Ratgeber Einfach mal ausschalten!


Wer das Klima retten will, kann im eigenen Haushalt anfangen. Bei Elektrogeräten lassen sich bis zu 20 Prozent Strom einsparen. Das bringt nicht nur ein gutes Gewissen, sondern bares Geld.
Von Catrin Boldebuck, Elke Schulze

Wissen Sie, wie viel Strom Ihr Herd verbraucht, wenn Sie einmal Mittagessen kochen, oder der Fernseher, der jeden Abend läuft? Auch wenn neue Geräte immer energieeffizienter werden: Ihre Anzahl nimmt stetig zu und damit auch der Energieverbrauch. Von 2001 bis 2005 stieg der Stromverbrauch in den privaten Haushalten von 131 auf 142 Milliarden Kilowattstunden an. Dabei geht es auch anders: Die meisten Sparmaßnahmen haben wenig mit Verzicht zu tun. Es genügt, die Energie besser zu nutzen. Und echte "Stromfresser" zu eliminieren.

So berechnen Sie den Verbrauch

So rechnen Sie den Jahresstromverbrauch ganz leicht selbst aus: Auf jedem Gerät steht (meist auf der Rückseite) die Leistungsaufnahme in Watt (W). Multiplizieren Sie den Wert mit den täglichen Betriebsstunden (h) und den benutzten Tagen im Jahr (oder einfach mal 365) und teilen dann durch 1000: Heraus kommt der jährliche Kilowattstundenverbrauch. Eine Kilowattstunde (kWh) kostet rund 20 Cent.

Beispiel:

Täglich eine Viertelstunde lang Haare föhnen: 800 W mal 0,25 h mal 365 : 1000 = 73 kWh Beispiel: Mit einem großen LCD-Fernseher täglich drei Stunden gucken: 250 W mal 3 h mal 365 : 1000 = 274 kWh

Beispiel:

Jede Woche zweimal eine halbe Stunde lang Staub saugen: 2200 W mal 0,5 h mal 104 : 1000 = 114 kWh

Beispiel:

Täglich eine Ladung Geschirr spülen: 1,1 kWh mal 365 = 402 kWh

Herd

Verwenden Sie Töpfe und Pfannen mit guter Wärmeübertragung, zum Beispiel Edelstahl mit Kupfer- oder Aluminiumkompensboden ("Sandwichboden"). Der Durchmesser sollte nicht kleiner als die Herdplatte sein, sonst werden bis zu 20 Prozent Energie verheizt. Beim Kochen Deckel drauf! Für das Kochen ohne Deckel brauchen Sie die dreifache Menge an Energie. Und schalten Sie die Temperatur rechtzeitig runter, nutzen Sie die Restwärme zum Kochen und Braten.

Backofen

Heizen Sie den Backofen nur vor, wenn es unbedingt erforderlich ist, zum Beispiel bei Brot, Blätterteig oder Biskuit. Stellen Sie den Kuchenteig ansonsten in den kalten Ofen - das spart bis zu 20 Prozent Energie. Schalten Sie auf Umluft statt Ober- und Unterhitze, das senkt Ihren Energieverbrauch zusätzlich, denn bei gleicher Back- oder Gardauer können Sie eine 20 bis 25 Grad niedrigere Temperatur wählen. Nutzen Sie den Backofen nur, wenn es sich wirklich lohnt, also wenn Sie Kuchen oder einen großen Braten backen wollen. Wenn Sie Brötchen auf dem Toaster statt im Backofen aufbacken, sparen Sie bis zu 70 Prozent Energie.

Haushaltsgeräte

Viele "kleine Helfer" in der Küche sind überflüssig, etwa elektrische Dosenöffner oder Eierkocher. Sinnvoll dagegen sind Kaffeemaschinen und Heißwasser-Kochgeräte.

Kühlschrank

Die optimale Temperatur liegt bei sieben Grad. Jedes Grad kälter verbraucht zusätzlichen Strom. Wenn Sie ein Gefriergerät haben: Verzichten Sie auf ein Sterne-Fach im Kühlschrank. Sie können dadurch bis zu 20 Prozent Strom sparen. Denn je mehr Sterne ein Gefrierfach hat, desto höher ist der Energieverbrauch. Ein Zwei-Sterne-Kühlschrank verbraucht bis zu 20 Prozent mehr Strom als ein gleich großer Kühlschrank ohne Gefrierfach. Das Gerät sollte regelmäßig abgetaut werden, ab einer Eisschicht von einem Zentimeter steigen die Energiekosten unnötig. Auch das Ausschalten während des Urlaubs lohnt sich.

