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FUSSBALL: Kein Durchbruch für BVB-Aktie erwartet

Der Aktienkurs des Fußball-Meisters Borussia Dortmund dürfte nach Analystenschätzung in der kommenden Spielsaison zunächst keine Zuwächse an der Börse verzeichnen.

Obwohl die Finanzexperten wieder einen Gewinn für die im September anstehenden Zahlen des Geschäftsjahres 2001/02 prognostizieren, gehen sie davon aus, dass der Aktienkurs noch auf Dauer von Verkäufen des Borussia Dortmund (BVB) -Großaktionärs Deutsche Bank belastet sein wird. »Die Deutsche Bank gibt immer wieder Stücke, und es kauft doch niemand gegen einen so großen Player«, sagt Analyst Ernst Scheerer von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Die Bank hält Branchenkennern zufolge derzeit noch knapp 20 Prozent des BVB-Aktienbestandes. Das Institut lehnte auf Anfrage einen Kommentar zur möglichen Reduzierung des Anteils ab, hatte in der Vergangenheit aber stets betont, sich von seinen Beteiligungen an Unternehmen zügig trennen zu wollen.

Abgabedruck wird anhalten

Ausgehend von einem Aktienbestand von fast 20 Millionen Stücken besitzt die Deutsche Bank Branchenkennern zufolge rund vier Millionen Papiere. »Um alles zu verkaufen, dauert es also noch Monate«, sagt Analyst Scheerer. Problematisch sei dabei die geringe Liquidität der Aktie. Auf dem Frankfurter Parkett wurden in den vergangenen 90 Tagen im Schnitt lediglich rund 140.000 Aktien gehandelt.

Aktie verlor an Wert

In der vergangenen Saison hat das Papier rund ein Drittel ihres Börsenwertes verloren. Aktuell notiert die Aktie mit 4,10 Euro weit unter ihrem Emissionspreis von elf Euro und hat dabei 130 Millionen Euro an Marktkapitalisierung eingebüßt.

Aktie fundamental unterbewertet

Ohne größere Verkäufe durch die Bank hätte die BVB-Aktie angesichts der sportlichen Erfolge und des Substanzwertes des Vereins durchaus deutliches Aufwärtspotenzial, sagen mehrere Analysten. »Die aktuelle Marktkapitalisierung von 80 Millionen Euro ist ein Witz«, sagt Analyst Paul Sibianu von der WGZ Bank. Er hält die Aktie für unterbewertet und empfiehlt sie mit einem Kursziel von acht bis zehn Euro zum Kauf. »Allein die Spieler sind mehr wert als die aktuelle Marktkapitalisierung. Mit der Beteiligung am Westfalenstadion und anderen Dingen komme ich auf einen Substanzwert von rund 200 Millionen Euro«, ergänzt der Experte. Auch Scheerer quantifiziert den BVB-Substanzwert auf mindestens 7,50 Euro je Aktie. Er rät, die Aktie aufzustocken.

Aktie nur »etwas für Fans«

Dagegen äußert sich Klaus Kränzle, Analyst bei der Bremer Sparkasse, zurückhaltend. »Fußball-Aktien gehorchen nicht normalen betriebswirtschaftlichen Dingen und sind etwas für Fans, nicht für Investoren.« Kränzle spricht sich daher gänzlich gegen Engagements in Fußball-Aktien aus.

Bei Meisterschaft Gewinne

Für das Ende Juni ausgelaufene Geschäftsjahr 2001/02 rechnen die Analysten wegen der Meisterschaft wieder mit Gewinnen bei dem Verein. Der Jahresüberschuss werde sich auf vier Millionen Euro belaufen und der Umsatz auf 123 Millionen Euro steigen, schätzt Scheerer. Sibianu rechnet mit einem ähnlich hohen Umsatz, jedoch nur einem Überschuss von knapp zwei Millionen Euro. Im Geschäftsjahr 2000/01 hatte der sechsfache Deutsche Meister eigenen Angaben zufolge noch Umsatzerlöse von 84 Millionen Euro und einen Verlust von 11,3 Millionen Euro verzeichnet.

Einnahmen durch Fanartikel verdreifacht

BVB-Manager Michael Meier zufolge ist das abgelaufene Geschäftsjahr zufrieden stellend verlaufen. »Bei den Sponsoren-Einnahmen, die erfolgsabhängig sind, stehen wir wegen Sondervergütungen besser als erwartet da.« Der Umsatz aus dem Verkauf von Fanartikeln (Merchandising) habe sich zum Vorjahr verdreifacht. Geringere TV-Einnahmen in Folge der Kirch-Krise werde der Verein durch Kostenreduzierungen kompensieren.

Christian Krämer

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