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Pro: Die Masse macht's

Stern.de-Redakteur Gernot Kramper ist Familienvater und hat im Laufe der Zeit seine Zuneigung zu No-Name-Produkten entdeckt.

Singles, die sich täglich in der Kantine und beim Italiener verköstigen lassen, müssen nicht weiterlesen. Wer sich handverlesene und ausgesuchte Aufschnittscheibchen - »Geben Sie mir doch noch eine von diesen. Aber hauchzart geschnitten!« ins Körbchen legen lässt, dem würde ohnehin am Steuer seines Discounter-Kübel-Wagens der horror vacui befallen. Nichts als Gitterstäbe und eine Flasche Pro-Secco, wahrhaft ein trauriger Anblick.

Wer aber nach einem Wochenendeinkauf die zulässige Achslast des Pkws in den Grenzbereich shopt, der lebt bei Aldi und Co. richtig auf. Nie gab es mehr für den (T)Euro. Es kommt eben auch auf die reine Masse an.

Bekehrung im Wäschekeller

An Weisheiten wie, »mein Kuchen gelingt nur mit Backpulver von Dr. Oetker und Aurora-Mehl« glaubt heutzutage niemand mehr. Die Zeiten, in denen man mit Nährmittel-Marken die Nachbarin beeindrucken konnte, sind nicht nur bei mir, sondern selbst in der Werbung vorbei. Mein persönliches Saulus-Paulus-Erlebnis vom Markenartikler zum No-Name-Konsumenten? Mich ereilte es im Wäschekeller.

Jahrelang kamen nur die Mega-Perlen für den Hausmann in die Schütte der Miele-Maschine, zusätzlich der gute, aber nicht eben preiswerten Wäsche-Conditioner. Dafür strahlte die Wäsche auch. Seit einem Jahr stelle ich fest, Tandil wäscht auch weiß, weißer geht es nicht. Und das für den halben Preis.

Entenbrust statt Schweinenacken

Mehl, Butter, Zucker, Milch, Toilettpapier, Wisch- und Waschtücher - da stapeln sich schon ein paar Kilo im Wagen. Und mit jedem Griff ins Regal wird tüchtig gespart, so macht das Einkaufen wieder Freude.

Noch werden Discount-Gourmets belächelt, aber auch auf der Genussseite fällt die Rechnung eindeutig aus: Entenbrust zu einem Preis für den es sonst nur Schweine-Nacken gibt. Mehr muss man dazu nicht sagen. Niemand soll gehindert werden mit Öko-Quark und Bio-Kartoffeln ein festliches Mahl zu bestreiten, mir gefällt ein Abend mit Wildlachs aus Alaska und einem Glas Chardonnay irgendwie besser.

Trotz des übersichtlichen Discounter-Sortiments kommt keine Langeweile auf. Für Spannung sorgen die wöchentliche Shopping-Überraschung. Zugegeben Herren-Sandalen und Beutel-Jeans treffen auch meinen Geschmack nicht, aber Angebote wie grundsolide Gartenschläuche oder kuschelige Lama-Decken lassen mich freudig zupacken.

Ob es Grenzen beim Sparen gibt? Aber sicher! Hundefutter vom Aldi würde ich nie kaufen, da ist das Teuerste gerade gut genug.

Gernot Kramper
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