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Postbank: Optimistischer Ausblick bei solidem Ergebnis

Die Postbank hat im zweiten Quartal 2004 dank höherer Überschüsse im Zins- und Handelsgeschäft insgesamt etwas mehr verdient und damit die Analystenprognosen knapp übertroffen.

Die Bank werde 2004 ihren Vorsteuergewinn mindestens um 15 Prozent steigern, sagte Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann am Montag in Frankfurt zur Vorlage des Zwischenberichts.

Zahlen etwas über dem Auftaktquartal

Der Gewinn nach Steuern stieg den Angaben zufolge im zweiten Quartal auf 95 (Q1: 92) Millionen Euro. Zwölf von Reuters befragte Analysten hatten von dem Börsenneuling, der seit dem 23. Juni gelistet ist und im September in den Nebenwerte-Index MDax aufsteigen dürfte, unter dem Strich 91 Millionen Euro erwartet. Auch beim Gewinn vor Steuern lag Deutschlands größte Filialbank mit 146 (Q1: 143) Millionen Euro etwas über dem Auftaktquartal und den Prognosen. Der Zinsüberschuss als wichtigster operativer Ertragsblock legte um 4,4 Prozent zu auf 380 Millionen Euro.

Schimmelmann gab einen optimistischen Ergebnisausblick für das Gesamtjahr: Er erwarte angesichts der Halbjahreszahlen, des wachsenden Kundengeschäfts sowie der planmäßigen Entwicklung in der Sparte Zahlungsverkehrsabwicklung für 2004 insgesamt einen Anstieg beim Vorsteuerergebnis von mindestens 15 Prozent. 2003 hatte die Bank vor Steuern 497 Millionen Euro verdient. Damit peilt die Banktochter der Deutschen Post in diesem Jahr rund 570 Millionen Euro vor Steuern an. Angesichts der vergleichsweise niedrigen Marktkapitalisierung wird die Postbank sich zunächst mit der im September erwarteten Aufnahme in den MDax begnügen und hat wenig Ambitionen auf die erste Liga - den Dax. "Die Dax-Aufnahme ist sicher in diesem und im nächsten Jahr nicht ganz vorne auf der Agenda."

"Solide, aber nicht herausragend"

Analysten sprachen von einem soliden, aber keinem herausragenden Ergebnis. "Dieser Ausblick für 2004 ist machbar. Jetzt geht es für die Postbank aber eher darum, den Markt durch ein stärkeres operatives Geschäft positiv zu überraschen", sagte Metehan Sen, Bankenanalyst von Sal. Oppenheim. Kritischer äußerte sich Kepler-Analyst Dirk Becker: "Es ist etwas über den Erwartungen, aber nicht so ein großartiges Ergebnis. Das Privatkundengeschäft hat sich gut entwickelt, aber das übergeordnete Bild ist nicht so gut wie wir gehofft hatten." Der Ergebnisanstieg gehe vor allem auf das zum ersten Quartal auf 86 Millionen Euro mehr als verdoppelte Handelsergebnis zurück. Bankchef Schimmelmann sagte, der Anstieg im Handelsgeschäft komme aus Kurssicherungsgeschäften für Zinsgeschäfte, sei also nicht auf den klassischen Eigenhandel zurück zu führen.

Die Risikovorsorge für faule Kredite betrug wie schon im Vorquartal 41 Millionen Euro. Der Verwaltungsaufwand habe um 3,9 Prozent zugelegt, vor allem bedingt durch Integrationskosten bei der Übernahme des Zahlungsverkehrs für die Dresdner Bank.

Ausbau des Geschäftsfeldes Transaction Banking

Das Abwicklungsgeschäftsfeld Transaction Banking soll den Bonnern neben der Dresdner und der Deutschen Bank weitere prominente Kunden bringen. "Heute sind wir so weit, dass wir in konkrete Gespräche eintreten können. Da solche Verhandlungen immer sechs bis neun Monate dauern, ist aber nicht mehr in diesem Jahr mit einem Abschluss zu rechnen", sagte IT-Vorstand Dirk Berensmann. Die Postbank sieht ihre Kunden dabei auch im genossenschaftlichen Sektor und bei den Sparkassen. Zum Halbjahr wies der Bereich Transaction Banking einen Vorsteuergewinn von zwei Millionen aus. Für 2006 rechnet Berensmann mit einem Vorsteuerergebnis beim Transaction Banking von 30 bis 35 Millionen Euro.

Die für die Anleger wichtige Eigenkapitalrendite solle vor Steuern bis 2006 auf 15 Prozent steigen. Im zweiten Quartal betrug diese Kennzahl 13,5 (Q1:11,7) Prozent. Die Aktie der Postbank lag gegen Mittag unverändert bei 28,53 Euro. Sie war zu 28,50 Euro an die Börse gekommen.

Mirko Wollrab, Reuters / DPA / Reuters