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RECHT: Keine Lohnfortzahlung bei Eigenverschulden

Wer vom Arzt krankgeschrieben worden ist, hat damit nicht automatisch Anspruch auf Lohnfortzahlung. Der Arbeitgeber kann im Zweifelsfall Geld zurückbehalten.

Wie der Bonner Informationsdienst »Neues Arbeitsrecht für Vorgesetzte« jetzt berichtete, kann der Arbeitgeber die Zahlung verweigern, wenn der Arbeitnehmer die Arbeitsunfähigkeit selbst verschuldet hat. In Zweifelsfällen darf der Arbeitgeber den Lohn zunächst zurückbehalten. Der Betroffene muss dann entsprechende Auskünfte geben, ein reiner Verweis auf die Krankschreibung reicht nicht aus.

Eigenes Verhalten bewertet

Es ist zwar gesetzlich nicht geregelt, wann ein Eigenverschulden vorliegt, so der Informationsdienst. Als Richtschnur könnten jedoch einige seit Jahren gültige Urteile des Bundesarbeitsgerichtes (BAG) gelten. Danach darf schuldhaftes Verhalten angenommen werden, wenn der Arbeitnehmer in erheblichem Maße gegen die von einem verständigen Menschen im eigenen Interesse zu erwartenden Verhaltensweisen verstößt (BAG-Aktenzeichen 1 AZR 388/70 und 5 AZR 297/91). Es könnte auch ausreichen, wenn das Verhalten des Mitarbeiters dessen Erkrankung verschlimmert oder verlängert und sich damit auf die Arbeitsunfähigkeit auswirkt (Aktenzeichen 2 AZR 154/93).

Dummheit wird bestraft

Auch gab es bereits zahlreiche Einzelurteile, die wichtige Hinweise geben, so der Informationsdienst. Die Folgen einer Bierzelt-Schlägerei muss beispielsweise ein Arbeitgeber nicht ausbaden, wenn sein Mitarbeiter diese angezettelt hat. Ebenfalls leer ausgegangen ist ein Arbeitnehmer, der im Urlaub trotz eines chronischen Bandscheibenschadens an einem Wettbewerb teilgenommen und anschließend drei Wochen lang krankgeschrieben worden war. Sogar eine durch einen Verkehrsunfall selbst verschuldete Arbeitsunfähigkeit kann vorliegen, wenn etwa der Beschäftigte Verkehrsregeln vorsätzlich oder grob fahrlässig missachtet hat. Ganz besonders kommt hier Alkohol am Steuer in Frage.