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Halbleiter: Auch Siltronic-Börsengang geplatzt

Wenige Tage vor der Erstemission ist der Börsengang des Halbleiter-Zulieferers Siltronic geplatzt - wegen der "Verunsicherung der Märkte" nach dem Madrider Terroranschlag. Ein neuer Zeitplan liegt noch nicht vor.

Der erste Börsengang des Jahres lässt weiter auf sich warten: Nach dem Halbleiterhersteller X-Fab hat am Mittwoch auch der Siliciumhersteller Siltronic den Gang aufs Parkett kurzfristig abgesagt. Offiziell nannte das Münchner Unternehmen Unsicherheiten an den Börsen nach den Terroranschlägen von Madrid als Grund. Insider führten die Entscheidung aber auf mangelndes Interesse an der Aktie zurück. Der Waferhersteller hatte seinen Börsengang für kommenden Freitag angekündigt.

Das Unternehmen wolle weiter an seinen Plänen festhalten: "Sobald es ruhiger wird, sind wir wieder da!" sagte Vorstandschef Wilhelm Sittenthaler. Über den neuen Zeitplan wollte er sich nicht äußern. Er betonte aber, dass Investoren großes Interesse an Siltronic gezeigt hätten. Das Unternehmen sei fit und habe Kapitalmarktfähigkeit bewiesen.

Händler sprechen von zäher Nachfrage

Wertpapierhändler bezeichneten den vorbörslichen Handel aber als zäh. "Vor allem von privater Seite hat es wenig Interesse gegeben", sagte ein Händler des Wertpapierhändlers Lang & Schwarz. Siltronic habe offensichtlich einen Imageverlust befürchtet und den Börsengang daher verschoben. Die Bookbuldingspanne lag zwischen 14,50 und 19 Euro.

Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sprach von einer absehbaren Entwicklung. Das Unternehmen sei angesichts roter Zahlen noch nicht börsenreif und bewege sich in einem höchst volatilen Markt. Der Börse fehle derzeit die Euphorie für solch spekulative Anlagen. "Man darf Siltronic und X-Fab aber nicht in einen Topf werfen", sagte Kurz. Der Erfurter Halbleiterhersteller X-Fab hatte seinen Börsengang Mitte März abgesagt. Zuvor war harsche Kritik an dem Börsenaspiranten laut geworden.

DSW: Unternehmen war noch nicht reif

Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Siltronic nach 12 Millionen Euro 2002 mit minus 87 Millionen Euro ein negatives Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) eingefahren. Darin enthalten waren früheren Angaben zufolge jedoch Sonderabschreibungen und Aufwendungen in Höhe von rund 77 Millionen Euro für Stellenabbau, wie das Unternehmen weiter mitteilte. Bis Juni 2004 solle die Restrukturierung abgeschlossen sein. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen damit, dass sich der positive Trend bei Absatz und Preisen fortsetzt und die Kapazitäten-Auslastung nach den vergangenen schwierigen Jahren wieder deutlich steigen.

Das Unternehmen entwickelt und produziert für führende Chiphersteller so genannte Silizium-Wafer an Standorten in Europa, Asien, Japan und den USA. Diese sind Grundlage der modernen Mikroelektronik und werden unter anderem in Computern, Mobiltelefonen, DVD-Playern und Navigationssystemen eingesetzt.

Kein neuer Zeitplan

Siltronic hat sich noch nicht auf einen neuen Zeitplan festlegen. Die Finanzmärkte können sich erfahrungsgemäß auch recht schnell wieder erholen, erklärteVorstandschef Wilhelm Sittenthaler am Mittwoch in München. Dann will das Unternehmen darauf rasch reagieren. Allerdings ließ er offen, ob der verschobene Börsengang zumindest noch in diesem Jahr nachgeholt werden soll.

DPA
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