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Geld und Kredit: Die Schlacht um unser Geld

Noch nie waren Sparer so umworben wie heute. Banken, Sparkassen und Versicherungen versprechen Traumrenditen und Topzinsen. Doch die Welt des Geldes steckt voller Fallen. Wer sie nicht kennt, hat finanzielle Nachteile - manchmal ein Leben lang.

Machen Sie doch einmal einen Selbstversuch: Gehen Sie durch eine beliebige Einkaufsstraße in Deutschland und zählen Sie dabei, wie oft Ihnen ein Geldgeschäft angeboten wird. Sie werden staunen! Bei Tchibo können Sie ein Konto eröffnen. Bei Rossmann einen Ratenkredit abschließen Bei C&A auch. Banken und Sparkassen locken mit "Renditeplus" und "Superzinsen". Die Versicherungen ködern mit "Prämien-Rente" und "Dauerhaft günstig".

Der Wettbewerb tobt. Für Kunden sind das gewöhnlich gute Zeiten. Doch wenn es ums Geschäft mit dem Geld geht, ist vieles anders. Das Stichwort heißt: Provision.

Von wirklich guten und günstigen Angeboten profitieren nur Verbraucher, die sich selbst intensiv mit ihren privaten Finanzen beschäftigen und auskennen - in Deutschland immer noch eine krasse Minderheit. Die überwiegende Mehrheit ist auf Berater in Banken und Sparkassen, Vertreter oder Makler angewiesen. Und diesen Menschen geht es, ganz menschlich, vor allem um eines - ihre Provision.

Nahezu jedes Geldgeschäft läuft in Deutschland gegen Provision. Vermittler von Versicherungen oder Immobilien kassieren sie persönlich, Banken und Sparkassen verrechnen sie intern. Provisionen stecken, mehr oder minder verborgen, in fast jedem Angebot, vom Bausparvertrag über die Riester-Versicherung bis hin zu Investmentfonds- Sparplänen. Meist erhalten Berater für diese Produkte dezidierte Verkaufsvorgaben, mitunter sogar eine tägliche Schlagzahl. Was unter solchen Bedingungen an objektiver, kundenorientierter Beratung herauskommt, liegt auf der Hand: selten Gutes.

Wirklich gut beraten werden wenige: Wer 500.000 Euro oder mehr besitzt, kann "Private Banking"-Kunde werden. Die Bank oder Sparkasse kassiert dann keine Provisionen und Gebühren mehr, sondern eine Pauschale von rund einem Prozent des Jahresgewinns. Feine Sache. Für alle Beteiligten. Denn die Bank verdient in Euro und Cent umso mehr, je reicher sie den Kunden macht. Sie wird deshalb nur sehr überschaubare Risiken eingehen und clevere Steuer- und Renditekniffe ersinnen, gleichwohl alles verständlichst erklären. Kein Traum. Und kein Wunder, dass unsere Reichen immer reicher werden - trotz zeitweiser Zins- und Aktientalfahrten. Sie sind einfach exzellent beraten. Oder wie es der Volksmund sagt: Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.

Und der große Rest,

die "Mitte" der Gesellschaft? Sie wird nicht beraten, sondern ihr wird verkauft; alles, was maximale Provision und/oder Gebühreneinnahmen bringt. Der Provisionsüberschuss der Deutschen Bank belief sich im vergangenen Jahr auf fast zwölf Milliarden Euro - ein Fünf-Jahres-Rekord. Das Urgeschäft eines Geldhauses - nämlich Zinsgewinne aus Einlagen und Krediten - brachte dem Branchenprimus nur knapp sieben Milliarden ein. Vor zehn Jahren war das Verhältnis von Zins- und Provisionsüberschuss noch genau umgekehrt.

Nicht nur die Deutsche Bank steigert Provisionen und Gebühreneinnahmen. Es machen nahezu alle, auch die Sparkassen. Könige darin sind die Versicherungen, genauer gesagt, deren Vertreter.

Hinter vorgehaltener Hand bestreitet kein Konzernoberer das Provisions- und Beratungsdilemma. Die Masse der Deutschen, heißt es, sei aber nun mal nicht bereit, für Geldberatung ein Honorar zu zahlen. Klug genug wären sie allemal.

Bei Geldgeschäften fehlt es schlicht am Angebot provisionsunabhängiger Beratung. So gibt es bundesweit nur ein paar Dutzend Honorar-Versicherungsberater (gelistet unter www.bvvb.de). Und nur eine einzige Bank erhebt für verwaltete Vermögen ab 50.000 Euro statt Provisionen ein fixes Monatshonorar. Es handelt sich um die Quirin Bank, geleitet und mitbegründet von Karl Mattäus Schmidt. Der 37-Jährige hat Erfahrung im Schwimmen gegen den Strom. Vor 13 Jahren gründete Schmidt die Onlinebank Consors - Startschuss für das Internetbanking in Deutschland. Ob dem unkonventionellen Banker noch einmal eine Revolution gelingt? Uns Durchschnittssparern und Durchschnittsversicherten wäre es zu wünschen.

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Frank Donovitz / print