Servicepauschale Flugtickets werden teurer


Fliegen wird ab dem 1. September merklich teurer werden. Die Lufthansa und weitere Airlines führen eine Servicepauschale für den Ticketkauf ein und streichen den Reisebüros die Provisionen.

Flugtickets werden in Deutschland beginnend mit dem 1. September deutlich teurer. Die Lufthansa, gefolgt von rund 20 weiteren Fluggesellschaften, macht Schluss mit den Provisionszahlungen an Reisebüros, die bisher bei jedem verkaufte Ticket fünf bis neun Prozent des Preises für sich behalten konnten. Diese Einnahmeausfälle müssen sich die Reisemakler also beim Kunden wiederholen. Doch der wird auch von den Fluggesellschaften künftig stärker zur Kasse gebeten: Schon für die Buchung eines Fluges wird ab Anfang September eine so genannte Servicepauschale fällig. Je nach Buchungsart, Airline und Fluglänge variieren die Kosten, mit mindestens 30 Euro Gebühren müssen Reisende aber rechnen. Um mehr als sechs Prozent dürften sich die Flugpreise damit verteuern, schätzt der Deutsche Reisebüro und Reiseveranstalter Verband (DRV).

Die Deutsche Lufthansa hatte das neue Vertriebsmodell, das in vielen anderen Ländern schon länger Standard ist, im Februar gegen heftigen Protest der Reisebüros angekündigt. Sie verspricht sich Einsparungen in Höhe von rund 100 Millionen Euro pro Jahr. Der DRV geht davon aus, dass das Reisebüro dem Kunden zusätzlich zum Entgelt der Fluggesellschaft noch eine Pauschale für eigene Dienstleistungen in Rechnung stellen werde. Die Höhe dieses Zuschlages muss selbst bestimmt werden. Die Reisebürokette Lufthansa City Center empfehle beispielsweise pro Ticket einen Aufschlag in Höhe von 13 Euro.

Neue Gebühren in Euro

Lufthansa EigenvertriebTUIReweCookLufthansa CitycenterKarstadt
Flug Inland3040,6043404345
Flug Europa3040,6043404345
Flug Interkontinental455858555860
Papierticket-Aufschlag88888-
Billigflieger-2120154015

Marktanteil der Lufthansa setzte Reisebüros unter Druck

Im Frühjahr hatten die Reisebüros noch zu einem Boykott der Lufthansa aufgerufen, um den Provisionswegfall zu verhindern. Doch inzwischen haben nach Einschätzung des Branchenverbandes fast alle Reisebüros die neue Vereinbarung mit der Lufthansa unterschrieben. "Für viele ist das eine existenzielle Frage. Die können nicht auf Lufthansa-Tickets verzichten", sagt DRV-Präsident Klaus Laepple. Schließlich habe die Lufthansa innerdeutsch rund 90 Prozent Marktanteil. Laepple selbst zählt mit seinem Düsseldorfer Reisebüro zu den wenigen, die sich dem Lufthansa-Modell weiterhin verweigern. Er schätzt den Lufthansa-Provisionsausfall auf bundesweit rund 200 Millionen Euro. Nach Einschätzung des Branchenverbandes könnte der Wegfall der Provisionen je nach Akzeptanz des neuen Systems 10.000 bis 20.000 Arbeitsplätze gefährden. In den USA, wo die Nullprovision bereits im März 2001 eingeführt wurde, machten laut American Society of Travel Agents bis heute ein Drittel von einst 33.000 Reisebüros Pleite.

Auch der Direktkauf kostet zukünftig mehr

Doch auch wer direkt bei der Lufthansa sein Ticket kauft, kommt künftig nicht um eine Service-Zuschlag umhin. Das Unternehmen erhebt ab dem 1. September bei Buchungen an Flughafenschaltern, im Call-Center oder im Internet ein Service-Entgelt von 30 Euro für die Kurz- und Mittelstrecke oder 45 Euro für die Langstrecke. Bei Online-Buchungen gibt es sowohl bei der Lufthansa als auch bei Dritten weiterhin 10 Euro Rabatt, sagt Lufthansa-Sprecherin Amélie Lorenz. Tickets in Papierform hingegen werden bei einigen Fluggesellschaften zudem einen weiteren Aufschlag kosten. Rund acht Prozent des Ticket-Verkaufs laufen bei der Lufthansa über den Eigenvertrieb. Profitieren vom neuen Vertriebsmodell werden die Billigflieger, von denen fast alle schon in der Vergangenheit keine Reisebüro-Provisionen gezahlt haben. Aus Sicht der Reisebüros ist es künftig egal, ob sie ein Lufthansa-Ticket oder ein Billigflieger- Ticket verkaufen. "Wir sind dann nur noch Makler des Kunden", sagt Laepple. Das Reisebüro werde dem Kunden auf Wunsch das billigste Ticket suchen. Bisher waren die Reisebüros dagegen im Normalfall als Handelsvertreter im Auftrag der klassischen Fluggesellschaften tätig.

Wachstumschance für den Online-Vertrieb

Der als preiswerter geltende Online-Vertrieb könnte weiter zulegen. Der Anteil der im Internet verkauften Tickets soll nach 12 Prozent in Deutschland im vergangenen Jahr bis Ende dieses Jahres auf 15 Prozent steigen, sagt Lufthansa-Sprecherin Lorenz. Im Vergleich zu den Billigfliegern ist das immer noch wenig: Bei vielen dieser Gesellschaften liegt der Online-Anteil deutlich über 90 Prozent. Die klassischen Reisebüros wollen dagegen halten - mit besserer Beratung, einem umfangreichen Preisvergleich und oftmals auch mit eigenen Internet-Auftritten.


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