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Musikbranche: BMG testet CD für 9,99 Euro

Um den Absatz anzukurbeln bringt Bertelsmanns Musiksparte demnächst CDs für 9,99 Euro auf den Markt. Die Billigversion wird kein Cover haben und aus der CD mit den direkt darauf gedruckten Titeln bestehen.

Das sagte der für Deutschland zuständige BMG-Manager Maarten Steinkamp dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Das ist unsere Antipiraterie-CD". Daneben werde es die gewöhnliche CD wie bisher für 12,99 Euro geben und eine Luxusausgabe für 17,99 Euro mit DVD-Zugaben und anderen Extras. Das Drei-Klassen-System soll versuchsweise im August starten.

Billigpreise um Verkäufe zu steigern

Auch die Preise für ältere CDs werden von mindestens 16,99 auf 12,99 Euro gesenkt. Die Verkäufe sollen durch die Änderungen um bis zu ein Viertel steigen. "Wir müssen endlich kundenfreundlich werden und den Musikfans eine breite Auswahl bieten", sagte Steinkamp.

Es wäre die zweite Aktion dieser Art in der Musikbranche. Im vergangenen Herbst senkte Marktführer Universal Music die CD-Preise in den USA. Der empfohlene Verkaufspreis wurde um 30 Prozent auf 12,98 Dollar (derzeit 10,55 Euro) reduziert. Eine spürbare Belebung blieb jedoch aus.

Online-Vertrieb überholte 'noramlen' Verklauf

Ein Grund dafür ist auch die weiterhin boomende Internet-Piraterie. Allerdings gewinnen auch die legalen Angebote im Netz an Bedeutung. Der Marktführer, der Online-Shop iTunes des Computerkonzerns Apple, hat nach guten einem Jahr bereits mehr als 95 Millionen Songs verkauft. In der ersten Woche nach dem Europa-Start Mitte Juni setzte iTunes in Deutschland 250.000 Titel zum Preis von je 0,99 Euro ab und 800.000 Musikstücke in Europa.

Da andere deutsche Internet-Anbieter pro Woche rund 80.000 Titel im Internet verkauften, habe der Online-Vertrieb damit den Verkauf von CD-Singles überholt, rechnete der "Spiegel" vor. 320.000 heruntergeladenen Songs hätten in der Woche 312.000 verkaufte Singles gegenübergestanden. Im vergangenen Jahr waren in Deutschland 23,8 Millionen CD-Singles verkauft worden nach 34,7 Millionen Stück 2002.

Tonträgerabsatz sinkt immer weiter

Der Umsatz der deutschen Musikindustrie war 2003 um 19,8 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro eingebrochen. Der Absatz von Tonträgern sank deutlich auf 183,2 Millionen Stück, während die Zahl der mit Musik bespielten CD-Rohlinge einer Studie zufolge um ein Viertel auf 325 Millionen zulegte.

Die Bertelsmann Music Group (BMG) steht vor der Fusion mit der Musiksparte des japanischen Sony-Konzerns. Die EU-Kommission will das Zusammengehen nach Informationen aus Brüssel trotz anfänglicher Bedenken billigen. Sony und BMG würden zusammen direkt zu Universal Music aufschließen. (dpa)

DPA