Juwelen Zeit für die Edelsteinigung

Willkommen in der Steinzeit - Uhren, Schmuck und Kleidung dürfen endlich wieder mächtig funkeln. In der Krise kauft der reiche Kunde Exklusives mit bleibendem Wert.

Neue Uhren ticken anders. Sie messen nicht mehr unauffällig am Handgelenk die Zeit, sondern funkeln und glitzern durch Diamanten. Egal, ob es sich um fast unbezahlbare Luxus-Stücke von Cartier und Ebel oder gehobene Massenware handelt - die Flut der Steine auf Gehäusen, Zifferblättern und Armbändern springt ins Auge. Armbanduhren, aber auch Schmuck mit kostbaren Steinen könnten zu Vorreitern einer breiten Welle werden. Denn mitten in der Wirtschaftsflaute setzt die Modebranche nach dem Revival der Pelze auf den Unvergänglichkeits-Mythos von Steinen. Die Fashion-Bibel 'Vogue' verkündete in einen Schmuck-Spezial schon die "Steinzeit".

"Edelsteine werden wieder sehr sichtbar präsentiert, und zum Teil werden wirklich große Steine getragen", berichtet der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Schmuckindustrie, Alfred Schneider. Ganz anders als noch vor einigen Jahren: 1996 priesen die Schmuckhersteller einen Ring mit "versteckten" Diamanten als angesagt. Die geschliffenen Kostbarkeiten waren von außen nicht zu sehen, sie kullerten nur hörbar in einem Hohlraum.

Die Uhr - schmückend statt funktional

Auch Uhren glänzten lange, der puristischen Kleidermode folgend, durch schlichtes Äußeres und Funktionalität. Ausschlaggebend für den Preis waren oft - und nicht nur bei Herren-Modellen - das Uhrwerk sowie die Zahl der Sonderfunktionen. Jetzt bemisst sich der Wert wieder nach Zahl der Brillanten und Karat. "Die Uhr wird wie ein Schmuckstück getragen und entsprechend als schmückendes Accessoire empfunden", bestätigt Markus Sigrist, Verkaufsdirektor von Ebel-Uhren, die zum französischen Luxuskonzern LVMH gehören.

Den Trend zu Brillant-Uhren gebe es seit drei Jahren, heißt es bei der Swatch-Group Deutschland. Alle Preissegmente sind von der Welle erfasst. Bei günstigeren Zeitmessern sorgen dann eben Kristallsteine für den Luxus-Effekt wie bei Swatch oder Tommy Hilfiger. Überall greifen die Uhr-Designer bei den Formen auf die Glamour-Ausstrahlung früherer Epochen zurück: auf den Audrey-Hepburn-Stil, die 1920er bis 1950er Jahre (Longines), Jugendstil (Lalique) oder Einflüsse französischer und italienischer Königshöfe (Breguet).

Ein Paradebeispiel für den Trend war die von Tennisstar Anna Kournikowa beworbene Chronographen-Serie 'Speedmaster' (Omega): Ursprünglich für Rennautofahrer konzipiert, dann von NASA-Astronauen im Weltraum eingesetzt, wurde die mechanische, sportliche Uhr später für den Frauenarm verkleinert - und zuletzt mit Diamanten verziert. Andere Anbieter wollen auch den Herren Edelsteine verkaufen: zum Beispiel mit Steinchen an Stelle der Ziffern.

Auch Heidi mag Pretiosen

Bei Kleidermachern gewinnt das Schmückende ebenfalls an Einfluss: Das italienische Trendlabel Prada nähte in die eine Sommerlinie Schmuckstücke ein. Das Traditionshaus Gucci kreiert gar eine eigene Juwelen-Kollektion. Auch das deutsche Supermodel Heidi Klum (30) bekannte sich zu ihrer teuren Leidenschaft: "Ich liebe Juwelen", sagte sie dem US-Blatt 'Women's Wear Daily'. Die selbst geschaffene Schmuckserie ist dann nur eine logische Konsequenz. Die Pretiosen, darunter Diamanten-Colliers, entwirft die schöne Blonde aus Bergisch Gladbach in Zusammenarbeit mit dem New Yorker Juwelier Mouawad.

Bei der Suche nach Hintergründen des Trends stößt man eher auf Vermutungen denn Antworten. "Die Geschichte hat wiederholt gezeigt, dass sich der luxusorientierte Konsument in wirtschaftlich schwächeren Zeiten auf wenige, dafür besonders exklusive Stücke von bleibendem Wert konzentriert", sagt Ebel-Geschäftsführerin Katharina Le Thierry d'Ennequin. Der Chef des Diamanten-Riesen De Beers, Nicky Oppenheimer, sprach von einer Renaissance "familiärer Werte", die der Diamantenindustrie aus der Absatzkrise helfe. Und Banker weisen darauf hin, dass Diamanten angesichts unsicherer Aktienkurse wieder als langfristige Geldanlage in den Blick kämen - als "Krisenwährung".

Petra Kaminsky DPA

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