Gefriergerät

Minus 18 Grad reichen völlig aus. Gefriertruhen verbrauchen wegen ihrer besseren Dämmung und günstigeren Bauform circa 20 Prozent weniger Strom als Gefrierschränke. Sie sollten immer mindestens zu zwei Dritteln gefüllt sein, damit es sich lohnt, sie das ganze Jahr über an der Steckdose hängen zu lassen. Wenn die Tiefkühltruhe zur Hälfte leer ist, muss nach jedem Öffnen eine Menge Luft in der Truhe neu gekühlt werden. Und ein großes Gerät spart mehr Energie als zwei kleine. Kühl- und Gefriergeräte sollten nicht neben der Heizung oder dem Backofen stehen, je niedriger die Umgebungstemperatur, desto geringer der Stromverbrauch.

Geschirrspülmaschine

Abwaschen schont vielleicht ihre guten Gläser, aber es kostet Strom, Wasser und Zeit. Während Sie für 140 Geschirrteile 40 Liter Wasser und zwei Kilowattstunden Strom verbrauchen, braucht Ihre Spülmaschine nur 10 Liter Wasser und 1,05 Kilowattstunden Strom. Beladen Sie die Maschine immer vollständig, spülen Sie das Geschirr vorher nicht ab, und nutzen Sie das 50-Grad-Programm. Das spart gegenüber dem 60-Grad-Programm bis zu 30 Prozent Strom.

Waschmaschine

Ohne Vorwäsche verbraucht Ihre Maschine bis zu 20 Prozent weniger Strom und Wasser. Gehen Sie runter mit der Temperatur: Kochwäsche benötigt bis zu zweimal so viel Strom wie 60-Grad-Wäsche. Für die normal verschmutzte Wäsche reichen 30- bis 40-Grad-Programme. Füllen Sie Ihre Waschmaschine immer ganz voll. Das Energiesparprogramm reduziert Ihren Stromverbrauch um bis zu 40 Prozent. Auch beim Trocknen können Sie viel für die Umwelt tun: Die Wäscheleine in der Sonne ist der beste Trockner. Eine vierköpfige Familie spart dadurch 480 Kilowattstunden Strom pro Jahr - etwa 100 Euro im Jahr!

Fernseher, Stereo-Anlage oder Fax

Gönnen Sie Ihren Geräten mal eine Pause, denn auch im Stand-by-Betrieb verbrauchen sie Strom. In einem Vier-Personen-Haushalt werden so jährlich mehr als 600 Kilowattstunden Strom vergeudet, über 120 Euro kostet das. Deshalb lieber ausschalten oder gleich ganz den Stecker ziehen.

Heizen

70 Prozent des Energieverbrauchs entfallen in privaten Haushalten auf die Heizung. Eine Senkung der Temperatur um ein Grad kann, je nach Baustandard, bis zu 21 Prozent Energie sparen. Optimal sind 20 Grad in Wohn- und Arbeitsräumen sowie im Badezimmer, für das Schlafzimmer reichen 16 bis 17 Grad. Halten Sie die Türen zwischen den unterschiedlich beheizten Räumen geschlossen. Schalten Sie die Heizung tagsüber nicht aus, denn ständiges Wiederaufheizen und Auskühlen kostet Energie. Hände weg von Heizlüftern - sie sind enorme Stromfresser. Stellen oder hängen Sie nichts vor die Heizung. Lassen Sie die Wärme nicht zum Fenster raus: Fünf bis zehn Minuten Stoßlüften sind sinnvoller, als ständig die Fenster auf Kipp zu stellen. Je niedriger die Zimmertemperatur, desto häufiger muss gelüftet werden.

Wasser

Duschen statt baden! Für ein Vollbad (140 bis 180 Liter) verbrauchen Sie dreimal so viel Wasser und Energie wie für fünf Minuten Duschen mit normalem Duschstrahl. Lassen Sie Wasser grundsätzlich nicht unnötig laufen. Drehen Sie zum Beispiel beim Zähneputzen den Wasserhahn zu. Einhebel-Mischbatterien sparen Energie, weil sich die Wassertemperatur schneller regulieren lässt als mit zwei Griffen.

Licht

Festbeleuchtung muss nicht sein. Bringen Sie die Lampen dort an, wo sie gebraucht werden, zum Beispiel über dem Esstisch, am Schreibtisch oder über dem Herd. Helle oder reflektierende Lampenschirme brauchen weniger Energie. Auch eine helle Wandfarbe hilft beim Stromsparen: So reflektiert eine glatte weiße Wand etwa 80 Prozent des Lichts, eine Dunkelgrüne dagegen nur 15 Prozent. Energiesparlampen sind zwar beim Kauf teurer als herkömmliche Glühlampen, sie verbrauchen aber nur ein Fünftel des Stroms. Und das spart bares Geld. Obwohl Halogenlampen doppelt so helles Licht wie normale Glühbirnen spenden und dabei nicht mehr Strom brauchen, sind sie keine Energiesparlampen.


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