VG-Wort Pixel

Leitzinserhöhung der EZB Häuslebauer müssen sich warm anziehen


Die Europäische Zentralbank hat ihren seit knapp zwei Jahren bei einem Prozent liegenden Leitzins angehoben. Einige wird's freuen, andere nicht: die Gewinner und Verlierer der Zinswende.

Seit fast zwei Jahren lag der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) bei einem Prozent. Nun kommt die Wende: Am Donnerstag haben die Währungshüter aus Frankfurt den Leitzins angehoben, auf 1,25 Prozent. Um die Inflation im Zaum zu halten, sind weitere Erhöhungen wahrscheinlich. So rechnen Volkswirte zum Ende dieses Jahres mit einem Zinsniveau von 1,75 Prozent. Wer davon profitiert und wer nicht.

Gewinner:

Für Andreas Rees, Chefökonom Deutschland der italienischen Großbank Unicredit, ist der größte Gewinner einer Zinserhöhung der Euro selbst. Mit der Zinswende signalisiere die EZB, dass für sie die langfristige Preisstabilität das Maß aller Dinge bleibe - und nicht etwa Rettungsmaßnahmen in der Schuldenkrise. Die Bürger im Währungsgebiet sollen sich auf stabile Preise verlassen können.

Von der Zinswende haben die

Verbraucher

bereits profitiert. Erstmals in ihrer Geschichte legt die EZB vor der US-Notenbank ihr Ruder herum. Das verschafft dem Euro zum Dollar weiteren Auftrieb, weil Geldanlagen in Europa attraktiver werden. Seit Mitte Februar stieg der Euro-Kurs von 1,35 auf rund 1,42 Dollar. Das dämpft den Preisanstieg der in Dollar abgerechneten Rohstoffe wie Rohöl oder Nahrungsmittel.

Verlierer:

Allerdings bedeutet ein stärkerer Euro auch, dass sich die Exporte europäischer Unternehmen in den Rest der Welt verteuern. Rees zufolge würde dieser Effekt allerdings nur zu ernsten Verwerfungen führen, wenn der Euro wegen der US-Geldpolitik kräftig in die Höhe schießt, was für 2011 unwahrscheinlich sei.

Mit höheren Leitzinsen steigen auch die Belastungen für die

Öffentlichen Haushalte

in der Euro-Zone. Das trifft vor allem die Euro-Länder, die wegen ihrer hohen Schuldenstände in Nöte geraten sind. Hier wirkt aber auch ein gegenteiliger Effekt: Werden die Inflationserwartungen durch Zinserhöhungen reduziert, dämpft das tendenziell auch die nominalen Kapitalmarktzinsen.

Auf jeden Fall belastet werden

Häuslebauer

, die kurzfristige Kredite aufgenommen haben. Ausgerechnet in den Euro-Ländern mit Problemen im Immobiliensektor liegt ihr Anteil sehr hoch: In Portugal laufen 99 Prozent der Immobilienkredite mit einer nur einjährigen Zinsbindung, in Spanien 90, in Irland 67 Prozent. In Deutschland und Frankreich sind es weniger als 20 Prozent.

joe/Reuters Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker