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Kunstraub: Jeder dritte Kunstsammler ist unversichert

Aus Angst, dass Finanzämter durch eine abgeschlossene Diebstahlsversicherung zu genaue Erkenntnisse über ihre Vermögensverhältnisse gewinnen könnten, wählen viele Kunstsammler einen riskanten Weg: Sie versichern sich gar nicht erst.

Angst vor Indiskretionen hält nach Angaben eines führenden Kunstversicherers viele Sammler davon ab, ihre Werke versichern zu lassen. "Ein Drittel aller ernsthaften Sammler versichert sich gar nicht", sagte der Vorstandsvorsitzende von Axa Art, Ulrich Guntram, in Köln. Die Picasso-Enkelin Diana Widmaier-Picasso, aus deren Pariser Wohnung zwei offenbar unversicherte Picasso-Bilder gestohlen worden waren, sei durchaus keine Ausnahme.  

Versicherungen gar nicht so teuer

Guntram widersprach der Darstellung von Anwälten der Enkelin, wonach Versicherungen für so wertvolle Kunstwerke zu teuer seien. "Bei einem absoluten Top-Werk mit einem Schätzwert von sagen wir mal 30 Millionen kostet eine solche Versicherung etwa 50.000 Euro jährlich", sagte er. Oft scheuten die Sammler vor einer Versicherung zurück, weil sie befürchteten, dass die Steuerbehörden dadurch genauere Erkenntnisse über ihre Vermögensverhältnisse gewinnen könnten.

So habe es in Frankreich bis vor zwei Jahren ein Gesetz zur Meldung solcher Versicherungen beim Finanzamt gegeben. "Vor allem in mediterranen Ländern gibt es aber auch Leute, die sagen: 'Ich hab so viel - wenn mir was gestohlen wird, kauf ich mir für die eingesparte Versicherung einfach was Neues.'" Das gelte allerdings nicht bei so hoch dotierten Meistern wie Picasso.  

Kein Auftragsdiebstahl bei Picasso-Gemälden

Als "Märchen" bezeichnete Guntram die Vorstellung, die beiden Picassos in Paris könnten für einen reichen Privatsammler gestohlen worden sein. "Wir kennen kein prominentes Beispiel für diesen legendären südamerikanischen Plantagenbesitzer oder Kriegsherrn auf dem Balkan, der sich zu Hause die Meisterwerke an die Wand hängt." Auftragsdiebstähle kämen zwar durchaus vor, aber nicht in der Größenordnung von Picassos. Für Kunstwerke der zweiten und dritten Garnitur kursierten hingegen sogar Kataloge: "Da kann man sich dann aussuchen, was man haben möchte."

Viele Kunstdiebe wollten den Eigentümern oder Versicherungen Geld abpressen. "Wir haben eine ganz klare Firmenpolitik, dass wir solche Erpressungen nicht mitmachen", sagte Guntram. Schon mehrmals hätten sich spektakuläre Kunstdiebstähle aber auch als reine Ablenkungsmanöver herausgestellt, mit denen Polizeikräfte gebunden werden sollten.  

20 Jahre alte Alarmanlagen

"Sie können heute einen Kunstraub ja relativ einfach anstellen", sagte Guntram. "Gerade der Sicherheitsstandard der deutschen Museen geht immer weiter zurück." Der Grund dafür seien leere Kassen bei gleichzeitigem Druck, große Sonderausstellungen mit vielen Besuchern zu machen. An der Sicherheit werde dann oft gespart, so dass die Alarmanlagen zuweilen 20 Jahre alt seien.

DPA / DPA
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