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Stern Logo Ratgeber Kreuzfahrten - Die besten Schiffe

Kleine Kreuzfahrtschiffe: Hier bekommen Sie Klasse statt Masse

Immer größer werden die Neubauten, die mit 6000 Passagieren durch die Weltmeere kreuzen. Gegen diesen Trend steuern kleine Kreuzfahrtschiffe an. Wir stellen Schiffe für Individualisten vor.

Von Till Bartels

Der Pauschalurlaub auf dem Wasser ist zum Massengeschäft geworden. Neue Kreuzfahrtschiffe haben ein Fassungsvermögen für mehrere Tausend Gäste. So gehen bei der "Costa Diadema" bis zu 4947 Passagiere an Bord und bei der "Harmony of the Seas" bis zu 6360 Menschen.

Ein persönlicher Service ist unter diesen Rahmenbedingungen kaum noch möglich. Eine ganz andere Atmosphäre herrscht dagegen an Bord kleiner Schiffe. Hier kennt schon am zweiten Tag die Crew Ihren Namen und spricht jeden persönlich an. Viele der kleineren Schiffe, die weniger als 500 Passagiere mitnehmen, sind für deutsche Reedereien unterwegs. Zu den kleinen, aber feinen Schiffen gehören auch Segelschiffe, die ein wahres Seereise-Erlebnis ermöglichen.

"MS Bremen"

Die "MS Bremen" gilt als der Gegenentwurf zu einem Spaßdampfer mit unentwegtem Animationsprogramm. Das Herz des kleinsten Schiffes von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten ist die Club Lounge. Dort halten Lektoren, die die Reisen begleiten, ihre Vorträge vor einem wissbegierigen Publikum. Das Publikum legt auch weniger Wert auf den Dresscode, sondern die neugierige Gemeinschaft von Weltentdeckern steigt gerne in die zwölf Schlauchboote, um ganz nah an der Natur zu sein, sei es auf dem Oberlauf des Amazonas oder in den einsamen Buchten der Antarktis. Zu den Fahrgebieten des Schiffes, das über die höchste Eisklasse verfügt, gehören neben den Polarregionen auch die Nordostpassage - geplant für das Jahr 2015 - und die großen Ströme Südamerikas.

Fakten: Länge: 110 Meter, BRZ: 6752, Passagiere: 164, Preis pro Nacht: 290 bis 1157 Euro, www.hl-kreuzfahrten.de

"MS Hamburg"

Die ehemalige "MS Columbus" von Hapag-Lloyd ist seit zwei Jahren als "Hamburg" für Plantours Kreuzfahrten in Bremen im Einsatz und bietet den Passagieren ein klassisches Kreuzfahrtprogramm wie Reisen durch Norwegens Fjorde und im Spätsommer während des Indian Summer durch die großen Seen Nordamerikas. Aufgrund der kleinen Größe passt die "MS Hamburg" durch das Schleusensystem des St.-Lorenz-Stroms. Ende des Jahres schippert das 1997 gebaute Kreuzfahrtschiff in Südamerika den Amazonas und Orinoco hinauf.

Fakten: Länge: 144 Meter, BRZ: 14.903, Passagiere: 400, Preis pro Nacht: 160 bis 699 Euro, www.plantours-partner.de

"SeaDream I"

Bei den SeaDream-Schiffen kommt knapp ein Besatzungsmitglied auf einen Passagier - bei diesem Verhältnis von Crew und Gästen fühlt man sich bestens aufgehoben. Das überwiegend amerikanische Publikum gibt sich locker, viele Mitarbeiterinnen kommen aus Indonesien und verleihen dem Schiff asiatisches Flair, obwohl der Schiffseigner ein Norweger ist. Einmalig sind die weißen balinesischen Betten an Deck, die ein Schlafen unter freiem Himmel ermöglichen. Im Sommer sind die "SeaDream I" und "SeaDream II" auch im Mittelmeer und Nordmeer unterwegs, in den Wintermonaten geht es durch die karibische Inselwelt.

Fakten: Länge: 104,85 Meter, BRZ: 4260, Passagiere: 112, Preis pro Nacht: 188 bis 1880 Euro, www.seadream.de

"Le Boréal"

Die drei baugleichen Schiffe "Le Boréal", "L'Austral" und "Le Soléal" der französischen Reederei Compagnie du Ponant sehen nicht aus wie Kreuzfahrtschiffe, sondern eher wie durchgestylte Privatyachten. Besonderheit der erst in den letzten Jahren in Dienst gestellten Designer-Schiffe: Fast alle der 132 Kabinen haben einen eigenen Balkon und im Heck eine Plattform knapp über dem Meeresspiegel - ideal zum Reinspringen, wenn das Schiff in warmen Gewässern ankert. Die Swarovski-Kristalltropfen im Atrium und Eingangsbereich und die Kunstwerke der Eignerin an den Wänden im Treppenhaus der "Le Boréal" sind Geschmackssache, für das Auge angenehm ist jedoch die Farbgebung in Grau, Beige und warmen Rottönen im gesamten Schiff. Der Service gibt sich locker bis nachlässig, das Publikum international: Nach den Franzosen gehören viele Deutsche zu den Stammkunden. Die Reisen der Ponant-Flotte führen im Sommer unter anderem ins Mittelmeer, nach Grönland, Neuengland und durch die Nordwestpassage; im Winter wird mit maximal 200 Gästen die Antarktis angesteuert.

