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ONLINE: Auch beim Online-Kauf Vernunft bewahren

Die wichtigsten Regeln sind: Nicht auf Vorkasse einlassen, wenn möglich ein Treuhandkonto nutzen und immer erst die Seriosität und den Ruf des Händlers checken.

Alle zwei Sekunden wechselt ein Videospiel den Besitzer, alle 20 Sekunden eine Kamera, alle drei Minuten ein Diamant-Schmuckstück, jede Viertelstunde ein Motorrad: Bei Ebay, dem weltweit größten Handelsplatz und Auktionshaus im Internet, brummt das Geschäft. Von Rezession oder Kaufzurückhaltung keine Spur. Auch immer mehr Bundesbürger stürzen sich in den Online-Kaufrausch.

Deutliche Zuwächse

Trauten sich im April 2000 erst 766.000 Nutzer, auf der deutschen Ebay-Plattform mitzusteigern, mischten im Juni dieses Jahres schon knapp neun Millionen mit, wie Joachim Guentert, Sprecher des deutschen Firmenablegers stolz berichtet.

Gesunden Menschenverstand behalten

Bombengeschäfte im Online-Handel wittern mittlerweile allerdings auch Trickser und Betrüger. Obwohl kein Nutzer vor schwarzen Schafen sicher ist, machen Millionen Menschen offenbar sorglos mit. Dabei wäre Vorsicht angebracht. »Bei uns landen zunehmend Beschwerden von Käufern, die brav zahlten, aber ihre Ware nicht kriegten«, berichtet Markus Saller, Jurist der bayerischen Verbraucherzentrale. Der Großteil der Online-Geschäfte laufe zwar ohne größere Beanstandungen ab, hat der Verbraucherschützer den Eindruck. Allerdings sollte man nie die Vernunft außen vor lassen, so Sallers Rat.

Nicht blind mitbieten

Dazu gehört, sich nicht blind aufs Bieten zu stürzen. Ein Verkäufer gehört immer gecheckt, vor allem wenn dahinter eine Firma steckt. Sallers Tipp: Ihn anmailen, Fragen zu Ware oder Versand stellen, möglichst viele Daten wie Adresse, Telefonnummer und ähnliches in Erfahrung bringen. Blockt die Gegenseite ab, lässt man lieber die Finger davon. Orientierung bieten auch die Bewertungen anderer Käufer. Hat der Verkäufer schon viel Lob gekriegt, klingt das nicht schlecht. Eine Garantie auf ein seriöses Geschäft ist das aber auch nicht, wie Finanztest in Berlin meint.

Nie 'Ware gegen Vorkasse'

Je teurer die Ware, desto stärker sollte der Käufer auf Nummer sicher gehen. Von dem Prinzip »Ware nur gegen Vorkasse« raten Verbraucherschützer wie auch Ebay selbst ab. »Zu gefährlich«, meint Saller. Eine hohe Anzahlung wiederzukriegen, sei fast ein Ding der Unmöglichkeit. Auch Überweisungen an die unbekannte Gegenseite sind keine perfekte Lösung. Für »Finanztest« ist nicht einmal der Versand gegen Nachnahme optimal.

Treuhandkonto ist bombensicher

Der Ausweg: Ein Treuhandkonto, das nicht nur vom Marktführer Ebay, sondern auch von den rund 50 weiteren kleinen Auktionshäusern angeboten wird - allerdings gegen Gebühr. Das geht dann so: Der Käufer überweist an den zwischengeschalteten Treuhänder. Der informiert den Verkäufer über den Geldeingang. Dann geht die Ware auf die Reise. Erst nach Erhalt wird das Geld freigegeben. »Das ist wirklich sicher«, betont Saller. Leider machen längst nicht alle Verkäufer mit.

Achtung beim Verkaufstext

Bekomme der Käufer falsche oder defekte Ware ins Haus, heißt es nachschauen. Hat der Verkäufer in der Artikelbeschreibung die Gewährleistung nicht ausgeschlossen, muss er für Mängel gerade stehen. Das gilt auch für Geschäfte von privat an privat. Deshalb ist es für Käufer wichtig, den Angebotstext der Auktion ausgedruckt zu haben. Ist eine Kamera von vornherein als »ein bisschen defekt« beschrieben, sollte man niemals kaufen.