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Geschäftszahlen: Gewinneinbruch bei Volkswagen

Die schwache Autokonjunktur, Währungsverluste und hohe Anlaufkosten für neue Modelle haben bei Volkswagen 2003 zu dem massivsten Gewinneinbruch seit Jahren geführt. Das führt auch zu Kürzungen bei den Dividenden.

Die schwache Autokonjunktur, Währungsverluste und hohe Anlaufkosten für neue Modelle haben bei Volkswagen 2003 zu dem massivsten Gewinneinbruch seit Jahren geführt. Das Ergebnis nach Steuern sank nach vorläufigen Zahlen um mehr als die Hälfte auf 1,11 Milliarden Euro, wie Europas größter Autobauer am Mittwoch in Wolfsburg mitteilte. An die Aktionäre soll eine geringere Dividende von 1,05 Euro je Stammaktie ausgezahlt werden (Vorjahr: 1,30 Euro).

Das operative Ergebnis brach um 62,6 Prozent auf 1,78 Milliarden Euro ein. Darin enthalten sind auch Sondereinflüsse in Höhe von 711 Millionen Euro "aus der Neubewertung von Vorleistungen und aus Restrukturierungsmaßnahmen", wie es hieß. Der Konzern-Umsatz stieg leicht um 0,2 Prozent auf 87,1 Milliarden Euro. Der Absatz stieg auf geringfügig mehr als fünf Millionen Fahrzeuge weltweit.

Eine genaue Prognose für 2004 gab VW nicht ab. Der Vorschlag des Vorstandes zur Absenkung der Dividende um 19 Prozent erfolge vor dem "Hintergrund der eingetretenen Ergebnisverschlechterung", berücksichtige aber auch die "mittelfristig wieder positivere Ertragserwartung".

Konzernbetriebsratschef spricht von einem "Übergangsjahr"

Der Konzernbetriebsratschef von VW, Klaus Volkert, sieht Volkswagen nach dem herben Gewinneinbruch 2003 in diesem Jahr in einem "Übergangsjahr". Zugleich fordert er in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa, VW müsse den Kunden mehr in den Mittelpunkt stellen:

Frage:

Volkswagen hat 2003 einen herben Gewinneinbruch verzeichnet. Wie beurteilen Sie die momentane Situation bei VW?

Volkert:

"Wir sind nicht so schlecht, wie uns manche darstellen. Nach den vielen Jahren des Erfolgs sind wir jetzt aber in einer Phase - sicher auch weil der Markt stagniert - in der sich Volkswagen- Leute auf allen Ebenen daran gewöhnen müssen, dass sich die Welt nicht immer so dreht, wie wir sie gerne hätten. In dieser Situation muss sich VW noch mehr um die Kunden bemühen als früher. Da ist der vor allem Vertrieb gefordert."

Frage:

Welche Erwartungen haben Sie an die Geschäftsentwicklung 2004?

Volkert:

"2004 wird ein Übergangsjahr werden. Das hängt mit den Planungen für die Zukunft zusammen. Nach dem Produktfeuerwerk, das Herr Piech Mitte der 90er Jahre in Gang gesetzt hat - was zwingend notwendig war, um uns aus der damaligen auch nicht ganz leichten Situation herauszubringen - stellen wir jetzt fest, dass alle Fahrzeuge zugleich ein gewisses Alter bekommen haben. Für die Zukunft werden wir uns anders aufstellen. Wir werden vor allem die Einführungszeiten der Modelle entzerren. Dann können wir das Investment besser steuern, Manpower gezielter einsetzen und einzelne Standorte nicht überfordern."

Frage:

VW ist mit hohen Investitionen mit Phaeton und Touareg in den Luxusbereich eingestiegen. Mit dem C1 ist ein weiteres Modell in der gehobenen Klasse geplant. Ist die Modellpolitik des Konzerns auf dem richtigen Weg?

Volkert:

"Die Entscheidung über den Einstieg ins Luxussegment würde unter den derzeitigen Rahmenbedingungen sicher nicht noch einmal so fallen. Volkswagen muss jetzt überlegen, ob man dem Namen 'Volkswagen' noch gerecht wird, wenn man ein großes Klientel nicht mehr bedienen kann, das nachweislich keine große Kaufkraft mehr hat. Denkbar wäre ein preiswertes Einstiegsauto ohne großen technischen Schnickschnack unter 10.000 Euro. Für unsere Massenkunden ist Mobilität das wichtigste. Ob man vieles andere dazu braucht, das kann man den Kunden entscheiden lassen. Wir brauchen ein Fahrzeug, das alles Notwendige hat - und wenn der Kunde einen roten Streifen an der Karosse haben will, muss er ihn dranmachen lassen."

DPA / DPA