Private Finanzierungsgesellschaften Geschäfte mit Heuschrecken


Private Finanzierungsgesellschaften versprechen 20 bis 30 Prozent Rendite pro Jahr. Ein unmoralisches Angebot?

Manchmal ist SPD-Parteichef Franz Müntefering ein Freund von halben Wahrheiten: In einem internen Strategiepapier "Marktradikalismus statt sozialer Marktwirtschaft - wie Private-Equity-Gesellschaften Unternehmen verwerten" liefert "der Franz" seinen Parteigenossen Wahlkampfmunition. An erster Stelle geht es darin um den Fall Siemens-Nixdorf. Der Siemens-Konzern verkaufte den Hersteller von Geldautomaten 1999 für 700 Millionen Euro an die US-Beteiligungsgesellschaft KKR und die US-Investmentbank Goldman Sachs. Im vergangenen Jahr brachten die Amerikaner das Unternehmen als Wincor Nixdorf an die Börse. Die "Heuschrecken" (Müntefering) machten binnen fünf Jahren rund 100 Prozent Profit.

Was im SPD-Papier nicht steht: KKR und Goldman Sachs haben bei Nixdorf 2300 neue Arbeitsplätze geschaffen, davon 1126 in Deutschland. Vom stern aufs SPD-Papier und Nixdorf angesprochen, wich Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement aus und sagte: "Es sind Finanzinvestoren unterwegs, die sind allein auf die Ausbeutung betrieblicher Vermögen aus." Finanzierungsgesellschaften versprechen ihren Geldgebern eine jährliche (!) Rendite von 20 bis 30 Prozent. Rund 3,7 Milliarden Euro Eigenkapital haben sie im vergangenen Jahr in deutsche Unternehmen investiert. Und viele Anleger, die ihr Geld in Aktien oder Fonds stecken, fragen: Welche Möglichkeit gibt es, in Firmenbeteiligungen zu investieren?

Verschiedene Emissionshäuser bieten spezielle Fonds an, die das Geld in so genanntem Private Equity (privatem Vermögen) anlegen. Im Einzelfall geht dies auch mit kleineren Beträgen. So ist bei der RWB AG in Oberhaching bei München ein Einstieg ab 2000 Euro möglich. Die Hamburger MPC Capital AG bietet einen Sparplan ab 100 Euro im Monat an, der über zehn Jahre läuft. In beiden Fällen handelt es sich um Dachfonds, die in bis zu 25 einzelne Private-Equity-Fonds investieren und das Risiko streuen. Anleger sollten aber beachten: Die Fonds unterliegen nicht der staatlichen Aufsicht, und das Kapital ist für zehn Jahre festgelegt. Die investierte Summe sollte nicht mehr als zehn Prozent des gesamten Kapitalvermögens betragen.

Ein Mitspracherecht, in welche Unternehmen die Finanzierungsgesellschaften ihr Geld stecken, haben die Anleger nicht. Im besten Fall ist man bei einer Erfolgsstory wie Siemens-Nixdorf dabei, die sich sowohl für Geldgeber als auch für die Arbeitnehmer auszahlt.

Joachim Reuter print

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