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Konjunkturzyklen: Ratingagenturen im Aufwind

Die Analysten der Investmenthäuser haben in Zeiten von Firmenpleiten und fallenden Kursen einen schweren Stand - sie reagieren manchmal zu spät. Ratingagenturen dagegen wollen in Konjunkturzyklen denken.

Ratingagenturen laufen Investmenthäusern den Rang ab. Waren in Hausse-Zeiten vor allem die Meinungen von Wertpapieranalysten gefragt, rücken angesichts von Firmenpleiten und fallenden Kursen die Ratingagenturen verstärkt in den Fokus der Anleger. "Was bringt es einem Anleger, wenn ein Analyst erst nach dem Einbruch einer Aktie sein Kursziel um die Hälfte einstampft", kritisierte ein süddeutscher Händler, der namentlich nicht genannt werden wollte. Zugleich bemängeln Börsianer aber die Dominanz der beiden US-Ratingagenturen Standard&Poor’s (S&P) und Moody’s.

"Die Aussagen der Ratingagenturen haben ein größeres Gewicht bekommen", sagte Stefan Rangosch, Händler bei der Wertpapierhandelsbank Seydler. Immer mehr Anleger monierten an der Arbeit der Analysten, dass sie häufig zu spät handeln.

Auch Alexander Groschke, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz bestätigt den Wandel. "Während des Börsenbooms waren wir gefragter, angesichts der Pleiten und Bilanzskandalen rückt die Solidität in den Fokus." Daher steige das Gewicht der Ratingagenturen. Dennoch hält Groschke das "Duopol der beiden Agenturen S&P und Moody’s für unglücklich".

Die Firmen seien gezwungen, ihre Geschäftspolitik nach dem Muster der Amerikaner zu betreiben. Auch seien mögliche Interessenkonflikte nicht ausreichend offen gelegt. Dies sei aber nötig, "schließlich sind die Agenturen ja keine ehrenamtliche Organisation". Auch andere Analysten plädieren daher für mehr Wettbewerb. Immerhin beherrschen S&P und Moody’s rund 80 Prozent des Rating-Marktes.

Bei Standard&Poor’s ist man sich des größeren Einflusses an den Märkten bewusst. "Heute werden Ratings viel mehr Beachtung geschenkt als noch vor zehn Jahren", sagte Torsten Hinrichs, Managing Director bei Standard&Poor’s. Schließlich sei die Bedeutung der Kapitalmärkte im Vergleich zu früher stark gewachsen. Im Vergleich zu den Investmenthäusern sieht Hinrichs bedeutende Unterschiede. "Unsere Arbeit ist wesentlich langfristiger angelegt - Ratings sollen ja idealerweise durch einen Konjunkturzyklus hindurchsehen."

DPA