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Kuba: Castro schränkt den Dollar ein

Ab November darf in Kuba nur noch mit Pesos gezahlt werden. Grund für die Verbannung des amerikanischen Dollars: die "Bandentätigkeit" der USA.

Elf Jahr nach seiner Legalisierung hat Kuba den US-Dollar als Zahlungsmittel abgeschafft. Wie es in einem im Staatsfernsehen verlesenen Beschluss der Zentralbank heißt, darf vom 8. November an in Devisenläden, Hotels und anderen Einrichtungen nur noch mit so genannten "Konvertiblen Pesos" bezahlt werden. Zwar dürfen die Kubaner weiterhin Dollars besitzen, doch kann dann die US-Währung nur mit einem Abschlag von 10 Prozent in konvertible Pesos umgetauscht werden. Dies gilt auch für Touristen.

Staats- und Parteichef Fidel Castro prangerte in der täglich im kubanischen Hörfunk und Fernsehen ausgestrahlten Sendung "Runder Tisch" die "Bandentätigkeit" des USA an. Castro, der sich am vorigen Mittwoch bei einem Sturz die Kniescheibe zertrümmert hatte, war am Montagabend im Fernsehstudio anwesend und begründete die neuen Maßnahmen als Reaktion auf die feindliche Politik der USA. US-Präsident George W. Bush hatte Mitte des Jahres die Möglichkeiten privater Geldtransfers nach Kuba drastisch eingeschränkt, um auf diese Weise die Devisenknappheit auf der Insel noch zu verschärfen. Nach Aussage Castros versuchen die USA außerdem, ausländische Banken zu bestrafen, die Kuba mit Dollar versorgen.

Der Dollar hatte sich etabliert

In Kuba hat sich der US-Dollar seit den frühen 90er Jahren zu einer Zweitwährung entwickelt, mit der sehr viele Waren und Dienstleistungen bezahlt werden. Kubaner dürfen ihn seit 1993 besitzen. Bis zu den am 1. Juli dieses Jahres in Kraft getretenen verschärften US-Sanktionen hatten im Ausland lebende Kubaner ihren Verwandten daheim nach verschiedenen Schätzungen zwischen 800 Millionen und 1,2 Milliarde Dollar pro Jahr überwiesen oder bei Reisen mitgebracht. Neben dem wertlosen nationalen Peso hatte es auf Kuba auch früher schon einen konvertiblen Peso im Wert von einem US-Dollar gegeben.

Der Mitteilung der Zentralbank zufolge sind auch Ausländer vom Zwangsumtausch betroffen. Sie müssten Euro, Pfund, Franken oder Kanadische Dollar in Konvertible Pesos wechseln, bräuchten dabei aber keine zehn Prozent Abschlag zu zahlen. In den Badeorten Varadero und Jardines de Rey könne auch weiterhin mit Euro in bar bezahlt werden. Dollarkonten auf der Insel würden nicht angegriffen.

DPA / DPA