HOME

Serie Geldanlage, Teil 2: Was Kunden bei Lebensversicherungen beachten müssen

Lebensversicherungen sind in der Krise. Soll ich meine bestehende Police behalten oder kündigen? Und was taugen die neuen Angebote der Versicherer? Teil 2 unserer Serie zu Geldanlage.

Von Frank Donovitz und Elke Schulze

Heute einen Vertrag über eine Lebensversicherung unterschreiben, um abgesichert zu sein? Besser nicht, raten Verbraucherschützer - die Konditionen sind zu schlecht.

Heute einen Vertrag über eine Lebensversicherung unterschreiben, um abgesichert zu sein? Besser nicht, raten Verbraucherschützer - die Konditionen sind zu schlecht.

Jahrzehntelang bildete eine Lebensversicherung das Fundament jeder Geldanlage, 93 Millionen Verträge haben die Deutschen. Die Rendite war sicher, und sie wurde gesetzlich garantiert. Das Minimum lag einst bei vier Prozent. Tatsächlich erwirtschaftete die Versicherung meist noch mehr.

Die himmlischen Zeiten sind vorbei. Inzwischen geht es nur noch darum, ob das Minimum überhaupt erreicht wird. Für Verträge, die vor 2000 abgeschlossen wurden, gilt die Zusage von vier Prozent zwar noch. Doch seither ist der Garantiezins gesunken, aktuell auf 1,75 Prozent. Zum kommenden Jahreswechsel wird er weiter sinken, auf nur noch 1,25 Prozent.

Nimmt man alle Verträge, alte wie neue, zusammen, müssen die Versicherungen in Deutschland die Einlagen ihrer Kundschaft derzeit mit mindestens 3,3 Prozent vergüten. Das fällt ihnen in Zeiten historischer Minizinsen immer schwerer. Zuletzt schafften sie noch durchschnittlich 3,6 Prozent. Die Luft wird also dünn. Wie aber gelingt es den Versicherungen überhaupt noch, so hohe Renditen zu erwirtschaften?

Das erklärt sich aus ihrer Anlagepolitik: Sie investieren viele Milliarden in Papiere mit Laufzeiten von bis zu 50 Jahren - so stammt also vieles noch aus Jahren hoher Zinsen. Jahr für Jahr aber muss etwa die Allianz zehn Prozent der Gelder neu anlegen. Und da geht es den Lebensversicherern zurzeit auch nicht viel besser als jedem Kleinsparer: Aus Geld lässt sich gerade nur schwer mehr machen, ohne allzu sehr ins Risiko zu gehen.

Lohnt sich das noch?

Wer alte Verträge besitzt, kann sich auf die Zusagen verlassen. Glaubt man den Versicherern, gilt das auch noch lange. Allerdings sieht man bei manchen Anbietern, wie schwer es ihnen fällt, die einst garantierten Zinsen zu erwirtschaften. Sie greifen zur Radikallösung und verkaufen keine neuen Verträge mehr. Für Altkunden dürfte das eine schlechte Nachricht sein - denn das Neukundengeschäft ist für jede Versicherung immer auch Ansporn, ertragreich zu wirtschaften.

Was soll ich tun?

Verbraucherschützer raten generell vom Abschluss neuer Policen ab. Zu undurchsichtig und unsicher sind sie. Das gilt auch für ein neues raffiniertes Produkt, mit dem die Versicherungen das Geschäft beleben wollen. Bei der Allianz heißt das neue Angebot "Perspektive", bei Ergo "Rente Garantie". Diese neue Generation der Lebensversicherung verzichtet komplett auf garantierte Mindestzinsen. Das Verkaufsargument lautet: Auf diese Weise könnten höhere Überschüsse erwirtschaftet werden, weil bis zur Auszahlung geringere Rücklagen gebildet werden müssten. Doch wie rentabel diese komplizierten Verträge einmal sein werden, steht in den Sternen.

Und wie lautet die Strategie bei bestehenden Verträgen? Policen, die vor 2004 abgeschlossen wurden, garantieren selbst nach Abzug der Kosten noch bis zu drei Prozent Zinsen. Solange die Versicherer das bezahlen können, sollten Sparer die Erträge mitnehmen. Also weiterlaufen lassen und die Post vom Versicherungsunternehmen aufmerksam lesen.

Komplizierter wird es bei Verträgen, die erst wenige Jahre alt sind, auch bei Riester-Policen. Ein pauschaler Rat ist nicht möglich, weil es zu sehr auf den Einzelfall ankommt. Hilfreich sind die Finanzexperten der Verbraucherzentralen. Deren Beratung kostet zwar rund 60 Euro - doch das ist gut investiert.

print
Themen in diesem Artikel