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Frauen & Finanzen: Der "kleine Unterschied" beim Geld

Lieber Geld ausgeben, als über Geld nachdenken? Drei von vier Frauen meiden einer Studie zufolge Geldthemen. Der Grund liegt aber nicht in der Biologie, sondern in den verschiedenen Lebenswelten - und es gibt Hoffnung.

Von Karin Spitra

Leider haben viele Frauen - anders als Männer - immer noch eine Sperre, wenn es um das Thema private Finanzen geht. "Frauen verdrängen ihre persönlichen Geldangelegenheiten regelrecht", sagte Wolfgang Plöger vom Marktforschungsinstitut Sinus Sociovision, der das Finanzverhalten von Frauen untersuchte. Nach der von der Commerzbank vorgestellten Studie betrachten Frauen das Geld weniger als Voraussetzung für Lebensqualität, handeln weniger autonom und orientieren sich stärker an ihrem sozialen Umfeld.

Auf der Basis von 1000 Befragten hatte sich gezeigt, dass nur 14 Prozent der Frauen souverän oder gar ambitioniert mit ihrem Geld umgehen, sagte Plöger. Bei Männern liegt dieser Anteil bei 23 Prozent. Auf der anderen Seite neigen Frauen mit zwölf Prozent stärker dazu, ihre Geldangelegenheiten an Spezialisten zu delegieren als Männer (sieben Prozent). Laut Plöger wird das weibliche Verhalten in Geldangelegenheiten deutlich durch Lebensstil, Werteorientierung und Bildungsniveau beeinflusst.

Die Selbstbewusste

Nach einer von Sinus Sociovision vorgenommen Unterteilung in vier verschiedene Kategorien gehören 27 Prozent der Frauen zum "selbstbewussten" Typ, meist zwischen 30 und 50 Jahre alt und mit gehobenem Einkommen. Sie sind auf der Suche nach neutralen Informationen und kümmerten sich erfolgreich um ihre eigenen Finanzen. In ihrer Lebenswelt sind Leistungsbereitschaft und Durchhaltevermögen (privat und im Job) ebenso wichtig, wie die Selbstverwirklichung im Beruf. Außerdem legen sie Wert auf eine gleichberechtigte Partnerschaft. Nur in dieser Gruppe wird die Beschäftigung mit Geldthemen als Spaß erlebt.

Die Traditionelle

31 Prozent der Befragten gehörem zum "traditionellen" Typ, meist über 60 Jahre und nicht berufstätig. Diese Frauen sind die klassiche Großmutter-Generation. Die meisten verfügen über einen Volksschul-/Hauptschulabschluss und leben meist in 1- und 2-Personenhaushalten. Sie fühlten sich sich von Finanzthemen vor allem überfordert, sie sind besonders oft von Altersarmut betroffen. In ihrer Lebenswelt finden sie vor allem Erfüllung in der traditionellen Frauenrolle (Familie und Haushalt). Sie suchen die Geborgenheit im Familienverband, wollen nicht "aus der Reihe tanzen", könnten niemals auf Pump leben und wollen nicht unangenehm auffallen. Ordnung und Sauberkeit sind fast schon ein Stilprinzip dieser Gruppe. In ihrer Generation ist man noch der Meinung "Geld ist ein zu persönliches Thema" und redet nicht gern drüber.

Die Konventionelle

Der "konventionelle" Typ (28 Prozent) ist auf alle Altersklassen verteilt und durchschnittlich gebildet. Er zeichnet sich einerseits durch Streben nach Sicherheit aus, andererseits aber auch durch Desinteresse an Finanzthemen. Diese Frauen leben in durchschnittlichen Einkommensverhältnissen und streben ständig nach einem angemessenen gesellschaftlichen Status - in der Mitte der Gesellschaft. Sie werden vor latenten Ängsten vor dem gesellschaftlichen Abstieg geplagt und finden ihre Erfüllung im privaten Glück.

