Service Hilfe für verärgerte Bankkunden


Das Ombudsmann-Verfahren der Banken wird immer gefragter. Die kostenlose Schlichtung kann eine teure Klage ersetzen.

Ob unzulässige Gebühren, falsche Zinsberechnungen, oder fehlerhafte Anlageberatung - so mancher Kunde fühlt sich von seiner Bank übervorteilt. Doch eine gerichtliche Auseinandersetzung ist teuer und langwierig. Empfehlenswerter kann die kostenlose außergerichtliche Schlichtung durch den so genannten Ombudsmann sein, die von vielen Kreditinstituten angeboten wird. Das Verfahren ist begehrt, denn die Zahl der Beschwerden in den Schlichtungsstellen steigt beständig.

Beschwerden häufen sich

So zählte der Bundesverband Deutscher Banken (BdB) allein 2002 mit fast 2.200 Beschwerden fast doppelt so viele Fälle wie noch 1997. Vier unabhängige und neutrale Schlichter, alle ehemalige Berufsrichter, fungieren beim BdB als Schlichter für die deutschen Privatbanken. Unbürokratisch und schnell sollen sie Streitfälle schlichten.

Schlichterspruch bis zu 5.000 Euro bindend

Bei berechtigten Beschwerden haben Kunden gute Chancen auf Erfolg. Von den in 2003 entschiedenen 906 Fällen beim BdB wurden 506 zu ihren Gunsten entschieden, in 371 Fällen erhielt die Bank Recht. Der Schlichterspruch ist bis zu einem Streitwert von 5.000 Euro für das Institut bindend, nicht jedoch für den Kunden. Ihm steht weiterhin frei, vor Gericht klagen.

Genossenschaftsbanken neu dabei

Auch die Kunden der rund 1.500 Genossenschaftsbanken können seit April 2002 am Schlichtungsverfahren teilnehmen. Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) wurden bislang über 2.000 schriftliche Eingaben bearbeitet. "Auch bei uns nimmt die Zahl der Beschwerden zu", sagt der BVR-Ombudsmann und ehemalige Bundesrichter Alfons van Gelder.

Häufigste Streitpunkte: Gebührenfragen

28 Prozent der Eingaben bezogen sich 2002 auf das Wertpapiergeschäft. "Renner" war die Frage, ob Banken für die Übertragung eines Wertpapierdepots an ein anderes Kreditinstitut ein Entgelt verlangen dürfen. "Dürfen sie nicht", betont van Gelder. Auch Zinsanpassungen, Kreditabwicklungen und die Verweigerung von Überweisungen bei mangelnder Kontodeckung waren häufig Thema.

Meist wird Schlichterspruch akzeptiert

Rund 65 Prozent der Schlichtersprüche beim BVR wurden 2002 zu Gunsten der Bank entschieden. "Viele Fälle können jedoch im Vorfeld gelöst werden und kommen erst gar nicht auf meinen Tisch, so dass es letztlich 50 zu 50 ausgeht", sagt van Gelder. Zwar seien die Genossenschaftsbanken nicht an den Schlichterspruch gebunden, in aller Regel werde er aber akzeptiert.

Sparkassen haben eigene Ombudsmänner

Auch bei den Sparkassen gibt es das Ombudsmann-Verfahren. Hier sind die Schlichterstellen bei den 12 regionalen Sparkassenverbänden angesiedelt. Wie viele Fälle bearbeitet wurde, vermag der Deutsche Sparkassen- und Giroverband nicht zu sagen. Auch hier sind die Schlichtersprüche für das Institut nicht verbindlich. Sie würden jedoch fast immer akzeptiert, und das System habe sich bewährt, heißt es.

Keine Zeugenanhörung

Wer sich mit seiner schriftlichen Beschwerde an einen Ombudsmann richtet, sollte den Fall gut belegen können. Entschieden wird nur nach vorliegenden Informationen, Zeugenanhörungen sind nicht vorgesehen. "Viele Kunden haben sich schlicht verspekuliert und suchen nun einen Schuldigen, da kann ich nicht helfen", betont van Gelder.

Weniger Arbeit für Gerichte

Grundsätzlich kann sich jeder an den Ombudsmann wenden. Die Schreiben werden zunächst von einer Beschwerdestelle bearbeitet und die Bank um Stellungnahme gebeten. Kann der Fall nicht geklärt werden, wird der Ombudsmann aktiv. Maximal 14 Tage dauere es, bis er einen Fall entschieden habe, sagt van Gelder. Er ist überzeugt, dass er den Gerichten eine Menge Arbeit erspart: "Jeder zweite Fall würde ohne Schlichter vor Gericht landen".

DPA

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