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Interview: "Es gilt längst weltweite Arbeitsteilung"

Mit über 100 Milliarden Euro Anlagegeld ist DWS, eine Tochter der Deutschen Bank, Marktführer der Fondsfirmen. Aktien-Chef Klaus Kaldemorgen über Gewinner und Verlierer

Herr Kaldemorgen, die Großkonzerne melden Rekordgewinne. Ist unsere Wirtschaft wieder im Lot?

Es ist zumindest nicht alles schlecht. Die Unternehmen verbrennen weniger Geld, weil sie bei Großinvestitionen vorsichtiger sind. Zudem werden Schulden abgebaut und damit Kreditkosten gespart. Das verbessert die Bilanzen enorm. Bestes Beispiel ist die Deutsche Telekom.

Woher kommen die Gewinne?

Aus dem Ausland, besonders aus dem Boomland China.

Was ist an deutschen Aktien überhaupt noch deutsch?

Der Firmensitz. Die meisten großen deutschen Unternehmen sind Global Player. So hat sich die indische Siemens-Aktie in einem Jahr verdoppelt, während die Konzern-Aktie bei uns auf der Stelle trat. Wer Geschäfte überwiegend in Deutschland macht, also einige Banken oder Konsum-Firmen wie Karstadt, tut sich verdammt schwer.

Aber auch erfolgreiche Exporteure wie Siemens oder die Autobauer drohen mit Arbeitsplatzabbau und -verlagerung.

Wenn wie bei Siemens die Umsätze aus dem Ausland kommen, die Kosten aber überwiegend hier anfallen, müssen die Unternehmen handeln. Daimler und VW können sich noch verbessern - auch im Vergleich mit Porsche oder BMW.

Stimmt der Vorwurf von CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer, dass die deutschen Chefs zu wenig patriotisch sind?

Mein Eindruck aus vielen Gesprächen ist anders. Wir sollten im Inland das machen, worin wir Weltspitze sind, also zum Beispiel kreative Ingenieur- und Forschungsleistung oder Vermarktung. So wie Adidas: Produziert wird in Asien, verkauft wird weltweit, von Herzogenaurach aus gesteuert. Es gilt längst weltweite Arbeitsteilung.

Daran ist der Profitdruck schuld, den Sie ausüben.

Unser Kundenauftrag ist, bestmögliche Renditen zu erzielen. Wir dürfen aber nicht kurzfristiges Profitdenken über die Nachhaltigkeit von Gewinnen stellen.

Sie haben mehr Einfluss auf Arbeitsplätze als Gewerkschaften.

Wir arbeiten - genau wie die Konzerne - global, Gewerkschaften dagegen lokal. Ich komme aus Rüsselsheim. Ich bin sicher, dass die meisten Opel-Mitarbeiter lieber 42 Stunden pro Woche arbeiten, als ihren Job zu verlieren. Den größten Einfluss auf die Arbeitsplätze haben die Arbeitskosten. Auch Konzernlenker dürfen nicht bei anderen kürzen und selbst abkassieren.

Legt ein Arbeitnehmer in Ihre Fonds an, rationalisiert er sich seinen eigenen Job weg.

Nein. In seinem Auftrag investieren wir in erfolgreiche Unternehmen und wirken auf Vorstände ein, dauerhafte Gewinne zu erzielen. In solchen Unternehmen sind auch künftig die Arbeitsplätze sicher. So sind die Regeln des internationalen Finanzmarktes und des globalen Produktionswettbewerbs.

Das Interview mit Klaus Kaldemorgen führte Frank Donovitz / print