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Wissenschaft schnell erklärt Multitasking im Job: Alles nur ein großer Mythos?

Während des Booms von Pokémon Go tauchten Dutzende Bilder von neuartigen Autobahn-Warnschildern auf „Nicht beim Fahren Pokémon spielen!“ Auch wenn einige davon nicht echt waren. Die Botschaft ist klar: Wer mit dem Smartphone herumspielt, kann nicht Autofahren. Verboten ist es eh – aber können wir es wirklich nicht?


Die Antwort ist: Wirklich nicht. Und das gilt nicht nur für spannende Spiele. Auch das scheinbar einfache Schreiben einer Nachricht macht aus jungen Leuten tattrige Greise. Im Kopf. Forscher haben herausgefunden, dass die Reaktionszeiten im Verkehr durch das Telefon auf das Niveau von Jahrzehnte älteren Menschen absinken, deren geistige Fähigkeiten schon mächtig nachgelassen haben.


Der Grund heißt: Multitasking. Beziehungsweise, dass wir das nicht wirklich können. Besonders über ist es für das Gehirn, wenn wir versuchen, zwei Dinge gleichzeitig zu tun, die die selben Sinneskanäle brauchen. Also mit den Augen aus dem Auto gucken und mit den Augen aufs Handy blinzeln. Deswegen ist Telefonieren mit einer Freisprechanlage auch erlaubt – es lenkt viel weniger ab. Auch Lesen und Musikhören funktioniert für die meisten gut. Was aber leider gar nicht gut geht, ist mehrere Arbeiten auf einmal machen. Wer seine Arbeit in immer wechselnde Aufgaben zerhackt, nicht abschließt, sondern zwischen ihnen abwechselt, wird immer unproduktiver. Deshalb geben sich viele bei der Arbeit einfach nur den Anschein, dass sie dauernd hektisch und total aktiv sind. Wirklich weggeschafft bekommen sie wenig.


Das liegt daran, dass das Hirn vor allem eine Filtermaschine ist. Es will sich konzentrieren dürfen. Aus vielen Megabytes Information pro Sekunde filtert es nur ganz wenige heraus und lässt sie ins Bewusstsein durch. Und dort will es dann seine Aufgabe lösen. Es lohnt sich also, seine Aufgaben so zu ordnen, dass man nicht gezwungen ist, sie alle durcheinander oder alle auf einmal zu machen. Es kränkt uns vielleicht ein bisschen, aber wir sind für das Multitasking nicht gemacht. Und das wird sich auch in den nächsten paar tausend Jahren nicht ändern. Wer seine Aufgaben der Reihe nach organisiert, lebt also artgerecht und viel glücklicher.
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Lange Zeit galt Multitasking als obligatorisch in puncto Soft Skills, nicht nur in der Arbeitswelt. Doch können wir wirklich gut mehrere Dinge gleichzeitig tun? Aktuelle Studien revidieren das - wir erklären warum.

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