Dabei wollen sie angenehm leben, sich etwas leisten können, bleiben dabei aber recht bodenständig. Für sie rangiert Sicherheit vor Selbstverwirklichung und sie passen sich an die sozialen Normen an. Diese Frauen sind sehr kritische Einkäuferinnen, mit einem großen Wunsch nach Komfort und Genuss. Über Geldangelegenheiten wird nicht gerne geredet, finanzielle Dinge werden möglichst delegiert, denn wenn sich die Konventionelle mit Geld beschäftigt, bekommt sie schlechte Laufe.

Die Erlebnisorientierte

Der "erlebnisorientierte" Typ (14 Prozent), meist unter 40 Jahren, allein stehend oder geschieden, betrachte Geld vor allem als Mittel, um Konsumwünsche zu befriedigen. Für diese Single-Frauen gehört zu ihrer Lebenswelt möglichst viel am modernen Leben teilzuhaben. Es ist wichtig, anders zu sein als die Elterngeneration. In ihrem Leben sollen Spaß, Freiheit und Unterhaltung dominieren. sie planen ihr Leben kaum, sondern lassen sich eher treiben. Sie haben Angst vor Festlegung und verschwenden kaum Zeit an die Zukunft.

Paradoxerweise träumen diese Frauen aber von einem geordneten Leben und wünschen sich ein geregeltes Einkommen, um sich die Wünsche nach Luxus und Komfort zu erfüllen. Besonders auffällig ist ihr spontaner Konsumstil bei einem meist völlig unkontrollierten Umgang mit Geld. Sie sind durchaus online-affin und auch bereit, sich online nach Informationen umzuschauen - aber es muss Spaß machen. Sie wollen ihr Leben heute genießen und nicht für die Zukunft sparen. Gleichzeitig merken sie aber auch schon, dass es immer schwieriger wird, den gewohnten Lebensstandard aufrechtzuerhalten.

Die vorgestellten Frauentypen und deren Lebenswelten zeigen, dass besonders bei Frauen mit höherer Bildung und gehobener Position im Beruf, das geldaktive Handeln keine alleinige Domäne der Männer sein muss. Christine Bortenlänger, Vorstand der Bayerische Börse AG in München, kommentierte das Ergebnis der Studie mit den Worten: "Alles andere als erfreulich." Dennoch gibt es Grund für Optimismus. "Die selbstbewusste Frau mit ihrer positiven Einstellung zu Geld zeigt, dass Frauen ihre Finanzen durchaus erfolgreich in den Griff bekommen können." Denn der Hauptgrund für eine andere Einstellung zu Gelddingen sind die unterschiedlichen Lebenswelten der Frauen - und dabei kommt es ganz wesentlich auf das Millieu an.

Kinder sollten Umgang mit Geld lernen

Wenn aber so viel am Umgang mit den Finanzen Erziehungssache ist, dann kann man ja auch die Weichen für die nächste Generation anders stellen: Wer damit aufwächst, dass sich die Mutter nicht auskennt und immer alles auf den Vater abschiebt, dürfte auch eher in die erlernten Rollenmuster fallen. Deshalb sollten Eltern ihren Kindern gegenüber Geld nicht zum Tabuthema machen. Viel besser ist ein langsames Heranführen, schließlich sind Kinder wiss- und lernbegierig. So ist ein Schulkind sicher stolz auf ein eigenes Sparkonto - und auf eine Erklärung, was die Bank mit dem Geld macht (aufbewahren und damit arbeiten) und was man dafür bekommt (Zinsen). Je älter die Kinder werden, desto weiter können die Eltern gehen. Einem 16-Jährigen, der wegen seines knappen Taschengeldes meutert, kann man ruhig schon erzählen, wie hoch das Familieneinkommen ist - und was man für Miete, Auto, Versicherungen, etc, noch ausgiebt. Oder man ernennt sein Kind eine Zeit lang zum "Finanzminister" und lässt es ein Haushaltsbuch über die Familienfinanzen führen. Dann haben alle was davon.

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