Wirtschaftlicher Niedergang Mercedes-Chef warnt vor politischem Rechtsruck

Warnt vor Populisten von rechts: Mercedes-Chef Ola Källenius. (Archivbild) Foto: Marijan Murat/dpa
Warnt vor Populisten von rechts: Mercedes-Chef Ola Källenius. (Archivbild) Foto
© Marijan Murat/dpa
Mercedes-Chef Källenius warnt: Wenn Deutschland nicht umsteuert, drohen wirtschaftlicher Abstieg und ein Rechtsruck. Was er von Politik und Bürgern jetzt fordert.

Mercedes-Chef Ola Källenius warnt vor einem wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands und vor einem politischen Rechtsruck. "Deutschland entwickelt sich wirtschaftlich seit etwa 10 bis 15 Jahren in eine falsche Richtung", sagte Källenius dem "Spiegel". Wenn man das nicht drehe, "dann kommen die Populisten von rechts, die für nichts eine Lösung haben".

Einen Grund für die Probleme sieht Källenius in der mangelnden Leistungsbereitschaft der Deutschen. Es sei, "als ob man vor einer Fußball-WM sagt, wir trainieren genug, obwohl alle anderen doppelt so viel trainieren". Jeder wisse, dass man so nicht Weltmeister werde. 

Deutschland habe mit die höchsten Arbeitskosten der Welt. Jahrelang habe man das mit gesteigerter Produktivität wettmachen können, doch das reiche nicht mehr. "Wir wollen keine asiatischen Verhältnisse in Deutschland, müssen aber bei Energie, Steuern und Arbeitskosten wieder in eine Richtung gehen, dass sich Unternehmertum und Investitionen in Deutschland lohnen", sagte der Mercedes-Chef. Sonst fließe das Kapital woandershin.

Mercedes-Chef: Deutsche müssen insgesamt wieder mehr arbeiten 

Källenius verteidigte das Recht auf Teilzeitarbeit, aber mit Einschränkungen. "Teilzeit mit einem Sachgrund wie Kindererziehung oder Pflege ist ein wunderbares Instrument, viele Menschen konnten so von ihren Arbeitgebern gehalten oder in den Arbeitsmarkt zurückgeführt werden." Klar sei aber auch, dass die Deutschen insgesamt wieder mehr arbeiten müssten, sonst gerate "unsere einzigartige Produktivitätsmaschine noch stärker ins Stocken".

Auch mit Blick auf die europäische Industriepolitik forderte Källenius einen Kurswechsel: "Wir müssen weg von Verpflichtungen und Strafen und hin zu marktbasierten Anreizen sowie massiven Investitionen in die Infrastruktur. Egal, ob es um die Chemie, den Stahl oder Autos geht - wir machen überall die gleichen methodischen Fehler." Europa verliere so seine ökonomische Stärke.

dpa