HOME

Rating: S&P stuft ThyssenKrupp auf Ramsch-Status herab

Wegen der Pensionsverpflichtungen von ThyssenKrupp wurde das Kreditrating des Mischkonzerns auf Ramsch-Status gesenkt und damit dessen Aktien- und Anleihekurse auf Talfahrt geschickt.

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat das Kreditrating von ThyssenKrupp wegen der Pensionsverpflichtungen des Mischkonzerns auf Ramsch-Status gesenkt und damit dessen Aktien- und Anleihekurse auf Talfahrt geschickt. Auf der Hauptversammlung bezeichnete Konzernchef Ekkehard Schulz den Schritt von S&P als nicht nachvollziehbar.

Refinanzierung wird teurer

"Angesichts unseres sukzessiven Abbaus der Verschuldung, verstehen wir den Schritt überhaupt nicht", sagte Schulz am Freitag in Essen. "Es gibt keinen Grund, das Vertrauen in dieses Unternehmen zu verlieren", appellierte Schulz an die Aktionäre. Bereits vorige Woche hatte S&P ThyssenKrupp wegen seiner hohen Pensionsverpflichtungen auf seine Beobachtungsliste für eine mögliche Herabstufung gesetzt. Mit der Ratingsenkung verteuern sich für ThyssenKrupp die Refinanzierungskosten.

Kreditrating auf "A-2" gesenkt

Standard & Poor's senkte seine Einstufung der maßgeblichen langfristigen Kreditbewertung von ThyssenKrupp von "BBB" um zwei Stufen auf "BB+". Dies bedeutet keine Investmentempfehlung mehr. Das kurzfristige Kreditrating für ThyssenKrupp wurde auf "B" von zuvor "A-2" gesenkt. Außerdem sei das Emissionsrating für die ausstehenden ThyssenKrupp-Anleihen auf "BB" zurückgenommen worden, teilte S&P mit.

Kurse brachen ein

An der Börse verlor die ThyssenKrupp-Aktie zeitweise 7,5 Prozent auf 9,18 Euro. Auch die im März 2009 fällige Unternehmensanleihe mit einem Nominalzins (Kupon) von 7,0 Prozent brach nach Händlerangaben um rund 800 Basispunkte ein auf Kurse zwischen 96 und 98 Zähler. Einem anderen Marktteilnehmer zufolge stieg die Rendite der Anleihe damit um mehr als 200 Basispunkte auf über acht Prozent. Bond-Händler prognostizierten zum Teil einen weiteren Kursrückgang der ThyssenKrupp-Anleihen. "Auf Grund des nun erreichten Ramsch-Status werden viele Fonds das Papier nicht mehr halten können und verkaufen müssen." Zahlreichen Fondsmanagern ist es untersagt, in ihren Portfolios "Junk-Bonds" zu halten. Zuletzt war unter den Dax-Unternehmen lediglich Fresenius Medical Care mit dem so genannten Ramsch-Status bei der Kreditwürdigkeit versehen worden.

Ramsch-Status

Die unmittelbaren Belastungen aus der S&P-Herabstufung bezifferte Schulz auf 20 Millionen Euro jährlich. Er betonte, dass der Konzern bis 2005 durchfinanziert sei und deshalb keinen Refinanzierungsbedarf habe. In unternehmensnahen Kreisen hieß es, andernfalls hätte der Mischkonzern mit weit höheren Belastungen aus der Herabstufung rechnen müssen.

Altes Rating schwer einholbar

Finanzchef Stefan Kirsten zeigte sich indes wenig zuversichtlich, das alte Rating schon bald wieder zurückzuerlangen. Es werde sehr schwierig sein für ThyssenKrupp, in naher Zukunft wieder eine Investment-Bewertung oberhalb des Ramsch-Status zu erreichen, sagte er. Kirsten fügte hinzu, er habe keine Hinweise darauf, dass die Ratingagentur Moody’s ihre Bewertung von ThyssenKrupp ändern werde.

Beurteilung "schwer nachvollziehbar"

In seinem Bericht über das erste Quartal 2002/03 hatte ThyssenKrupp vorige Woche eine Verringerung seiner Netto-Finanzverbindlichkeiten von Ende März 2001 bis Ende September 2002 um vier Milliarden Euro auf 4,7 Milliarden Euro mitgeteilt. "Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung von S&P nicht nachvollziehbar. Die Fakten zu ThyssenKrupp haben sich nicht geändert, lediglich die Meinung von S&P hinsichtlich der Beurteilung von Pensionsverpflichtungen hat sich geändert", sagte Schulz. Er prognostizierte für das seit Oktober 2002 laufende Geschäftsjahr eine deutliche Gewinnverbesserung. Vor einer Woche hatte der Konzern in seinem Zwischenbericht nur von einer "Verbesserung" gesprochen.

Ungedeckte Pensionsverpflichtungen?

"Die Ratingmaßnahme spiegelt die Einbeziehung von ungedeckten Pensionsverbindlichkeiten in die Berechnung der Gesamtverschuldung durch Standard & Poor’s wider", erklärte das Ratingunternehmen. ThyssenKrupp weise zum Ende September 2002 hohe ungedeckte Pensionsverbindlichkeiten von rund 7,1 Milliarden Euro aus. Die laufenden jährlichen Kosten der Pensionsverpflichtungen bezifferte S&P auf 450 Millionen Euro. Liquiditätsrisiken bestünden wegen der Pensionsverpflichtungen jedoch nicht.

Aggressives Finanzrisikoprofil

"Insgesamt bewertet S&P das Geschäftsrisikoprofil von ThyssenKrupp als nach wie vor durchschnittlich, das Finanzrisikoprofil jedoch als aggressiv." Anerkennung zollte die Agentur den Bemühungen des Managements zum weiteren Schuldenabbau.