Fakten: Länge: 122,1 Meter, BRZ: 10.944, Passagiere: 264, Preis pro Nacht: 295 bis 1895 Euro, www.ponant.com

"MS Hanseatic"

Die etwas größere Schwesternschiff der Hamburger Traditionsrederei bezeichnet der Berlitz Cruise Guide als weltweit einziges Expeditionsschiff mit fünf Sternen. Auf hohem Niveau stoßen die Passagiere mit dem in den letzten Jahren mehrmals in den Kabinen und öffentlichen Bereichen modernisiertem Schiff in entlegen Regionen der Erde vor, wie zum Beispiel das Ochotskische Meer, Kamtschatka und Alaska mit der Nordostpassage, die die "MS Hanseatic" als erstes nichtrussisches Schiff im August 2014 befuhr.

Fakten: Länge: 122,8 Meter, BRZ 8378, Passagiere: 194, Preis pro Nacht: 334 bis 1721 Euro, www.hl-kreuzfahrten.de

"Seabourn Quest"

Auf Kaviarkurs befinden sich die Schiffe der in Miami beheimateten Seabourn Cruise Line: Die Reederei hat den Bereich der "Ultra-Luxus-Kreuzfahrten" ins Leben gerufen - mit Butler-Service, personalisiertem Briefpapier und Balkonkabinen ab 27 Quadratmetern Größe. Die baugleichen Schwesternschiffe "Sojourn" und "Odyssey" wurden ebenfalls auf der Mariotti-Werft in Genua zwischen 2009 und 2011 gebaut. Die Materialien im Interieur der Edelschiffe bestehen aus Marmor, Alabaster, Granit und Harthölzern. Das Hauptrestaurant erstreckt sich sogar über zwei Decks und wirkt fast schon zu groß für ein kleines Kreuzfahrtschiff.

Fakten: Länge: 198 Meter, BRZ: 32.000, Passagiere: 450, Preis pro Nacht: 227 bis 5295 Euro, www.seabourn.com

"Sea Cloud II"

Seit dem Jahre 2001 segelt die als Kreuzfahrtschiff in Spanien gebaute Bark der Hamburger Reederei Sea Cloud Cruises über die Meere - auf höchstem Niveau. Die 47 Kabinen zwischen zwölf und 23 Quadratmeter haben Bullaugen, edle Marmorbäder mit zum Teil vergoldeten Wasserhähne. Statt eines Pools an Deck gibt es eine ausklappbare Badeplattform, dem Ausgangspunkt für Wassersport. Am schönsten ist die Reise unter vollen Segeln, wenn die Crew die Wanten hinaufklettert und die Segel setzt. Dann treibt der Wind die "Sea Cloud II" an, wobei die Takelage leise knarzt und das Wasser rauscht. Zu den beliebten Reisen des Windjammers gehören auch die gut 14-tägigen Transatlantikpassagen im Spätherbst.

Fakten: Länge: 105,9 Meter , BRZ: 3849, Passagiere: 96, Preis pro Nacht: 272 bis 1247 Euro, www.seacloud.com

"Royal Clipper"

Der Fünfmaster des schwedischen Eigners und Unternehmers Mikael Krafft gilt als das größte Segelschiff der Welt. 2001 wurde der Segler von Königin Silvia von Schweden getauft. Die mehr als 227 Passagiere schätzen das Dahingleiten ohne Motorkraft. Während der Sommermonate kreuzt der Segler, dessen Kabinen ebenso wie die der kleineren Schwesternschiffe "Star Clipper" und "Star Flyer" für die Sommersaison 2014 modernisiert wurden, mit seinem eindrucksvollen Atrium durch das westliche Mittelmeer. Im Winter geht’s nach Barbados in die Karibik. Besonderheiten sind der gläserne Boden des Pools und die Heckklappe - eine Schnorchelausrüstung kann an Bord umsonst geliehen werden. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist gut.

Fakten: Länge: 134 Meter, BRZ: 5000, Passagiere: 227, Preis pro Nacht: 94 bis 896 Euro, www.starclippers.com