzugerechnet. Das heißt, wer ein sehr großes Vermögen hat, muss rechtzeitig mit dem Schenken anfangen, will er seinen Nachkommen eine hohe Steuerlast ersparen. Nur im Abstand von zehn Jahren kann der Beschenkte die Steuerfreibeträge erneut voll ausnutzen. Und auch vor zu viel Großzügigkeit sei gewarnt, denn Schenkungen können nur in seltenen Ausnahmen, wie beispielsweise bei grobem Undank, zurückverlangt werden.

Silke Gronwald / print
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