Ein Jubiläum ist meistens ein Grund zum Feiern. Im Fall der Aktion Plagiarius hat das Ganze hingegen ein bitteren Beigeschmack. Denn Anlass ist ein Dauer-Problem: Zum 50. Mal zeichnet der Verein an diesem Freitag auf der Frankfurter Konsumgütermesse Ambiente die dreistesten Plagiate und Produktfälschungen aus.
Eine Jury aus Unternehmensvertretern und Rechtsexperten wählte die aus ihrer Sicht preiswürdigsten Fälle aus. Den Hauptpreis sprach sie einer Babyfläschen-Kopie des renommierten Original-Herstellers Philips Avent zu. Die Plagiate namens "Aveat" stammen von einem chinesischen Hersteller und wurden weltweit vertrieben. Bedenklich sei hier nicht nur der Markenklau, sondern auch die mangelnde Produktsicherheit, urteilte die Jury.
Unter den weiteren ausgezeichneten Produkten befinden sich gefälschte Wasserhähne, schlecht nachgebaute Designmöbel oder Billig-Rasierklingen. Alle Preisträger sowie das zugehörige Originalprodukt zeigt unsere Fotostrecke. Die Auszeichnung mit dem "Plagiarius" sage nichts darüber aus, ob ein nachgeahmtes Produkt rechtswidrig sei, betont der Verein. Auch legaler Ideenklau kann preiswürdig sein.
Plagiarius stellt Produktpiraterie an den Pranger
Mit dem Negativpreis stellt Plagiarius das Milliardengeschäft mit Produkt- und Markenpiraterie und deren Profiteure an den Pranger – vom einfallslosen Mitbewerber bis hin zu globalen kriminellen Netzwerken. "Sie untergraben den legalen Handel und überfluten den europäischen Markt mit oftmals ungeprüften, falsch deklarierten und nicht EU-konformen Billigartikeln und Fälschungen", heißt es in einer Mitteilung des Vereins.
Die Dimension des Problems ist gewaltig: 112 Millionen gefälschte Waren stellten die Behörden 2024 in der EU oder an deren Grenzen sicher, wie die EU-Agentur für geistiges Eigentum (EUIPO) kürzlich berichtete. Und das sind nur die Fälle, die auffliegen. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein. Der Markenverband schätzt, dass allein Deutschland jede Woche 144.000 Pakete mit Fälschungen erreichen.
Im Fokus stehen vor allem Billigprodukte aus China. Bei deutschen Kunden kommen jeden Tag Hunderttausende Pakete aus Fernost an. Da der Zoll dabei regelmäßig umgangen wird, hat die Politik jüngst reagiert: Ab Juli 2026 wird auch auf bisher zollfreie Kleinpakete eine Pauschale von drei Euro fällig.
Die Aktion Plagiarius begrüßt das als ersten Schritt, fordert aber weitere Maßnahmen. Nötig sei vor allem eine deutlich bessere personelle Ausstattung von Zoll und Marktüberwachungsbehörden, damit mehr kontrolliert und sanktioniert werden kann. Händler und Plattformbetreiber aus Drittstaaten sollten stärker haftbar gemacht werden können. Außerdem fordern die Plagiarius-Organisatoren ein Gesetz, das es ausdrücklich verbietet, dass einmal gelöschte illegale Angebote erneut eingestellt werden.