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Meldungen: T-Online verschwindet von der Börse

Bittere Pille für T-Online-Aktionäre der ersten Stunde: Die Telekom will ihre Internet-Tochter nach dreieinhalb Jahren wieder von der Börse nehmen. Für die Aktie werden nur 8,99 Euro geboten.

Die Anteilseigner sollen die Wahl zwischen einem Umtausch in Telekom-Aktien oder einer Barabfindung von 8,99 Euro je T-Online-Aktie haben, teilte das Unternehmen am Samstag mit. Die Verschmelzung solle voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2005 wirksam werden. Die T-Online-Aktie war im Frühjahr 2000 zu einem Ausgabepreis von 27 Euro an die Börse gebracht worden. Die Deutsche Telekom hält dennoch an ihren Dividendenplänen fest. Der Konzern wolle weiterhin eine "attraktive Dividende" für das Geschäftsjahr 2004 zahlen, sagte Vorstandschef Kai-Uwe Ricke am Samstag in Bonn.

Aktionärsschützer raten ab

Das Angebot der Telekom an die Aktionäre von T- Online von 8,99 Euro je Anteilsschein ist aus Sicht von Aktionärsschützern unzureichend. "Diese Offerte ist absolut inakzeptabel", so der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, am Samstag. Die T-Online-Aktionäre sollten abwarten, bis die Telekom bei der geplanten Verschmelzung ein weiteres Angebot vorlege. Die Chancen auf einen höheren Preis stünden dann wesentlich besser.

Die Telekom hält derzeit 73,9 Prozent an ihrer Online-Tochter, die der größte europäische Internetanbieter ist. Weitere 20,4 Prozent liegen im Streubesitz und ein Paket von 5,7 Prozent gehört der französischen Lagardère-Gruppe. Über eine Einverleibung von T-Online war bereits seit Monaten spekuliert worden. Die Festnetzsparte und der Internet-Bereich waren wiederholt in Konkurrenz zu einander getreten, beispielsweise beim Vertrieb von Multimedia-Inhalten. Nach dem Rücktritt von T-Online-Chef Thomas Holtrop im September galt eine Reintegration in der Branche bereits als entschiedene Sache. Das neue Geschäftsfeld Breitband/Festnetz soll von Ex-IBM-Manager Walter Raizner geführt werden.

T-Online: Europas größter Internetanbieter

Für T-Online-Aktionäre der ersten Stunde wird der angekündigte Rückkauf der Anteile ein bitteres Verlustgeschäft werden. Zum Ausgabepreis von 27 Euro kam die Aktie im Frühjahr 2000 auf den Markt, nur noch 8,99 Euro bietet die Telekom auf dem Marktniveau vom Freitag nun an. Dabei zieht das Geschäft bei Europas größtem Internetanbieter an. Die Zahl der zukunftsweisenden DSL-Breitbandschlüsse schoss auf 5 Millionen von 2,9 Millionen erst zur Jahresmitte hoch. Beim Umsatz und operativem Ergebnis verbuchte die Telekom-Tochter im ersten Halbjahr stattliche Zuwächse.

13,3 Millionen Kunden hatten die Bonner Mitte dieses Jahres. Der Halbjahresumsatz stieg um mehr als 100 Millionen auf 998,2 Millionen Euro an. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sprang auf 248,3 Millionen Euro von 153,6 Millionen ein Jahr zuvor. Das Geschäft liegt zu fast 90 Prozent in Deutschland.

Bei der Platzierung der 114 Millionen Aktien erlöste die Telekom im April 2000 3,3 Milliarden Euro. Auf dem Höhepunkt der Internet-Euphorie erreichte das Papier wenig später einen Spitzenkurs von 48 Euro. Nach dem Platzen der New-Economy-Blase rutschte die Notierung jedoch rapide ab und erreichte einen Tiefpunkt im Herbst 2001 mit weniger als 5 Euro. (DPA)