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Statt Gehaltserhöhung: Steuerfreie Extras vom Chef

Lässt sich der Chef nach zähen Verhandlungen endlich auf eine Gehaltserhöhung ein, kommt das böse Erwachen oft mit dem nächsten Lohnzettel. Doch es gibt Tricks, wie die Lohnerhöhung nicht gleich von Sozialabgaben und Steuern aufgezehrt wird.

Kaum bekommt man mehr Gehalt - schon zehren Steuern und Sozialabgaben das vermeintliche Plus auf dem Gehaltsstreifen wieder auf. Doch das muss nicht sein. Mit Verhandlungsgeschick kann man auch bei gleichem Einkommen mehr in der Lohntüte erhalten - wenn die Firma mitspielt. Der Gesetzgeber erlaubt es den Arbeitgebern nämlich, eine ganze Reihe lukrativer Extras steuerfrei auszuzahlen.

Zuschuss für den Kindergarten

Statt einer Erhöhung des Salärs um ein paar hundert Euro pro Jahr könnte man dem Arbeitgeber vorschlagen, die Kindergartenkosten für den Nachwuchs zu übernehmen. Der Zuschuss für den Kinderhort bleibt steuerfrei und auch die Firma profitiert, denn sie spart die bei einer regulären Lohnerhöhung anfallenden Zusatzabgaben ein. Auch das Honorar für eine Tagesmutter kann so steuergünstig gesponsert werden. Arbeitnehmer, die eine eigene Familie gründen wollen, können vom Chef eine steuerfreie Starthilfe in Form von Heirats- oder Geburtsbeihilfen bis zu 315 Euro pro Kind einkassieren.

Personalrabatte in Form von Warengutscheinen bleiben bis zu 1080 Euro pro Jahr abgabenfrei, wenn sich die Arbeitnehmer nur aus dem von der Firma hergestellten oder vertriebenen Sortiment bedienen dürfen. Wer seinen privaten Telefonanschluss auch für die Firma nutzt, kann die dienstlich angefallenen Telefonkosten ohne viel Papierkram bis zu 20 Prozent der monatlichen Telefonrechnung, höchstens jedoch 20 Euro pro Monat steuerfrei ersetzt bekommen. Höhere Kostenübernahmen akzeptiert das Finanzamt nur gegen Nachweis.

Zinsgünstiges Darlehen

Wer knapp bei Kasse ist, kann sich von seinem Arbeitgeber ein zinsgünstiges Darlehen geben lassen. Der Zinsvorteil gegenüber einem Bankkredit bleibt bis zu einem Darlehen von 2600 Euro komplett steuerfrei. Fahrtkostenzuschüsse oder Job-Tickets sind seit 2004 steuer- und sozialversicherungspflichtig. Trotzdem kann die Firma den Weg zur Arbeit steuerfrei sponsern. Voraussetzung ist aber, das die Zugabe unter der monatlichen Sachbezugsgrenze von 44 Euro bleibt und die Firma monatliche Fahrkarten ausgibt oder abrechnet.

Wer mit dem eigenen Auto zur Arbeit fährt, kann von der Firma über Benzingutscheine einen steuerfreien Obolus einstreichen. Vorsicht: Tankbons bleiben nur dann bis zu 44 Euro pro Monat steuerfrei, wenn sich der Gutschein auf eine Treibstoffmenge, nicht aber auf deren Wert bezieht. Alternativ kann die Firma den Zuschuss für den täglichen Arbeitsweg auch mit 15 Prozent pauschal versteuern - Sozialabgaben entfallen dann.

Sachprämien wie Wein oder Kinokarten

Gute Leistungen seiner Leute kann der Chef auch mit Sachprämien wie zum Beispiel Kinokarten, Wein oder Büchern honorieren - und das Finanzamt bleibt außen vor. Auch die Kosten für Gesundheits- und Fitnessprogramme oder ein Fahrsicherheitstraining kann der Arbeitgeber brutto für netto übernehmen. Das Unternehmen muss dazu mit dem jeweiligen Anbieter eine Rahmenvereinbarung treffen und die Kosten direkt übernehmen.

Doch es gibt auch Grenzen: Trinkgelder bleiben nach einem Urteil des Finanzgerichtes Niedersachsen nur steuerfrei, wenn sie von Dritten und nicht vom Arbeitgeber gezahlt werden (AZ: 1 K 10938/03). Auch eine Entschädigung für verfallene Urlaubstage muss als normaler Lohn versteuert werden.

Michael Degethof/DDP / DDP
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