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Gebühren an Geldautomaten: Fremdgehen kann teuer werden

Banken verlangen von "Fremdkunden" immer höhere Gebühren an Geldautomaten. Das trifft vor allem die Kunden der Direktbanken, die bis zu zehn Euro fürs Abheben zahlen müssen. Verbraucherschützer sind empört und drohen mit Klagen.

Drastisch gestiegene Gebühren für das Abheben an fremden Geldautoamten haben Verbraucherschützer auf den Plan gerufen. "Das ist eine Leistung, die dem normalen Wettbewerb entzogen ist", sagte Finanzexperte Manfred Westphal vom Bundesverband der Verbraucherzentralen am Donnerstag. Die Gebühren müssten für Kunden durchschaubarer werden und sollten sich zudem an den tatsächlichen Kosten orientieren. Ein Abhebevorgang koste eine Bank weniger als einen Euro.

Nach einer Untersuchung der FMH-Finanzberatung stiegen die Gebühren seit der letzten Erhebung vor sechs Monaten um 13 Prozent: Von damals fünf Euro auf heute 5,64 Euro. Zehn der 200 verglichenen Banken würden gar zehn Euro verlangen. Gegenseitig stellten sich die Institute sogar bis zu 20 Euro pro Abhebung in Rechnung. "Dieser dramatische Anstieg ist für Bankkunden nicht länger hinnehmbar", sagte auch Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband der "Süddeutschen Zeitung". Er kündigte Konsequenzen bis hin zu Abmahnungen und Klagen an, sollten die Banken ihr Gebahren nicht ändern.

Verschärfter Wettbewerb

Kostentreiber sind laut FMH die Banken, deren Geldautomaten benutzt werden. "Angesichts der Tatsache, dass die Bereitstellung von Bargeld etwa 60 Cent pro Vorgang kostet, bereichern sich die Banken in erheblichem Ausmaß an den Kunden anderer Häuser", heißt es in der FMH-Studie.

Hintergrund ist offenbar ein verschärfter Wettbewerb zwischen großen Kreditverbünden wie den Sparkassen und den Genossenschaftsbanken auf der einen Seite und den Direktbanken auf der anderen. Während etwa der Sparkassenverbund über 25.700 Geldautomaten verfügt, stehen etwa der ING-Diba nur 1300 zur Verfügung. Durch den Verzicht auf Filialen haben Direktbanken aber niedrigere Kosten, sie können deshalb bessere Konditionen bieten.

"Es geht nicht um Kosten, sondern darum, den Wettbewerbern das Leben schwerzumachen", sagte ING-Diba-Sprecher Thomas Bieler. So verlangten manche Institute bis zu 20 Euro pro Abhebung von der ING-Diba. Den Kunden koste eine Abhebung mit der Girokarte (ehemals EC-Karte) aber nur fünf Euro, den Rest trage die Bank. Das Geschäftsmodell der Direktbank sei dadurch aber noch nicht bedroht.

Einzelne Banken geben laut FMH mittlerweile die Kosten für die Abhebungen in vollem Umfang an die Kunden weiter. Die Institute seien außerdem nicht mehr dazu verpflichtet, die Gebühren an den Automaten zu vermerken. Für Kunden lohne es sich also, bei der Bank nachzufragen. Aber selbst Bankmitarbeiter hätten bei Tests nicht über die genaue Höhe der Gebühren informieren können. Manchen Beschäftigten sei auch nicht klar gewesen, dass sich die Angaben im Preisaushang fänden.

joe/APN/AFP