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Einschränkungen am Geldautomaten: Neue Regeln beim Geld abheben: Wie Banken ihren Kunden die Lust auf Bargeld verderben

Die Deutschen stehen auf Bargeld, doch für die Banken ist das Ausgeben von Scheinen lästig und teuer. Immer mehr Institute versuchen es daher mit Einschränkungen beim kostenlosen Geld abheben.

Geldautomat

Bei einigen Banken darf man keine kleineren Beträge als 50 Euro mehr abheben

Deutschland ist ein Bargeldland. Während in den USA jeder Kleckerbetrag mit Kreditkarte und in Asien alles mit Handy bezahlt wird, schleppen die Bürger hierzulande immer noch gerne Scheine und Münzen im Portemonnaie mit sich herum. Das allerdings passt den Banken immer weniger. Denn auch wenn es sich komisch anhört - mit Bargeld wollen die Geldinstitute am liebsten nichts zu tun haben.

Wer schon mal versucht hat, Bargeld auf sein Konto einzuzahlen, weiß wie ungern die Banken das haben. Die meisten erheben darauf seit Jahren Gebühren, weil ihnen der Service zu viel Mühe macht. Beim Geldabheben schrecken die Banken Kunden anderer Institute ebenfalls seit Langem mit hohen Gebühren am Automaten ab. Und in jüngster Zeit schränken immer mehr Banken sogar das kostenlose Geldabheben an Geldautomaten des eigenen Verbunds ein.

Kleckerbeträge verboten

So verlangt die ING-Diba, Europas größte Direktbank, ab Juli von ihren mehr als neun Millionen Kunden, mindestens 50 Euro auf einmal abzuheben. Bei der Commerzbank-Tochter Comdirect und der Deutschen Kreditbank (DKB) gilt eine solche 50-Euro-Grenze sogar schon seit Längerem. Der Grund für die Maßnahmen: Das Ausgeben von kleinen Beträgen ist den Direktbanken zu teuer geworden. 

So zahlt die Ing-Diba - unabhängig vom abgehobenen Betrag - nach eigenen Angaben im Schnitt etwa 1,60 Euro je Abhebung an die Betreiber der Automaten. "Viele Abhebungen mit kleinen Beträgen kommen daher für uns besonders stark zum Tragen", sagt ein Sprecher der DPA. Tatsächlich holten sich manche Kunden bislang mehrmals an einem Tag Beträge von 10 oder 20 Euro.

Doch nicht nur Direktbanken schränken den Kunden-Zugriff am Automaten ein. Auch einige Sparkassen haben sich etwas überlegt und bieten Kontomodelle, bei denen nur noch zwei bis fünf Abhebungen pro Monat kostenlos sind. Manche Sparkassenkunden werden sogar für jede Bargeldauszahlung zur Kasse gebeten. Am Bankschalter abzuheben, hilft übrigens nicht, dort ist es noch teurer.

Alternativen werden nicht angenommen

Es gibt allerdings eine kostenlose Alternative zum Geldautomaten: die Supermarktkasse. Bei Rewe, Edeka oder Aldi Süd können die Kunden nicht nur bargeldlos bezahlen, sondern sich an der Kasse sogar Bargeld herausgeben lassen. Und das meist schon ab einem Einkaufswert von 10 oder 20 Euro. Doch obwohl die nächste Supermarktkasse oft näher ist, als der Geldautomat, wird das Verfahren bislang nicht besonders gut angenommen. Laut GFK-Studie heben gerade einmal 4 Prozent der Deutschen im Laden Geld ab.

Die Banken selbst arbeiten derweil weiter daran, das Bargeld komplett überflüssig zu machen. So wurden Millionen Bank- und Kreditkarten in den vergangenen Jahren mit der Funktechnik NFC (Near Field Communication) ausgestattet, um kontaktloses Zahlen an der Kasse zu ermöglichen. Statt die Karte in ein Lesegerät zu stecken, muss sie nur an ein NFC-fähiges Gerät gehalten werden. Obwohl noch längst nicht alle Karten und Kassen umgerüstet sind, erfolgen schon etwa 15 Prozent der Einkäufe kontaktlos, Tendenz stark steigend.

Das Bezahlen mit dem Handy hat sich hierzulande dagegen bislang noch gar nicht durchgesetzt. Während viele Chinesen mittlerweile komplett auf Bargeld verzichten, weil sie alles mit Alipay oder WeChat Pay bezahlen, scheiterten alle Versuche in Deutschland kläglich. Nun wagt Google einen neuen Vorstoß: Noch in dieser Woche soll der Handy-Bezahldienst Google Pay in Deutschland starten.